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EZB erhöht Zinsen wegen Inflationsschub weiter

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 16:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

(Aktualisierung: Neuer letzter Absatz mit Aussagen zu Euro-Kritikern)FRANKFURT/BERLIN - Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit der zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr gegen den Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs.

(Aktualisierung: Neuer letzter Absatz mit Aussagen zu Euro-Kritikern)

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit der zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr gegen den Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs. Die Notenbank hebt den fĂŒr Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an. Das entschied der EZB-Rat, der ausnahmsweise nicht am Sitz der Zentralbank in Frankfurt tagte, sondern in RĂ€umlichkeiten der Bundesbank in Berlin.

"Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dĂŒrfte fĂŒr einen lĂ€ngeren Zeitraum deutlich ĂŒber unserem Zielwert bleiben", erklĂ€rte EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde. Der Ausblick sei "nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet".

Gut fĂŒr Sparer, schlecht fĂŒr Kreditnehmer

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dĂ€mpfen kann. Sparer profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben. Zugleich sind steigende Zinsen eine Belastung fĂŒr alle, die investieren wollen - von Privathaushalten bis Firmen. Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, kann das die Konjunktur abwĂŒrgen.

Die EZB habe konsequent gehandelt, lobte Ulrich Reuter, PrĂ€sident des Sparkassenverbands DSGV: "Die höheren Energiepreise infolge der Sperrung der Straße von Hormus kann sie zwar nicht verhindern, sie kann aber beeinflussen, dass die Preise nicht dauerhaft und auf breiter Front steigen."

Iran-Krieg heizt Inflation an

Wichtigstes Ziel der EZB ist es, die Inflation im Zaum zu halten und fĂŒr einen stabilen Euro zu sorgen. Der seit Ende Februar schwelende Krieg zwischen den USA und dem Iran hat die Teuerung krĂ€ftig nach oben getrieben.

Im August waren die Verbraucherpreise im Euroraum einer ersten SchĂ€tzung zufolge 3,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das ist die höchste Teuerungsrate seit September 2023 und liegt weit ĂŒber dem Ziel der EZB, die mittelfristig PreisstabilitĂ€t bei 2,0 Prozent Inflation fĂŒr die Eurozone anpeilt. Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen.

In Europas grĂ¶ĂŸter Volkswirtschaft Deutschland hatten hohe Energiepreise die Inflation im August auf 2,9 Prozent getrieben. Sprit und Heizöl waren deutlich teurer als ein Jahr zuvor. Zuletzt stieg der Preis fĂŒr Brent-Öl stieg wieder ĂŒber die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter).

EZB: Bis mindestens 2027 erhöhte Inflation

Nach EinschĂ€tzung der Euro-WĂ€hrungshĂŒter mĂŒssen sich die Menschen im Euroraum bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Teuerungsrate einstellen. FĂŒr dieses Jahr erwartet die EZB 3,0 Prozent Inflation. Auch 2027 (2,5 Prozent) und 2028 (2,1 Prozent) wird die Zielmarke von 2,0 Prozent demnach verfehlt.

"Die EZB sendet mit ihrem Zinsschritt ein klares Signal zur Sicherung der PreisstabilitĂ€t im Euroraum", sagte Marija Kolak, PrĂ€sidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). "Stabile Preise sind eine wichtige Voraussetzung fĂŒr Wachstum, Investitionen und Planungssicherheit, fĂŒr Unternehmen ebenso wie fĂŒr private Haushalte."

Was das Wirtschaftswachstum angeht, ist die EZB etwas optimistischer geworden: FĂŒr 2026 veranschlagt sie nun ein Plus von 0,9 Prozent. Auch die Prognose fĂŒr 2027 wurde etwas erhöht auf 1,4 Prozent Wachstum. Sowohl die Konjunktur als auch der Arbeitsmarkt seien robust, sagte Lagarde.

Sparzinsen steigen

Von höheren Zinsen profitieren Sparer: Laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox sind die Tagesgeldzinsen fĂŒr Neukunden gestiegen, bei befristeten Angeboten sind in der Spitze mehr als vier Prozent drin (Stand 8. September). Die durchschnittlichen Festgeldzinsen stiegen demnach bei bundesweit verfĂŒgbaren Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit deutlich auf 2,55 Prozent.

FĂŒr ImmobilienkĂ€ufer und Bauherren sind steigende Kapitalmarktzinsen dagegen von Nachteil, auch wenn sich die Bauzinsen nicht direkt am Leitzins orientieren. Dem Geldratgeber Finanztip zufolge sind die Effektivzinsen fĂŒr Immobilienkredite mit zehn Jahren Zinsbindung auf rund 4,2 Prozent geklettert. Das sei der höchste Stand seit Ende 2023.

Hebt die EZB die Leitzinsen weiter an?

Der Druck auf die EZB bleibt erhöht: Je lĂ€nger die Energiepreise hoch sind, umso grĂ¶ĂŸer das Risiko, dass auch andere Preise steigen, weil etwa Transport und KĂŒhlung von Lebensmitteln teurer werden. Dazu kommen die Folgen von Hitze und Trockenheit, die die Ernte schmĂ€lern oder, wie das Niedrigwasser am Rhein, Lieferungen verteuern. Zudem fĂŒrchtet die EZB Zweitrundeneffekte: Steigen Löhne als Reaktion auf hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise weiter nach oben treiben.

Im Juni hatte die EZB angesichts eines Inflationsschubs infolge des Iran-Kriegs erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben. Sie will eine erneute Preiswelle im Euroraum unbedingt verhindern. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 stand sie in der Kritik, den damaligen Preisanstieg in der Energiekrise lange unterschÀtzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte bis auf mehr als zehn Prozent hoch. Da die Inflation zuletzt wieder deutlich stieg, ist nach EinschÀtzung von Volkswirten eine weitere Zinserhöhung der EZB in diesem Jahr wahrscheinlicher geworden, einen Automatismus gebe es aber nicht.

Lagarde und Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel Ă€ußerten sich in Berlin auf Nachfrage auch besorgt ĂŒber den Aufstieg eurokritischer Parteien wie der AfD. Der Euro sei nie so populĂ€r gewesen wie derzeit, betonte Lagarde. Nagel sagte, die Konzepte der Euro-Kritiker seien kontraproduktiv und könnten Investoren zum Beispiel in Deutschland abschrecken: "Ich bin besorgt."

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