EU-Kommission eröffnet Kartellverfahren gegen Meta wegen WhatsApp
09.02.2026 - 19:52:11Die EU-Wettbewerbshüter beschuldigen den Tech-Konzern, den Markt für KI-Chatbots über seine Messenger-Plattform künstlich abzuriegeln. Sie prüfen einstweilige Maßnahmen, um den Zugang für Konkurrenten zu erzwingen.
Brüssel – Der Streit zwischen der Europäischen Union und den großen Digitalkonzernen eskaliert erneut. Die EU-Kommission hat ein formelles Kartellverfahren gegen Meta eingeleitet. Der Vorwurf: Der Mutterkonzern von WhatsApp missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, um Konkurrenten im boomenden Markt für KI-Assistenten auszuschalten und seinen eigenen Dienst „Meta AI“ zu bevorzungen. Die Behörde droht mit sofortigen Zwangsmaßnahmen – ein beispielloser Schritt, der die Dringlichkeit der Lage unterstreicht.
Kern des Streits: Neue WhatsApp-Regeln für Unternehmen
Im Zentrum der Ermittlungen steht eine umstrittene Änderung der Geschäftsbedingungen für die WhatsApp Business API. Seit Oktober vergangenen Jahres untersagen diese neuen Richtlinien Unternehmen, deren Kerngeschäft auf Künstlicher Intelligenz basiert, die Plattform zu nutzen. Eine Übergangsfrist lief Mitte Januar aus. Seither sind auch bestehende KI-Anbieter gesperrt.
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Aus Sicht der Wettbewerbshüter in Brüssel schafft Meta damit eine künstliche Barriere. Sie verhindere, dass Wettbewerber im schnell wachsenden KI-Sektor Fuß fassen können. Die Befürchtung ist klar: Bleibt es bei den Regeln, könnte Nutzern und Unternehmen bald nur noch Metas hauseigene Lösung zur Verfügung stehen. Das würde Innovation und Wettbewerb erheblich schädigen. Um einen „irreparablen Schaden“ für den europäischen Markt abzuwenden, erwägt die Kommission nun einstweilige Maßnahmen noch vor Abschluss des Hauptverfahrens.
Metas Verteidigung: WhatsApp sei kein „Nadelöhr“
Meta wies die Vorwürfe umgehend zurück. Ein Unternehmenssprecher erklärte, die Kommission unterliege einem Irrtum. Die WhatsApp Business API sei keineswegs der entscheidende Vertriebskanal für KI-Chatbots. Verbraucher hätten zahlreiche andere Wege, auf solche Dienste zuzugreifen – über App-Stores, Webseiten oder andere Partnerschaften. Die Darstellung, WhatsApp sei ein unverzichtbares Tor zum KI-Markt, treffe nicht zu.
Zuvor hatte der Konzern auch technische Gründe für die Beschränkungen angeführt. Die intensive Nutzung durch KI-Chatbots stelle eine erhebliche Belastung für die Infrastruktur dar. Die Frage ist nun: Handelt es sich bei dieser Argumentation um eine legitime Sorge oder um einen Vorwand für wettbewerbswidriges Verhalten?
Ein Präzedenzfall mit Milliarden-Risiko
Das Verfahren ist mehr als nur eine weitere Auseinandersetzung mit Big Tech. Es ist ein Lackmustest für die KI-Regulierung. Seit Anfang 2025 hat Meta „Meta AI“ tief in seine Dienste wie WhatsApp, Instagram und Facebook integriert. Die Plattformen sollen so von reinen Kommunikations- zu umfassenden Assistenz-Tools werden.
Die EU-Kommission will verhindern, dass diese Integration als Hebel dient, um den aufstrebenden KI-Markt von vornherein zu dominieren. Anders als bei früheren Verfahren, die sich auf den Digital Markets Act (DMA) stützten, geht die Behörde diesmal mit traditionellem Kartellrecht vor. Dies ermöglicht ein gezieltes Vorgehen gegen den mutmaßlichen Missbrauch einer Marktmacht. Die möglichen Konsequenzen für Meta sind gewaltig: Bei einer Verurteilung drohen Geldstrafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – eine milliardenschwere Summe.
Wettlauf gegen die Zeit
Für Meta beginnt nun die Phase der offiziellen Verteidigung. Das Unternehmen kann auf die Beschwerdepunkte reagieren und seine Position darlegen. Parallel dazu arbeiten die Beamten in Brüssel an den Details für mögliche einstweilige Anordnungen.
Der Fall zeigt die enorme Geschwindigkeit, mit der sich der KI-Markt entwickelt – und den entsprechenden Druck auf die Regulierer, nicht hinterherzuhinken. Für europäische Nutzer und KI-Start-ups geht es um viel: Wird es der EU gelingen, den Zugang zu einer der weltweit größten Kommunikationsplattformen offen zu halten? Oder setzt sich die Marktmacht eines einzelnen Konzerns durch? Die Antwort wird die Landschaft der KI-Ökosysteme in Europa auf Jahre prägen.
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