Indien, Freihandelsabkommen

EU und Indien einigen sich auf historisches Freihandelsabkommen

28.01.2026 - 13:17:12

Das neue Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien senkt die Zölle für europäische Autos drastisch und erschließt der Industrie den drittgrößten Automarkt der Welt.

Die Europäische Union und Indien haben ein bahnbrechendes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Es senkt die Zölle für europäische Autos auf dem indischen Markt von bislang 110 Prozent auf nur noch 10 Prozent. Das Abkommen erschließt europäischen Herstellern den drittgrößten Automarkt der Welt und markiert eine strategische Neuausrichtung im globalen Handel.

Nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen steht der Durchbruch: Der Deal, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Indiens Premierminister Narendra Modi diese Woche verkündeten, schafft eine Freihandelszone für fast zwei Milliarden Menschen. Für die deutsche und europäische Automobilindustrie bedeutet dies den Zugang zu einem lange abgeschotteten Markt. Das Abkommen soll die EU-Exporte nach Indien bis 2032 verdoppeln und europäischen Exporteuren jährlich rund vier Milliarden Euro an Zöllen ersparen.

Der lange Weg zum „Deal aller Deals“

Die Gespräche begannen bereits 2007, scheiterten 2013 an hohen indischen Schutzzöllen und wurden 2022 neu gestartet. Der nun erzielte Kompromiss gilt als Meisterleistung der Diplomatie. Indien öffnet seinen Markt für europäische Luxusautos, schützt aber gleichzeitig seine heimische Industrie. Die EU erhält im Gegenzug besseren Zugang für Maschinen, Chemikalien und Luxusgüter.

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„Dies ist das bedeutendste bilaterale Handelsabkommen der jüngeren Geschichte“, so ein EU-Diplomat. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und Handelskonflikte setzen beide Seiten auf wirtschaftliche Diversifizierung und weniger Abhängigkeit von China.

So profitieren deutsche Autobauer

Das Herzstück des Abkommens ist die radikale Senkung der Einfuhrzöllen auf Personenkraftwagen. Bislang mussten für vollständig importierte Autos je nach Wert zwischen 70 und 110 Prozent Zoll bezahlt. Künftig gilt für Fahrzeuge aus der EU ein Satz von nur noch 10 Prozent – allerdings mit wichtigen Einschränkungen.

Die Regelung gilt zunächst nur für eine jährliche Quote von 250.000 Fahrzeugen und ausschließlich für Autos im Premium- und Luxussegment ab einem Preis von 15.000 Euro. Diese „kalibrierte Öffnung“ ermöglicht es Konzernen wie Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen, ihre globalen Modelle zu wettbewerbsfähigen Preisen in Indien anzubieten, ohne den Massenmarkt sofort zu überschwemmen. Dieser wird weiter von lokalen Giganten wie Maruti Suzuki und Tata Motors dominiert.

Zusätzlich werden Zölle auf Autoteile schrittweise über fünf bis zehn Jahre abgebaut. Das senkt die Produktionskosten für europäische Hersteller, die bereits Montagewerke in Indien betreiben, und könnte das Land zu einem integrierten Hub in globalen Lieferketten machen.

Fünfjährige Schonfrist für indische E-Auto-Branche

Während die Tür für Verbrenner weit geöffnet wird, bleibt sie für Elektroautos zunächst nur einen Spalt breit. Das Abkommen sieht eine fünfjährige Schonfrist vor, in der die hohen Zölle auf europäische E-Autos bestehen bleiben.

Diese Schutzperiode soll heimischen Herstellern wie Tata Motors und Mahindra & Mahindra Zeit geben, ihre Marktposition zu festigen und lokale Batterie-Lieferketten aufzubauen. Erst danach öffnet sich der Markt mit einer Restriktion von 90.000 E-Fahrzeugen pro Jahr.

Diese zweigleisige Strategie spiegelt die komplexe Dynamik der globalen Verkehrswende wider: Europäische Hersteller finanzieren mit Gewinnen aus dem Verbrenner-Geschäft ihre eigene Transformation, während Indien seine junge grüne Technologiebranche schützt. An der Börse reagierten Investoren verhalten: Die Aktien großer indischer Autohersteller fielen um 1,6 Prozent.

Weitreichende Folgen über die Autoindustrie hinaus

Das Abkommen hat Signalwirkung für den globalen Handel und geht weit über Autos hinaus. So werden auch die prohibitiv hohen Zölle auf europäischen Wein und Spirituosen von bis zu 150 Prozent auf 20 bis 40 Prozent gesenkt. Im Gegenzug erhalten indische Exporteure aus arbeitsintensiven Sektoren wie Textilien, Leder und Edelsteinen zollfreien Zugang zum europäischen Binnenmarkt.

Die Ratifizierung durch das Europäische Parlament und die indischen Gesetzgeber soll noch in diesem Jahr erfolgen, die Umsetzung könnte 2027 beginnen. In einer Zeit zunehmenden Protektionismus setzen Brüssel und Neu-Delhi damit ein klares Zeichen für offene Märkte. Für die globale Autoindustrie, die in westlichen Märkten mit stagnierendem Wachstum kämpft, eröffnet sich mit Indiens jährlich vier Millionen Fahrzeuge umfassendem Markt eine neue Wachstumsfront.

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