EU-Kommission, Verfahren

EU-Kommission eröffnet formelles Verfahren gegen Snapchat

28.03.2026 - 00:00:35 | boerse-global.de

Die EU-Kommission untersucht Snapchat wegen mutmaßlicher Verstöße gegen den Digital Services Act, insbesondere bei der Altersprüfung und dem Schutz Minderjähriger vor Risiken.

EU-Kommission eröffnet formelles Verfahren gegen Snapchat - Foto: über boerse-global.de
EU-Kommission eröffnet formelles Verfahren gegen Snapchat - Foto: über boerse-global.de

Die EU-Kommission geht mit aller Härte gegen Snapchat vor. Am Donnerstag eröffnete sie ein formelles Verfahren gegen die Plattform wegen mutmaßlicher Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA). Im Fokus steht der Schutz Minderjähriger vor Risiken wie Grooming, Drogenwerbung und unzureichender Altersprüfung.

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Kernvorwürfe: Mangelnder Jugendschutz und schwache Alterskontrolle

Das Verfahren konzentriert sich auf fünf kritische Punkte. Hauptkritik ist das Altersverifikationssystem. Snapchat verlangt zwar ein Mindestalter von 13 Jahren, verlässt sich dabei aber auf eine einfache Selbstauskunft. Für die EU-Kommission ist dieses System ungenügend. Es verhindere weder den Zugang von Unter-13-Jährigen, noch identifiziere es zuverlässig Nutzer unter 17, die besonderen Schutz genießen.

Doch die Bedenken gehen tiefer. Die Ermittler prüfen, ob Erwachsene mit schädlichen Absichten die Sicherheitsvorkehrungen leicht umgehen können, um an Minderjährige heranzukommen. Auch die Standard-Privatsphäreeinstellungen stehen auf dem Prüfstand. Sie sollen nicht den gesetzlich geforderten „Safety-by-Design“-Ansatz bieten und Daten junger Nutzer zu stark preisgeben.

Ein weiterer großer Brocken ist die Verbreitung illegaler Inhalte. Der Kommission liegen Berichte vor, wonach Minderjährige auf Snapchat regelmäßig mit Werbung für Drogen, E-Zigaretten und Alkohol konfrontiert werden. Jetzt wird untersucht, ob die Content-Moderation der Plattform robust genug ist, um diese Ströme zu unterbinden.

Von niederländischer Vorermittlung zur EU-weiten Aktion

Das EU-Verfahren baut auf einer Vorermittlung der niederländischen Behörden auf. Diese hatten im September 2025 untersucht, wie über Snapchat illegal E-Zigaretten an Minderjährige verkauft wurden. Durch die Übernahme auf EU-Ebene kann die Kommission nun mit der vollen Durchsetzungsmacht des DSA in allen Mitgliedstaaten agieren.

Die niederländische Verbraucherschutzbehörde ACM bleibt eingebunden. Auch die deutsche Bundesnetzagentur (BNetzA) liefert Informationen. Diese Kooperation ist typisch für die DSA-Durchsetzung: Nationale Koordinatoren sammeln Daten, während die Kommission gegen die Tech-Giganten vorgeht.

Die Eröffnung des Verfahrens ist noch kein Schuldspruch. Sie erlaubt der Kommission jedoch, weitere Schritte einzuleiten: die Anforderung interner Dokumente, Vor-Ort-Prüfungen und Befragungen von Führungskräften.

Börsenschock für Snap und skeptische Kommission

Die Nachricht traf Snap an der Börse hart. Die Aktie des Mutterkonzerns Snap Inc. brach um rund 10 Prozent ein. Anleger fürchten hohe Strafen und die Kosten für nachzurüstende Sicherheitssysteme. Der regulatorische Druck kommt zu einem ohnehin schwierigen Börsenjahr 2026 hinzu.

Das Unternehmen beteuert Kooperation. Nutzersicherheit habe oberste Priorität und man arbeite transparent mit den Aufsichtsbehörden zusammen, um die DSA-Standards zu erfüllen.

Die Kommission zeigt sich davon wenig beeindruckt. Henna Virkkunen, Vizepräsidentin für Technologie-Souveränität, deutete an, Snapchat habe die hohen Sicherheitsanforderungen des DSA offenbar übersehen. Die Untersuchung soll nun klären, ob interne Richtlinien und technische Schutzvorkehrungen den öffentlichen Beteuerungen standhalten.

Großeinsatz der DSA-Aufseher: Snapchat ist kein Einzelfall

Das Verfahren gegen Snapchat ist Teil einer breiteren Offensive der EU. Fast zeitgleich veröffentlichte die Kommission vorläufige Feststellungen in Ermittlungen gegen mehrere große Adult-Content-Plattformen wie Pornhub und XVideos. Auch dort geht es um mangelnde Altersverifikation. Die Botschaft ist klar: Die EU will das digitale Umfeld für Kinder und Jugendliche systematisch sicherer machen.

Die möglichen Konsequenzen für Snapchat sind massiv. Bei Verstößen gegen den DSA drohen Geldbußen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Für Snapchat wäre das eine Strafzahlung in dreistelliger Millionenhöhe. Im Extremfall wiederholter Verstöße kann die EU sogar einen temporären Betriebsstopp in der gesamten Union verhängen.

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Experten sehen in dem Fall einen Präzedenzfall. Snapchats „ephemerer“ Charakter, bei dem Nachrichten schnell verschwinden, stellt die Content-Moderation vor besondere Herausforderungen. Das Ergebnis wird Maßstäbe für die Regulierung anderer Messenger-dominierter Plattformen setzen.

Langer Prüfprozess und ungewisse Zukunft für Snapchat

Die Untersuchung wird sich über Monate hinziehen und tiefe technische Audits umfassen. Snap Inc. kann sich anbieten, die Mängel durch Zusagen (Commitments) zu beheben, was zu einer einvernehmlichen Lösung führen könnte.

Wird der Plattform jedoch vorsätzliches oder fahrlässiges Ignoren von Sicherheitsrisiken nachgewiesen, sind ein Nichteinhaltungs-Beschluss und hohe Strafen wahrscheinlich. In den kommenden Wochen wird die Kommission detaillierte Fragen zu Snapchats Algorithmen und Meldesystemen stellen. Besonderes Augenmerk liegt auf möglichen „Dark Patterns“ – gestalterischen Tricks, die Nutzer zu Entscheidungen zu ihrem Nachteil verleiten.

Für Snapchat geht es nun um den Nachweis, dass seine Schutztechnologien in der Praxis wirken. Das Unternehmen muss belegen, dass es Erwachsene und Minderjährige zuverlässig unterscheiden kann und Meldewege für illegale Inhalte barrierefrei funktionieren. Der Ausgang dieses Verfahrens wird die Sicherheitsstandards für die nächste Generation europatäischer Social-Media-Nutzer maßgeblich mitbestimmen.

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