Evonik, Aktie

Evonik Aktie: Tarifeinigung sichert Sparkurs

30.03.2026 - 15:35:17 | boerse-global.de

Der Essener Chemiekonzern profitiert von moderaten Lohnabschlüssen und unerwarteten Preiserhöhungen im Tierfuttergeschäft, was die Erreichung der Jahresziele wahrscheinlicher macht.

Evonik Aktie: Tarifeinigung sichert Sparkurs - Foto: über boerse-global.de
Evonik Aktie: Tarifeinigung sichert Sparkurs - Foto: über boerse-global.de

Für den Essener Spezialchemiekonzern fügen sich derzeit zwei entscheidende Puzzleteile zusammen. Während ein moderater Tarifabschluss das ambitionierte Kostensenkungsprogramm absichert, sorgen globale Lieferengpässe für eine unerwartete Preissetzungsmacht im wichtigen Tierfutter-Segment. Diese Kombination verschafft dem Management dringend benötigten Spielraum vor den anstehenden Quartalszahlen.

Nach drei zähen Verhandlungsrunden steht der Chemie-Tarifabschluss 2026. Für die Arbeitgeberseite fällt das Ergebnis mit einer anfänglichen Nullrunde von zehn Monaten moderat aus, bevor die Löhne in zwei Stufen um 2,1 und 2,4 Prozent steigen. Diese Einigung kommt für Evonik exakt zur richtigen Zeit. Das Unternehmen plant bis Ende 2026 jährliche Einsparungen von 400 Millionen Euro, wovon der Großteil durch den Abbau von 2.000 Stellen realisiert werden soll. Ein teurerer Tarifkompromiss hätte diese Kalkulation empfindlich gestört.

Preismacht im Tierfutter-Geschäft

Parallel zur stabilisierten Kostenseite hellt sich die Erlöslage im Methionin-Markt auf. Versorgungsengpässe infolge des Iran-Kriegs setzen asiatische Produzenten unter Druck und lenken globale Abnehmerströme um. Evonik nutzte diese Verknappung bereits für eine sofortige, weltweite Preiserhöhung von zehn Prozent für sein Produkt MetAMINO.

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Analysten wie Anil Shenoy von Barclays werten diese Entwicklung positiv und bestätigten kürzlich die "Overweight"-Einstufung mit einem Kursziel von 17 Euro. An der Börse wird die operative Aufhellung honoriert, was sich in einem Kursplus von gut 15 Prozent auf Wochensicht bei einem aktuellen Niveau von 16,51 Euro widerspiegelt.

Offene Baustellen und neue Dividendenpolitik

Trotz der positiven Impulse bleiben strukturelle Aufgaben bestehen. Die Kapitalrendite (ROCE) lag zuletzt bei lediglich 6,1 Prozent und damit deutlich unter dem mittelfristigen Zielwert von 11 Prozent. Zudem muss bis zur Hauptversammlung am 3. Juni 2026 der seit vergangenem September vakante CFO-Posten neu besetzt werden.

Auf ebenjener Versammlung wird den Aktionären auch eine Übergangsdividende von 1,00 Euro für das Jahr 2025 vorgeschlagen. Ab dem Geschäftsjahr 2026 greift dann eine flexiblere Ausschüttungspolitik, die 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses vorsieht.

Der Quartalsbericht am 8. Mai liefert die ersten handfesten Daten darüber, wie stark sich die zehnprozentige Preiserhöhung bei Methionin bereits im Zahlenwerk niederschlägt. Mit dem nun verlässlichen Kostenrahmen durch den Tarifvertrag steigen die Chancen, dass Evonik die Prognose für 2026 – ein bereinigtes EBITDA zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro – planmäßig erreicht.

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