Zollfreigrenze, Kleinsendungen

EU schafft Zollfreigrenze für Kleinsendungen ab

09.02.2026 - 00:43:12

Die EU schafft die Freigrenze für Importe unter 150 Euro ab. Ab Juli 2026 fallen auf Kleinsendungen aus Drittländern ein Pauschalzoll von 3 Euro und Einfuhrumsatzsteuer an.

Ab Juli 2026 wird jeder Online-Einkauf aus Nicht-EU-Ländern zollpflichtig. Die EU beendet die bisherige Freigrenze von 150 Euro, um den Wettbewerb zu schützen.

Die Finanzminister der Mitgliedstaaten beschlossen diese Kehrtwende bereits Ende 2025. Sie reagieren damit auf die Flut von Billigimporten, vor allem aus Asien. Die vollständige EU-Zollreform folgt zwar erst 2028, doch dieser Schritt markiert einen Paradigmenwechsel für Verbraucher, Händler und Logistiker.

Wettbewerbsverzerrung als Treiber der Reform

Jahrelang nutzten internationale E-Commerce-Riesen die Regelung aus. Sie überschwemmten den europäischen Markt mit Kleinstsendungen. Bis zu 65 Prozent dieser Pakete wurden laut EU-Kommission bewusst unterwertet deklariert, um Abgaben zu umgehen.

Das schuf massive Wettbewerbsnachteile. Europäische Händler zahlen auf ihre Waren sowohl Zölle als auch die volle Mehrwertsteuer. Die Reform soll nun für gleiche Bedingungen sorgen und staatliche Einnahmen sichern.

Allein 2024 erreichten rund 4,6 Milliarden Niedrigwertpakete die EU. Diese Masse überforderte die Zollbehörden bei Kontrollen zu Produktsicherheit und Standards.

Pauschalzoll trifft Billigimporte ab Juli

Bis zur Einführung des digitalen „EU Customs Data Hub“ 2028 gilt eine Übergangslösung. Ab dem 1. Juli 2026 fällt auf jede Direktsendung aus Drittländern unter 150 Euro Warenwert ein Pauschalzoll von 3 Euro.

Diese Gebühr kommt zur seit 2021 geltenden Einfuhrumsatzsteuer hinzu. Sie wird auf den vollen Warenwert inklusive Versand berechnet. Die Regel gilt zunächst für Sendungen, die über das vereinfachte IOSS-System (Import One-Stop Shop) abgewickelt werden.

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Die EU wird prüfen, ob der Pauschalzoll später auf alle Kleinsendungen ausgeweitet wird.

Teurere Schnäppchen und längere Lieferzeiten

Für Verbraucher hat die Neuregelung direkte Konsequenzen. Einkäufe auf Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress werden spürbar teurer. Selbst auf ein Produkt für wenige Euro kommen künftig 3 Euro Pauschalzoll plus Einfuhrumsatzsteuer.

Könnte das das Ende der Cent-Artikel aus Fernost bedeuten? Die Attraktivität solcher Schnäppchen dürfte deutlich schwinden. Zusätzlich drohen längere Lieferzeiten. Die Zollabfertigung von Milliarden zusätzlichen Paketen wird Logistiker und Behörden vor enorme Herausforderungen stellen.

Internationale Händler, besonders Dropshipper, müssen ihr Geschäftsmodell überdenken. Sie stehen vor komplexen Anpassungen in Preiskalkulation und Logistik. Eine nahtlose IOSS-Integration wird zum Muss, um Kunden keine bösen Überraschungen bei der Zustellung zu liefern.

Marktbeobachter erwarten einen Trend zu mehr innereuropäischen Lagerhaltung, um die neuen Zollhürden zu umgehen.

Erster Schritt zur digitalen Zollunion

Die Abschaffung der Freigrenze ist nur ein Teil der größten Zollreform seit Gründung der EU. Das übergeordnete Ziel ist ein schlankeres, datengesteuertes System.

Herzstück wird der EU Customs Data Hub ab 2028. Unternehmen sollen ihre Daten dann nur noch einmal in ein zentrales Portal eingeben. Der bürokratische Aufwand würde so massiv sinken.

Bis dahin soll die Übergangslösung die dringendsten Probleme im E-Commerce lösen. Gleichzeitig diskutiert die EU über eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr für Zollbehörden.

Für den europäischen Handel ist es ein Schritt zu mehr Fairness. Verbraucher müssen sich auf eine neue Ära des globalen Online-Shoppings einstellen – eine, in dem der wahre Preis früher sichtbar wird.

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