EU plant Notruf-App gegen Cybermobbing
12.02.2026 - 15:01:11Die Europäische Union startet einen neuen Aktionsplan gegen digitale Gewalt. Kernstück ist eine EU-weite Melde-App für Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig erhöht Brüssel den Druck auf Plattformen wie TikTok.
Digitaler Notrufknopf für die ganze EU
Pünktlich zum „Safer Internet Day“ kündigte die EU-Kommission eine standardisierte App an. Sie soll jungen Nutzern einen direkten und vertraulichen Weg bieten, Cybermobbing zu melden. Die geplante Lösung bietet drei Kernfunktionen:
- Soforthilfe: Eine direkte Verbindung zu nationalen Beratungsstellen.
- Beweissicherung: Nutzer können Screenshots und Chatverläufe rechtssicher speichern.
- Niedrige Hürden: Die digitale Meldung soll einfacher sein, als sich Eltern oder Lehrern anzuvertrauen.
Hintergrund sind alarmierende Zahlen: Jedes sechste Kind in der EU zwischen 11 und 15 Jahren war bereits Opfer von Cybermobbing. Die Kommission will nun eine technische Blaupause entwickeln, die die Mitgliedsstaaten anpassen können.
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TikTok und Meta unter Beschuss
Parallel zur neuen Hilfsinfrastruktur geht Brüssel härter gegen Plattformen vor. Im Visier des Digital Services Act (DSA) steht besonders TikTok. Vorläufige Untersuchungsergebnisse werfen dem Konzern „suchtförderndes Design“ vor.
Kritikpunkt sind Algorithmen, die Nutzer – besonders Minderjährige – in endlose Inhaltsstrudel ziehen. Kann TikTok die Bedenken nicht ausräumen, drohen hohe Strafen.
Auch Meta reagiert auf den Druck. Zum Aktionstag rollte der Konzern neue Sicherheitsfeatures aus:
* Verbesserte KI-Erkennung für Betrugsversuche in Messenger und WhatsApp.
* Tests für neue Instagram-Einstellungen, die den Fokus stärker auf „Freunde“ legen.
Deutsche Studie zeigt hohes Risiko
Wie groß das Problem ist, zeigt eine aktuelle Microsoft-Studie. 57 Prozent der deutschen Internetnutzer sahen sich im vergangenen Jahr einem signifikanten Online-Risiko ausgesetzt. Die größten Ängste unterscheiden sich jedoch:
- Jugendliche fürchten sich am meisten vor Cybermobbing.
- Erwachsene sehen Online-Betrug und Desinformation als Hauptgefahr.
In Berlin arbeitet das Justizministerium derweil am Digitalen Gewaltschutzgesetz. Geplant sind schärfere Strafen für Deepfakes und Kontosperren bei systematischen Rechtsverletzungen. Verbände drängen auf eine schnelle Umsetzung.
Der schmale Grat zwischen Schutz und Freiheit
Die geplanten Maßnahmen sind nicht unumstritten. Netzpolitik-Experten warnen vor reiner Technikgläubigkeit. Eine App allein könne nicht die notwendige medienpädagogische Arbeit ersetzen.
Kritisch beäugt wird auch das Konzept der „Trusted Flaggers“. Diese vertrauenswürdigen Melder erhalten bei Plattformen Priorität. Kritiker befürchten, dass dies zu Overblocking führt – dem vorsorglichen Löschen legaler Inhalte aus Angst vor Strafen. Befürworter argumentieren, dass nur strikte Moderation den Diskurs vor Hassrede schützt.
Was kommt als Nächstes?
Die EU-Kommission arbeitet in den kommenden Monaten die Details der Anti-Mobbing-App aus. Eine flächendeckende Einführung ist frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu erwarten.
Für die Tech-Konzerne wird es eng: Die DSA-Verfahren treten in eine entscheidende Phase. Beobachter rechnen noch vor dem Sommer mit ersten Präzedenzfällen, die klären, wie weit Plattformen ihr Design ändern müssen. In Deutschland steht die Detaildiskussion zum Gewaltschutzgesetz bevor.
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