Auch Evonik wird vorsichtiger fĂŒr 2025
01.08.2025 - 09:59:25"Das zweite Quartal war geprĂ€gt von schwacher Nachfrage und hoher Verunsicherung", sagte Konzern-Chef Christian Kullmann am Freitag bei der Vorlage der Zahlen fĂŒrs zweite Quartal. Er rechnet nun mit einem um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) am unteren Ende der Prognosespanne von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro - aber auch nur, wenn sich die globale Konjunktur nicht weiter abschwĂ€che.
Nach Prognosesenkungen durch andere Chemiekonzerne wie BASF DE000BASF111 und Covestro DE0006062144 ĂŒberrascht der vorsichtigere Ausblick nicht. Analysten erwarteten zuletzt denn auch lediglich ein operatives Ergebnis von knapp mehr als 2 Milliarden Euro, was etwas weniger wĂ€re als 2024.
FĂŒr den Aktienkurs ging es am Vormittag dennoch um mehr als drei Prozent auf 16,90 Euro nach unten. Zwar habe der operative Gewinn im zweiten Quartal die Erwartungen erreicht, doch hĂ€tten sich der Absatz und damit auch der Umsatz schlechter entwickelt als gedacht, erklĂ€rt Analyst Thomas Schulte-Vorwick vom Bankhaus Metzler.
Im zweiten Quartal erzielte Evonik bei einem UmsatzrĂŒckgang um elf Prozent auf 3,5 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von 509 Millionen Euro. Das sind zwölf Prozent weniger als vor einem Jahr. Zudem flossen 211 Millionen Euro Barmittel ab - vor einem Jahr hatte es noch einen positiven Free Cashflow von 217 Millionen Euro gegeben.
Mit Blick auf den niedrigeren Umsatz muss allerdings berĂŒcksichtigt werden, dass vor einem Jahr das inzwischen verkaufte GeschĂ€ft mit Superabsorbern - saugfĂ€hige Materialien unter anderem fĂŒr Windeln - noch enthalten war.
Dieser Bereich zĂ€hlte ebenso zum GeschĂ€ft mit Standardchemikalien wie auch der C4-Verbund rund um petrochemische ZusĂ€tze fĂŒr Kautschuk, Kunststoffe und Spezialchemikalien, von dem sich Evonik perspektivisch auch trennen will. Hier liefen die GeschĂ€fte zuletzt weiter trĂ€ge. AuĂerdem dauerten in anderen GeschĂ€ftsbereichen WartungsstillstĂ€nde von Produktionsanlagen lĂ€nger als geplant, etwa beim Kunststoff Polyamid 12, was ebenfalls auf dem Gewinn lastete.
Unter dem Strich verdiente Evonik dennoch 120 Millionen Euro, nachdem vor einem Jahr wegen RĂŒckstellungen fĂŒr ein Sparprogramm ein Verlust von 5 Millionen Euro angefallen war.
Mit dem Effizienzprogramm, das auch Stellenstreichungen umfasst, sollen die jÀhrlichen Kosten bis Ende 2026 um rund 400 Millionen Euro gesenkt werden. All das ist ein Teil des Konzernumbaus hin zur Spezialchemie, den Kullmann vorantreibt.
In diesem Zuge wurden die AktivitĂ€ten in zwei Sparten, Custom Solutions und Advanced Technologies, gegliedert. Die GeschĂ€fte im Segment Custom Solutions sieht Evonik eher in NischenmĂ€rkten mit spezifischen Produkten fĂŒr die Kunden. Dazu zĂ€hlen etwa Additive fĂŒr Lacke und Beschichtungen sowie Produkte fĂŒr die Kosmetik- und Pharmaindustrie. Die Sparte Advanced Technologies soll sich im Wettbewerb vor allem durch im Vergleich niedrige Kosten behaupten. GebĂŒndelt sind hier unter anderem Hochleistungskunststoffe und Wasserstoffperoxid.

