Tech-Allianz startet Gegenentwurf zu Microsoft Office
27.03.2026 - 14:39:35 | dpa.deUnter der FederfĂŒhrung der BranchengröĂen Ionos DE000A3E00M1 und Nextcloud wurde in Berlin eine neue europĂ€ische Initiative vorgestellt, die eine eigene freie Office-Suite namens "Euro-Office" entwickelt.
Ionos-Chef Achim Weià sagte, angesichts der geopolitischen Entwicklungen des letzten Jahres brauche Europa dringend eine zuverlÀssige, vollstÀndig Microsoft-kompatible und einfach zu bedienende, souverÀne Office-Lösung. "Unsere Initiative bietet eine Suite mit einer vertrauten OberflÀche, die alle Funktionen zur Arbeit mit Texten, PrÀsentationen und Tabellen umfasst."
OnlyOffice unter europÀischer Kontrolle
Die technologische Grundlage fĂŒr dieses Projekt bildet die quelloffene Software OnlyOffice. Das digitale BĂŒropaket aus Riga, das aus einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation und einem PrĂ€sentationsprogramm Ă€hnlich wie Microsoft Word, Excel und PowerPoint besteht, lĂ€uft in einem Browser. Die Entwickler legten dabei starken Fokus darauf, dass die Dateien mit den Microsoft-Office-Formaten kompatibel sind. Im Gegensatz zu anderen Microsoft-Alternativen wie LibreOffice oder OpenOffice schleppt OnlyOffice nach EinschĂ€tzung von Experten keine technischen Altlasten mit sich herum, sondern verfĂŒgt ĂŒber ein modernes technisches Fundament.
Problematische Russland-Connection
Als problematisch erwies sich allerdings eine Querverbindung zu Russland. Das hĂ€ngt maĂgeblich mit der komplexen Unternehmensgeschichte von OnlyOffice zusammen. Das Entwicklerunternehmen, die Ascensio System SIA, sitzt zwar im EU-Staat Lettland, ist jedoch die Tochtergesellschaft eines russischen Unternehmens. Dies hatte weitreichende Konsequenzen: Infolge der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland wurde europĂ€ischen Organisationen die Nutzung der kommerziellen Version von OnlyOffice untersagt.
Durch die Ăbernahme der Codebasis durch das europĂ€ische Konsortium soll dieses Risiko kĂŒnftig komplett beseitigt werden. "Wir haben den Source-Code verifiziert und verbessert sowie die Sicherheit ĂŒberprĂŒft, sodass wir jetzt ein solides Produkt haben", sagte Nextcloud-Chef Frank Karlitschek.
Breite BranchenunterstĂŒtzung und ehrgeiziger Zeitplan
Das Projekt wird von einer breiten Allianz aus ganz Europa getragen. Neben Ionos und Nextcloud beteiligen sich Anbieter wie EuroStack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian und bTactic an der Entwicklung und dem Betrieb der souverÀnen Office-Software. "Europa hat die Technologie, die Unternehmen und die Talente, um seine digitale Infrastruktur selbst zu betreiben. Was fehlt, ist die konsequente Nutzung, die Innovation und UnabhÀngigkeit tatsÀchlich vorantreibt", sagte Karlitschek.
Der Nextcloud-Chef betonte, sowohl die USA als auch China setzten ihre staatlichen IT-Ausgaben gezielt ein, um die eigene Industrie zu stĂ€rken. "Europa hingegen verhĂ€lt sich im eigenen Markt wie ein Zuschauer: Es flieĂen jedes Jahr Hunderte Milliarden an Steuergeldern in Systeme, die wir nicht kontrollieren. Wenn wir das Ă€ndern wollen, mĂŒssen wir anfangen, unsere eigenen Lösungen auch wirklich einzusetzen - Euro-Office zeigt, dass die Voraussetzungen dafĂŒr lĂ€ngst da sind", sagte Karlitschek.
Interessierte Organisationen können die Software bereits testen: Eine Tech-Preview von Euro-Office ist ab sofort verfĂŒgbar. Die Veröffentlichung einer ersten stabilen Version ist fĂŒr den Sommer geplant, die dann auch fĂŒr die Allgemeinheit nutzbar sein soll.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

