Deutschland, Offensive

EU und Deutschland starten Offensive gegen Cyber-Bedrohungen

27.01.2026 - 09:15:12

Die EU vereinfacht Cybersicherheitsregeln, während Deutschland aktive Gegenangriffe ankündigt. Unternehmen stehen vor neuen Pflichten und der Notwendigkeit KI-gestützter Abwehr.

Die EU reformiert den Cybersecurity Act, während Deutschland eine offensive Cyberabwehr ankündigt. Hintergrund sind tausende Angriffe pro Minute.

Angesichts einer dramatisch eskalierenden Cyber-Bedrohungslage schlagen EU und Deutschland gleichzeitig Alarm und neue Wege ein. Während die EU-Kommission eine umfassende Reform des Cybersecurity Acts vorgelegt hat, um Bürokratie abzubauen und die digitale Resilienz zu stärken, kündigt die Bundesregierung ein deutlich härteres, auch offensives Vorgehen gegen Angreifer an. Auslöser sind beunruhigende Zahlen: Allein die Deutsche Bundesbank wehrt an ihrer Firewall über 5.000 Angriffe pro Minute ab.

Brüssel vereinfacht Regeln und stärkt ENISA

Als direkte Antwort auf die neue Bedrohungsrealität hat die EU-Kommission ein Reformpaket vorgelegt. Kern ist die Stärkung der EU-Agentur für Cybersicherheit (ENISA) mit mehr Geld und Personal. Für Unternehmen soll die Umsetzung vereinfacht werden: Cybersicherheitszertifikate sollen künftig als anerkannter Nachweis für verschiedene Vorgaben – etwa aus der NIS-2-Richtlinie – gelten. Das Prinzip „ein Vorfall, eine Meldung“ soll zudem die parallelen Meldepflichten aus NIS-2, DSGVO und anderen Gesetzen harmonisieren und den bürokratischen Aufwand senken.

KI als Gamechanger im Cyberkrieg

Die regulatorischen Anstrengungen sind dringend nötig, denn die Angreifer werden immer raffinierter. Cyberkriminelle nutzen längst routinemäßig Künstliche Intelligenz (KI), um Schwachstellen in Unternehmensnetzwerken aufzuspüren. Besonders tückisch sind KI-gestützte Spear-Phishing-Angriffe, bei denen sich Hacker mit täuschend echten Nachrichten in bestehende E-Mail-Konversationen einschleichen. Traditionelle Abwehrmechanismen stoßen hier an ihre Grenzen. Das Wettrüsten hat begonnen – die Verteidigung muss nun ebenfalls auf KI setzen, um mithalten zu können.

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Die Zahl ist alarmierend – allein die Deutsche Bundesbank wehrt an ihrer Firewall über 5.000 Angriffe pro Minute ab. Wenn KI-gestützte Angriffe und verschärfte EU-Regeln Unternehmen zwingen, proaktiv zu handeln, brauchen IT-Verantwortliche einen klaren Fahrplan. Der kostenlose E‑Book-Report „Cyber Security Awareness Trends“ erklärt aktuelle Bedrohungen, welche Schutzmaßnahmen jetzt Priorität haben und wie sich IT-Teams mit praktischen, kosteneffizienten Schritten und KI-gestützten Abläufen besser schützen können. Jetzt kostenlosen Cyber-Security-Report downloaden

NIS-2: Vom Papier in die Praxis

Seit Ende 2025 müssen in Deutschland rund 30.000 Unternehmen die strengen Vorgaben der NIS-2-Richtlinie umsetzen. Mit der Freischaltung des BSI-Meldeportals Anfang 2026 ist die Phase der betrieblichen Realität angebrochen. Die Richtlinie macht Cybersicherheit zur Chefsache, verpflichtet zur Absicherung der gesamten Lieferkette und zu schnellen Meldungen bei Vorfällen. Experten warnen jedoch: Ein reines Abhaken von Checklisten reicht nicht aus. Gefordert ist ein ganzheitlicher Ansatz für echte digitale Widerstandsfähigkeit.

Deutschland kündigt „Zurückschlagen“ an

Parallel zu Brüssel schärft auch Berlin seine Strategie. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte, man werde bei Angriffen auf kritische Infrastrukturen künftig „zurückschlagen“ und die Infrastruktur von Angreifern auch im Ausland stören. Diese Ankündigung markiert einen strategischen Wandel von der reinen Defensive hin zu einer aktiveren Abwehr. Zur Umsetzung sollen die Befugnisse der Geheimdienste erweitert und die Koordination der Sicherheitsbehörden in einem neuen Zentrum gegen hybride Gefahren verbessert werden.

Ein klares Signal für Europas digitale Souveränität

Die Initiativen von EU und Deutschland sind zwei Seiten derselben Medaille. Die EU-Reform zielt auf Vereinfachung und Harmonisierung, während der nationale Vorstoß robuste Abwehrfähigkeiten betont. Ein zentrales Element des EU-Vorhabens ist der systematische Ausschluss von Hochrisiko-Komponenten aus Drittstaaten aus kritischen Lieferketten – ein klares Bekenntnis zur technologischen Souveränität Europas.

Was bedeutet das für die Unternehmen?

Für die Wirtschaft steht 2026 ein Wendepunkt an. Die Phase der reinen NIS-2-Umsetzung ist vorbei, nun beginnt die Ära der kontinuierlichen Anpassung. Der Druck auf die Lieferketten wächst, die Haftung der Geschäftsführung rückt stärker in den Fokus. Unternehmen, die jetzt nicht in proaktive, automatisierte und KI-gestützte Sicherheitsarchitekturen investieren, riskieren nicht nur Bußgelder, sondern ihre gesamte operative Existenz. Die Botschaft ist klar: Proaktive Verteidigung wird zum neuen Standard.

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