EU-Komitees, KI-Gesetz

EU-Komitees bremsen KI-Gesetz aus und verschÀrfen es zugleich

24.03.2026 - 13:52:16 | boerse-global.de

Das EU-Parlament verschafft Unternehmen mehr Zeit fĂŒr die Umsetzung des KI-Gesetzes, verschĂ€rft aber gleichzeitig das Verbot fĂŒr gefĂ€hrliche Anwendungen wie Nudifier-Systeme.

EU-Komitees bremsen KI-Gesetz aus und verschĂ€rfen es zugleich - Foto: ĂŒber boerse-global.de
EU-Komitees bremsen KI-Gesetz aus und verschĂ€rfen es zugleich - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die EU verschafft der Wirtschaft mehr Zeit fĂŒr die Umsetzung des KI-Gesetzes, geht aber schĂ€rfer gegen gefĂ€hrliche Anwendungen vor. Zwei SchlĂŒsselausschĂŒsse des EuropĂ€ischen Parlaments haben dafĂŒr den Weg geebnet.

In einer bedeutenden Kurskorrektur haben wichtige EU-ParlamentsausschĂŒsse die EinfĂŒhrung des strengen KI-Gesetzes verzögert und vereinfacht. Der Ausschuss fĂŒr Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) und der Ausschuss fĂŒr bĂŒrgerliche Freiheiten (LIBE) stimmten am 18. MĂ€rz 2026 mit großer Mehrheit fĂŒr ein Paket namens Digital Omnibus on AI. Die Entscheidung soll wachsende Bedenken zur technischen Umsetzbarkeit ausrĂ€umen und einen Flickenteppich bei der Compliance verhindern. Das Plenum des Parlaments wird die Maßnahmen am 26. MĂ€rz debattieren – ein entscheidender Moment fĂŒr Unternehmen in der Union.

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Fristen fĂŒr Hochrisiko-KI werden deutlich verschoben

Der Kern des Beschlusses ist die Verschiebung der Fristen fĂŒr Hochrisiko-KI-Systeme. UrsprĂŒnglich sollten viele Pflichten bereits im August 2026 greifen. Die Abgeordneten erkennen jedoch an, dass die notwendigen technischen Standards fĂŒr DatenqualitĂ€t und Transparenz nicht rechtzeitig fertig werden.

Statt flexibler ZeitplĂ€ne setzt der Beschluss nun feste Daten: FĂŒr Hochrisiko-KI in Bereichen wie biometrischer Identifikation, kritischer Infrastruktur oder Personalwesen gilt nun der 2. Dezember 2027 als Stichtag. Das sind 16 Monate mehr Vorbereitungszeit. FĂŒr KI als Sicherheitskomponente in bereits regulierten Produkten, etwa MedizingerĂ€ten, wurde die Frist sogar auf den 2. August 2028 verschoben. Dieser gestaffelte Ansatz soll verhindern, dass die Regulierung der technischen Entwicklung davonlĂ€uft.

Entlastung fĂŒr den europĂ€ischen Mittelstand

Über reine FristverlĂ€ngerungen hinaus zielt das Paket auf gezielte Entlastung fĂŒr kleinere europĂ€ische Firmen. Neben den klassischen KMU wird eine neue Kategorie von „Small Mid-Cap Enterprises“ (SMCs) eingefĂŒhrt. Diese Unternehmen sind zwar grĂ¶ĂŸer als KMU, verfĂŒgen aber nicht ĂŒber die Ressourcen globaler Tech-Konzerne.

FĂŒr sie sollen dieselben Erleichterungen gelten wie fĂŒr KMU: vereinfachte Dokumentationspflichten und besserer Zugang zu regulatorischen Sandboxes. In diesen Testumgebungen können KI-Modelle unter Aufsicht erprobt werden. Die Anpassung ist eine Reaktion auf Industriefeedback, wonach das ursprĂŒngliche Gesetz Innovationen bei Europas vielversprechenden Tech-Wachusunternehmen ersticken könnte.

Neue SchĂ€rfe: Verbot von „Nudifier“-Apps

WĂ€hrend ein Teil der Debatte Lockerungen betrifft, nutzten die AusschĂŒsse das Gesetzesfenster auch fĂŒr eine VerschĂ€rfung. Neu auf die Liste verbotener Praktiken gesetzt wird ein Bann fĂŒr sogenannte „Nudifier“-Systeme. Diese KI-Anwendungen können sexuell explizite oder intime Bilder erzeugen, die echten, identifizierbaren Personen Ă€hneln – ohne deren Einwilligung.

Das Verbot ist absolut fĂŒr Systeme, die zu diesem Zweck designed sind. Ausnahmen gelten nur fĂŒr Modelle mit eingebauten, wirksamen Sicherheitsmechanismen, die die Erstellung solcher Inhalte verhindern. Das zeigt: Das Parlament gewĂ€hrt der Industrie zwar mehr Zeit, bleibt aber entschlossen, bei direkten Bedrohungen der persönlichen WĂŒrde schnell zu handeln.

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Hintergrund: Der Kampf um Planungssicherheit

Der Druck, den Umsetzungspfad weicher zu gestalten, kommt aus der Praxis. Die Verzögerung bei harmonisierten EU-Standards hat viele Unternehmen in eine Art „Compliance-Schwebe“ gebracht. Sie kennen die rechtlichen Vorgaben, aber nicht die technischen Blaupausen zu deren ErfĂŒllung. Durch feste Daten im Gesetzestext will das Parlament dem Markt Planungssicherheit zurĂŒckgeben.

Die Reaktionen sind gemischt. Die Wirtschaft atmet auf, wĂ€hrend BĂŒrgerrechtsgruppen warnen, dass die Verzögerung bei Hochrisiko-KI BĂŒrger lĂ€nger ungeprĂŒften Systemen aussetzt. Der Kompromiss: Die Frist fĂŒr die Wasserzeichen-Kennzeichnung KI-generierter Inhalte wurde nur auf den 2. November 2026 verschoben – weniger, als die Kommission wollte. So soll der Kampf gegen Desinformation nicht an Schwung verlieren.

Ausblick: Finale Entscheidung steht bevor

Nach dem Ausschussvotum folgt nun die entscheidende Debatte im Plenum des EU-Parlaments am 26. MĂ€rz. Bei Zustimmung beginnen die Verhandlungen mit dem Rat der EU. Angesichts der breiten parteiĂŒbergreifenden UnterstĂŒtzung in den AusschĂŒssen rechnen Beobachter damit, dass die Kernpunkte des Vereinfachungspakets bestehen bleiben.

Der Fokus wird sich dann auf die Aufsichtsrolle der neuen KI-Behörde verlagern. Die nĂ€chsten 18 Monate werden zur BewĂ€hrungsprobe fĂŒr die EU: Kann sie ihre Regeln durchsetzen und gleichzeitig KMU und SMCs die versprochene UnterstĂŒtzung bieten? Der Countdown bis Dezember 2027 lĂ€uft – und mit ihm der Druck auf die Standardisierungsgremien, endlich die technischen Leitlinien zu liefern, auf die die Industrie wartet.

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