EU-Zollreform: Digitaler Umbau nach 58 Jahren
24.01.2026 - 20:55:12Die größte Reform der EU-Zollunion seit 1968 steht vor dem Abschluss. In den finalen Verhandlungen geht es um eine digitale Revolution für mehr Sicherheit und weniger Bürokratie.
Brüssel, 24. Januar 2026 – Nach fast sechs Jahrzehnten wird das Rückgrat des europäischen Binnenmarkts grundlegend modernisiert. Die Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Parlament, Rat und Kommission zur neuen Zollunion laufen auf Hochtouren. Ziel ist eine vollständig digitalisierte, schnellere und sicherere Abwicklung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs. In den kommenden Wochen werden wegweisende Entscheidungen erwartet – darunter die heiß umkämpfte Wahl des Standorts für die neue Europäische Zollbehörde (EUCA).
Warum die Reform überfällig ist
Das aktuelle System stammt aus einer Ära ohne Internet und globalen Online-Handel. Die 27 unterschiedlichen nationalen Zoll-IT-Systeme gelten als bürokratisches Monster. Sie erschweren den Handel, bieten Schlupflöcher für Betrug und sind der Flut von E-Commerce-Paketen nicht gewachsen. Die Kommission schätzt, dass durch die Harmonisierung jährlich bis zu zwei Milliarden Euro an Betriebskosten eingespart werden können. Ein wichtiger Punkt auch für deutsche Exportunternehmen, die heute mit einem Flickenteppich an Vorschriften konfrontiert sind.
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Das digitale Herzstück: Der EU Customs Data Hub
Kern der Reform ist eine zentrale Datenplattform, der EU Customs Data Hub. Er soll die 27 nationalen Systeme ersetzen. Unternehmen müssten ihre Daten dann nur noch einmal in ein EU-weites Portal eingeben. Besonders vertrauenswürdige Firmen sollen von einem neuen „Trust & Check“-System profitieren. Ihre Waren könnten oft ohne aktive Zollkontrolle passieren.
Die Einführung erfolgt schrittweise: Ab 2028 startet der Hub für den E-Commerce, ab 2032 können alle Händler freiwillig nutzen. Erst 2038 wird die Nutzung für alle verpflichtend. Ein langwieriger, aber notwendiger Transformationsprozess.
Neue Regeln für Online-Käufe ab Juli
Für Verbraucher wird die Reform spürbar. Um Wettbewerbsverzerrungen zu stoppen, fällt die Zollfreigrenze von 150 Euro für Importe aus Drittländern. Als Übergangslösung bis zum neuen System hat der Rat eine Pauschale beschlossen: Ab 1. Juli 2026 kostet jedes Paket unter 150 Euro aus Nicht-EU-Ländern pauschal drei Euro Zollgebühr. Diese gilt für Händler, die das vereinfachte IOSS-Verfahren nutzen. Der Online-Kauf aus China oder den USA wird also teurer, aber auch transparenter.
Machtzentrale EUCA: Das Rennen um den Sitz
Eine Schlüsselentscheidung steht noch aus: Wo wird die neue Europäische Zollbehörde (EUCA) angesiedelt? Sie wird den Data Hub verwalten und ein zentrales Risikomanagement für die gesamte EU betreiben. Beworben haben sich unter anderem Rom, Lille und Den Haag. Die Entscheidung im Februar gilt als politisch hochsensibel. Die EUCA soll Risiken identifizieren und den nationalen Behörden Empfehlungen geben, welche Sendungen kontrolliert werden müssen. Die operative Arbeit an den Grenzen bleibt aber bei den Mitgliedstaaten.
Nächste Schritte und Ausblick
Die Verhandlungen sollen in den kommenden Monaten abgeschlossen werden. Nach der formalen Verabschiedung des Gesetzespakets beginnt der schrittweise Aufbau der neuen Strukturen. Die ersten technischen Durchführungsbestimmungen für den Data Hub werden im Juni erwartet.
Gelingt der digitale Umbau, steht die EU-Zollunion besser da für die Herausforderungen der Zukunft: von geopolitischen Spannungen über Produktsicherheit bis zur Bekämpfung von Steuerbetrug. Es geht um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit des europäischen Binnenmarkts.
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