Experten, Europa

Experten: Europa sollte Wissenschaftler aus den USA anwerben

15.01.2026 - 14:39:40

Europa sollte nach EinschÀtzung von Experten mehr unternehmen, um Wissenschaftler aus den USA anzuwerben.

"Wir können mehr Talente aus Nordamerika anziehen, aber auch aus den LĂ€ndern, aus denen die Menschen nicht mehr wie frĂŒher in die USA gehen können", sagte Patrick Cramer, PrĂ€sident der Max-Planck-Gesellschaft, auf der Digitalkonferenz DLD in MĂŒnchen.

Wissenschaftler in den USA in der Defensive

Clemens Fuest, PrĂ€sident des Ifo-Instituts, verwies darauf, dass in den USA die Regierung und Teile der Gesellschaft ihre Haltung gegenĂŒber der Wissenschaft geĂ€ndert hĂ€tten. "Sie greifen die Wissenschaft an, wie es Populisten tun. Sie untergraben die UnabhĂ€ngigkeit der UniversitĂ€ten. Und das ist eine Chance fĂŒr Europa." Wissenschaftler wĂŒrden anfangen, ĂŒber ihre Arbeitsbedingungen nachzudenken und vielleicht in Betracht ziehen, nach Europa zu gehen, darunter auch Menschen, die das vorher nicht erwogen hĂ€tten.

Fuest betonte gleichzeitig, dass Europa mehr unternehmen mĂŒsse, um wissenschaftliche Erfolge in eine positive wirtschaftliche Entwicklung umzusetzen. "In den letzten 50 Jahren haben wir in Europa kein einziges Unternehmen mit weltweiter Bedeutung geschaffen, kein einziges." Europa verfĂŒge zwar ĂŒber eine gute wissenschaftliche Forschung, obwohl China stark aufgeholt und zum Teil sogar ĂŒberholt habe. "Aber diese Forschung in etwas umzuwandeln, das zumindest Ökonomen als nĂŒtzlich, wertschöpfend und wohlhabend ansehen, das fehlt."

Regulierung behindert Innovation

Cramer verwies auf konkrete Beispiele, die zeigen, dass zu viel Regulierung in Europa die wirtschaftliche Umsetzung von wissenschaftlichen Erfolgen zumindest behindert habe. So habe das Mainzer Unternehmen Biontech US09075V1026 den mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt. "Auf diese Weise wurden Millionen von Menschenleben gerettet. Aber Biontech brauchte (den US-Pharmakonzern) Pfizer US7170811035, um die großen klinischen Studien oder die Untersuchungen mit den Patienten durchzufĂŒhren. Und das ist das Problem in Europa."

Die DLD Conference (Digital-Life-Design) ist eine der einflussreichsten europĂ€ischen Digital- und Innovationstagungen, organisiert von Hubert Burda Media. Sie findet seit 2005 jĂ€hrlich in MĂŒnchen im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos statt.

@ dpa.de