Streaming, Antikriegsfilm

Neu im Streaming: Antikriegsfilm 'Der Tiger'

02.01.2026 - 08:34:23

"Extrem beengt, wahnsinnig laut" - so fĂŒhlt es sich im Inneren eines Panzers an.

Wer den Film "Der Tiger" schaut, sollte sich darauf einstellen. Denn diese AtmosphÀre war dem deutschen Regisseur Dennis Gansel wichtig. Er erzÀhlt in dem Streifen von einer Panzerbesatzung im Zweiten Weltkrieg - aber ist dabei kein typischer Kriegsfilm, sondern ein psychologisches Drama. Seit heute (2. Januar) kann "Der Tiger" bei Prime Video gestreamt werden.

Der Film war im vergangenen Herbst schon in ausgewĂ€hlten Kinos zu sehen - ungewöhnlich fĂŒr eine Produktion des Streamingdienstes des Einzelhandels- und Technologiekonzerns Amazon US0231351067. Es war seine erste deutsche Produktion, die es auf die große Leinwand schaffte, bevor sie online zu sehen ist.

Es ist 1943. Acht Monate nach der verheerenden Niederlage in Stalingrad befindet sich die Wehrmacht an der Ostfront auf dem RĂŒckzug. Die Panzerbesatzung fordert vom Leutnant (David SchĂŒtter), man mĂŒsse sich ebenfalls zurĂŒckziehen - doch der reagiert nicht. Er hĂ€lt einen Zettel in den HĂ€nden, schaut auf ein Familienfoto. Die BrĂŒcke soll gesprengt werden. Es bleiben fĂŒnf Minuten.

Zwischenmenschliches in einer unmenschlichen Situation

"Der Tiger" spielt mit den Grenzen zum Surrealen und gerĂ€t zur Auseinandersetzung mit Ängsten und SchuldgefĂŒhlen. Es wird erzĂ€hlt von den GrĂ€ueltaten eines Krieges, vom Umgang mit Befehlen und den zwischenmenschlichen Beziehungen, die zwischen den Soldaten in einer unmenschlichen Situation entstehen.

Wenn die MĂ€nner eine Sprengfalle entschĂ€rfen, sich mit Methamphetamin ("Panzerschokolade") aufputschen und der Roten Armee gegenĂŒberstehen, dann haben manche Szenen etwas von der Faszination fĂŒrs MilitĂ€rische. Doch spĂ€testens ab der HĂ€lfte wendet sich das.

"Only the dead have seen the end of war" - nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. Dieses Zitat des spanisch-amerikanischen Schriftstellers George Santayana (1863-1952) ist dem Film vorangestellt. Dass der Plot ausgerechnet am Dnepr spielt - einem Fluss, der auch durch die Ukraine fließt - gibt dem Film viel AktualitĂ€t.

Warum der Regisseur diesen Film machen wollte

FĂŒr den Hamburger Regisseur Gansel ist die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ein Lebensthema; die Frage, warum Menschen mitgemacht haben und die komplexe Antwort darauf. Seine Großeltern konfrontierte er als Kind mit ihrer eigenen Geschichte. Und der beste Freund seines Großvaters sei Kommandant eines Tiger-Panzers gewesen, erzĂ€hlte Gansel zum Kinostart des Films im Herbst 2025.

Als Kind habe er lustige Geschichten erzĂ€hlt bekommen, wie in Nordafrika Spiegeleier auf dem Panzer gebraten worden seien. An einem Abend aber hĂ€tten sich die MĂ€nner zum Kegeln getroffen und betrunken. Dann seien andere Geschichten ans Licht gekommen. "Die waren sehr dĂŒster."

Es sei nicht nur darum gegangen, was der Krieg mit ihnen gemacht habe, sondern auch, was sie selbst anderen Menschen angetan hĂ€tten. "Das hat mich völlig desillusioniert zurĂŒckgelassen", sagt Gansel. Und es habe ihn bestĂ€rkt, dazu einen Film machen zu wollen.

@ dpa.de