EU-KI-Verordnung: Parlament will Fristen fĂŒr Unternehmen verlĂ€ngern
24.03.2026 - 08:48:29 | boerse-global.de
Das EuropĂ€ische Parlament will die Umsetzungsfristen fĂŒr die strenge KI-Verordnung deutlich verlĂ€ngern. Ziel ist es, Unternehmen mehr Zeit fĂŒr die Anpassung zu geben und einen regulatorischen Engpass zu verhindern. Die entscheidende Abstimmung im Plenum findet am Donnerstag statt.
Die EU steht vor einem Dilemma: Die ehrgeizigen Regeln fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz sind beschlossen, doch die praktische Umsetzung droht zu scheitern. Der ursprĂŒngliche Stichtag, der 2. August 2026, rĂŒckt bedrohlich nah. Doch die notwendige Infrastruktur â harmonisierte technische Standards und PrĂŒfstellen â ist noch nicht einsatzbereit. Jetzt schlĂ€gt das Parlament eine Verschiebung vor, um Chaos zu vermeiden.
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Digitaler Omnibus: Notbremse fĂŒr die KI-Regulierung
In einer gemeinsamen Sitzung haben die zustĂ€ndigen AusschĂŒsse fĂŒr Binnenmarkt (IMCO) und BĂŒrgerfreiheiten (LIBE) mit groĂer Mehrheit einen Bericht angenommen. Dieser sieht vor, die Fristen fĂŒr die anspruchsvollsten Compliance-Pflichten zu verschieben. Kern des Vorschlags ist der sogenannte Digitale Omnibus zur KI, ein Gesetzespaket, das den Rollout verschiedener Digitalvorschriften vereinfachen soll.
Die Berichterstatter Arba Kokalari und Michael McNamara betonen: Die Sicherheits- und Ethikziele des KI-Gesetzes bleiben unverĂ€ndert. Doch die praktische Umsetzung erfordere eine âStoppuhr-Pauseâ. Unternehmen sollen nicht fĂŒr Verzögerungen im europĂ€ischen Standardisierungsprozess bestraft werden. Der Hauptgrund fĂŒr die Verschiebung sind die noch in Entwicklung befindlichen technischen Normen. Sie sind die âBlaupausenâ fĂŒr den Nachweis, dass KI-Systeme den rechtlichen Anforderungen entsprechen. Ohne sie können Unternehmen weder die nötige Dokumentation abschlieĂen noch externe Audits fĂŒr Hochrisiko-Systeme durchfĂŒhren.
Neue Fristen: Atempause fĂŒr Hochrisiko-KI
Der Ausschussbericht schlĂ€gt eine gestaffelte VerlĂ€ngerung vor. Die wichtigste Ănderung betrifft eigenstĂ€ndige Hochrisiko-KI-Systeme. Dazu zĂ€hlen Anwendungen in kritischer Infrastruktur, Bildung, Personalwesen oder Strafverfolgung. FĂŒr sie soll sich die Frist fĂŒr die vollstĂ€ndige Compliance vom 2. August 2026 auf den 2. Dezember 2027 verschieben.
Noch mehr Zeit gibt es fĂŒr KI-Systeme, die als Sicherheitskomponenten in bestehende Produkte integriert sind â etwa in MedizingerĂ€te, Fahrzeuge oder Industrieanlagen. Hier schlagen die AusschĂŒsse den 2. August 2028 als neuen Stichtag vor. Diese vierjĂ€hrige Frist spiegelt die extreme KomplexitĂ€t wider, KI-Regeln mit etablierten Sicherheitsvorschriften zu harmonisieren.
Auch fĂŒr Transparenzpflichten bei generativer KI, wie Wasserzeichen fĂŒr KI-generierte Inhalte, wird eine verlĂ€ngerte Frist bis zum 2. November 2026 vorgeschlagen. Ein Kompromiss zwischen Entwicklungszeit und der Dringlichkeit, gegen Desinformation vorzugehen.
Verbot von âNudifierâ-Apps und Hilfe fĂŒr KMU
Das Parlament nutzt die Gelegenheit, auch inhaltliche Nachbesserungen vorzunehmen. Ein bedeutender neuer Punkt ist das vorgeschlagene Verbot sogenannter âNudifierâ-Anwendungen. Diese KI-Systeme können Bilder manipulieren, um ohne Einwilligung pornografische Inhalte von realen Personen zu erzeugen. Laut Bericht stellen sie eine schwere Bedrohung fĂŒr die persönliche WĂŒrde und PrivatsphĂ€re dar. Das Verbot zeigt den Willen, die KI-Verordnung als âlebendes Dokumentâ zu gestalten, das auf neue technologische Gefahren reagieren kann.
Zudem enthĂ€lt der Vorschlag MaĂnahmen zur UnterstĂŒtzung europĂ€ischer KMU und kleiner MittelstĂ€ndler. Dazu zĂ€hlen vereinfachte Dokumentationspflichten und ein erweiterter Zugang zu regulatorischen Sandboxes. In diesen geschĂŒtzten RĂ€umen können Unternehmen innovative KI-Systeme unter Aufsicht testen, ohne sofort alle Compliance-HĂŒrden nehmen zu mĂŒssen.
Was die Verschiebung fĂŒr die Wirtschaft bedeutet
Die Reaktion aus der Wirtschaft ist eine der vorsichtigen Erleichterung. Die vorgeschlagene 16-monatige VerlĂ€ngerung bietet dem europĂ€ischen Tech-Sektor wichtige Atempause. Experten warnen jedoch: Dies ist kein âUrlaubâ von den Compliance-BemĂŒhungen. Die grundlegenden Anforderungen an Risikomanagement, Daten-Governance und menschliche Aufsicht bleiben bestehen und erfordern bei den meisten Unternehmen umfangreiche interne Umstrukturierungen.
WĂ€hrend die KI-Regulierung neue HĂŒrden schafft, verschĂ€rfen aktuelle Gesetze auch die allgemeinen Anforderungen an die IT-Sicherheit in deutschen Unternehmen. Erfahren Sie in diesem Experten-Report, wie Sie sich effektiv gegen Cyberbedrohungen schĂŒtzen, ohne Ihr Budget zu sprengen. Kostenlosen Cyber-Security-Report herunterladen
Die Verschiebung auf feste Kalenderdaten schafft dringend benötigte Planungssicherheit fĂŒr Budgets und Produkt-Roadmaps. Unternehmen sollten die zusĂ€tzliche Zeit nutzen, um interne Audits durchzufĂŒhren und automatisierte Dokumentationsprozesse aufzubauen. Erfolgreich werden jene sein, die die KI-Compliance frĂŒh in ihre ESG- und Datenschutzstrategien integrieren.
Ausblick: Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten beginnen
Nach der erwarteten Zustimmung des Parlaments am 26. MĂ€rz beginnen sofort die Verhandlungen mit dem Rat der EU, der die Mitgliedstaaten vertritt. Dieser hat seine Verhandlungsposition bereits am 13. MĂ€rz festgelegt und zeigt sich grundsĂ€tzlich offen fĂŒr verlĂ€ngerte Fristen.
Das Ziel ist eine finale Einigung in den Trilog-Verhandlungen bis Mai 2026. Die zyprische RatsprĂ€sidentschaft hat die Finalisierung dieser Datei zur PrioritĂ€t erklĂ€rt. Sie will ein âpraxistaugliches und wettbewerbsfĂ€higesâ KI-Rahmenwerk fĂŒr Europa als VermĂ€chtnis hinterlassen. Die Botschaft an die Unternehmen ist klar: Die Uhr wurde verlangsamt, die Richtung bleibt gleich. Die Ăra der unregulierten KI in Europa geht zu Ende.
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