EU-Mercosur-Abkommen: Österreichs Industrie warnt vor Blockade
26.01.2026 - 19:13:12Die österreichische Industrie warnt eindringlich vor den Folgen einer Blockade des EU-Mercosur-Handelsabkommens. Während die EU-Kommission auf einen baldigen Abschluss drängt, bleibt die österreichische Regierung auf Ablehnungskurs – und stellt die heimische Exportwirtschaft vor massive Probleme.
Wettbewerbsnachteile ohne Freihandelspakt
Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hält ein Scheitern des Abkommens für „grob fahrlässig“. Der Grund: Internationale Konkurrenten würden einen entscheidenden Vorteil erlangen. Ohne den Pakt bleiben hohe Zölle auf österreichische Exporte in den südamerikanischen Wirtschaftsblock bestehen.
- Für Fahrzeuge können bis zu 35 Prozent Zoll anfallen.
- Für Maschinen sind es bis zu 20 Prozent.
Diese Kosten würden Produkte „Made in Austria“ für über 270 Millionen Mercosur-Konsumenten deutlich verteuern. Betroffen sind Schlüsselbranchen wie der Maschinenbau, die Fahrzeugindustrie sowie die chemische und pharmazeutische Industrie. Laut WKÖ könnten durch den Zollabbau jährlich rund 88 Millionen Euro an Belastungen für heimische Unternehmen entfallen.
Geopolitisches Ringen um Rohstoffe und Einfluss
Doch es geht um mehr als nur Zölle. In Zeiten globaler Unsicherheiten betont die Industrie die strategische Dimension. Die Mercosur-Region ist reich an Rohstoffen wie Lithium, Kupfer und Niob – essenziell für die grüne und digitale Transformation Europas.
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Ein Scheitern des Abkommens könnte ein geopolitisches Vakuum hinterlassen. Die Sorge: Andere globale Akteure wie China würden diese Lücke füllen. Die WKÖ sieht in dem Pakt daher auch ein starkes Signal für einen regelbasierten Freihandel.
Regierung im Zwiespalt: Umwelt vs. Wirtschaft
Warum blockiert Österreich dann? Die Bundesregierung hält an ihrer im Regierungsprogramm verankerten Ablehnung fest. Eine breite Allianz aus Landwirtschaft, Umweltschutzorganisationen und Teilen der Opposition unterstützt diesen Kurs.
Die Kritikpunkte sind bekannt:
* Sorge um die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes
* Unterschiede bei Umwelt- und Sozialstandards
* Angst vor unfairem Wettbewerbsdruck auf heimische Bauern durch billigere Agrarimporte
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig betont, Abkommen müssten fair sein und heimischen Qualitätsstandards entsprechen. Für Kritiker ist der aktuelle Pakt nicht mit den Klimazielen der EU vereinbar.
Ein grundsätzlicher Zielkonflikt
Die Situation zeigt ein Dilemma der modernen Handelspolitik. Auf der einen Seite steht die exportstarke Industrie, für die neue Märkte überlebenswichtig sind. Auf der anderen Seite pochen mächtige Interessengruppen auf hohe Umwelt- und Sozialstandards.
Die EU-Kommission versucht, mit Nachbesserungen und Zusatzprotokollen zu den strittigen Punkten zu vermitteln. Ob diese ausreichen, um Skeptiker wie Österreich umzustimmen, ist jedoch offen.
Die Zeit für eine Entscheidung drängt
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Es mehren sich Signale, dass die EU-Kommission Wege prüft, das Abkommen auch gegen den Widerstand einzelner Staaten vorläufig in Kraft zu setzen. Das Europäische Parlament hat den Prozess zuletzt jedoch verzögert.
Für die österreichische Industrie tickt die Uhr. Sollte die Blockade anhalten, würde das Land aus ihrer Sicht freiwillig auf eine wichtige Wachstumschance verzichten – und seine Position als Exportnation gefährden. Die anstehende Entscheidung wird die wirtschaftliche und umweltpolitische Ausrichtung Österreichs maßgeblich prägen.
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