WDH / Gastronomie-Krise: Ein Zehntel der Betriebe hat 2023 aufgegeben
14.03.2024 - 13:45:50(Fehlender Buchstabe im fĂŒnften Absatz ergĂ€nzt)
NEUSS (dpa-AFX) - Schwierige Zeiten fĂŒr Gastronomen: Seit 2020 haben bundesweit etwa 48 000 Betriebe geschlossen und 6100 einen Insolvenzantrag gestellt. Das zeigt eine Studie der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Experten rechnen damit, dass die Branche noch weiter ausdĂŒnnen wird. "Die Welle hat gerade erst begonnen", sagte Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung.
Allein im vergangenen Jahr hat der Studie zufolge jedes zehnte Unternehmen in der Gastronomie aufgegeben. Die Zahl der SchlieĂungen lag 2023 mit 14 000 höher als in den drei Jahren zuvor, aber noch unter dem Vor-Corona-Niveau. Dasselbe gilt fĂŒr die Zahl der InsolvenzfĂ€lle. Einen Grund dafĂŒr sieht Hantzsch in den Staatshilfen wĂ€hrend der Lockdowns. Diese hĂ€tten das Ăberlieben vieler Unternehmen gesichert und SchlieĂungen zunĂ€chst verhindert.
FĂŒr die Schwierigkeiten der Branche gebe es mehrere GrĂŒnde, sagte er. "Die Gastronomie ist einer der Hauptverlierer der Krisenabfolgen der letzten Jahre. Das Gastgewerbe hatte sich noch nicht von der Corona-Krise erholt, da kam mit der Inflation der nĂ€chste Nackenschlag", meint Hantzsch. Den gestiegenen Kosten sei die Branche ausgeliefert, die notwendigen Preiserhöhungen wĂŒrden die Kundschaft verjagen. Dadurch bedingt lĂ€gen die preisbereinigten UmsĂ€tze und ErtrĂ€ge unter dem Stand vor der Pandemie. "Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind fĂŒr das Gastgewerbe derzeit alles andere als gĂŒnstig. Die Anhebung der Umsatzsteuer fĂŒr Speisen Anfang des Jahres hat sicherlich nicht zur Entspannung beigetragen."
Die Bundesregierung hatte den Steuersatz auf Speisen in Restaurants Mitte 2020 wĂ€hrend der Corona-Pandemie vorĂŒbergehend von 19 auf 7 Prozent gesenkt - unter anderem zur Abfederung der Energiekrise und der hohen Inflation. Seit Januar gelten wieder die alten, höheren SteuersĂ€tze. Laut Statistischen Bundesamt lag der preisbereinigte Umsatz von Gastronomiebetrieben im Jahr 2023 knapp 13 Prozent niedriger als 2019.
Als "bitter" bezeichnet die HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Deutschen Hotel- und GaststĂ€ttenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, die Entwicklung. "Wir waren in den drei Pandemie-Jahren neun Monate im Lockdown und hatten in der gesamten Zeit bis FrĂŒhjahr 2022 viele Auflagen. Dies alles fĂŒhrte zu erheblichen Umsatzverlusten", sagte sie. Die Branche leide unter höheren Personalkosten, gestiegenen Lebensmittelpreisen, Personalmangel und der Mehrwertsteuererhöhung. "Das macht den Betrieben sehr zu schaffen. Die meisten GĂ€ste halten uns die Treue, aber es sind leider weniger geworden."
Die Zahl der Insolvenzen in der Gastronomie ist im vergangenen Jahr laut Creditreform mit 27 Prozent stĂ€rker gestiegen als in der Gesamtwirtschaft. Besonders stark betroffen waren Caterer und Verpflegungsdienstleister (plus 67 Prozent). 88 Prozent aller Insolvenzen gehen auf Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern zurĂŒck. 49 Prozent trafen junge Unternehmen, die maximal fĂŒnf Jahre alt waren.
FĂŒr 2024 sagt Creditreform einen Anstieg der InsolvenzfĂ€lle auf das Niveau vor der Pandemie vorher. Damit rechnet auch der Finanzinformationsdienst Crif. Ende des Jahres schĂ€tzten die Experten die Zahl der insolvenzgefĂ€hrdeten Restaurants, GaststĂ€tten, Imbissen und CafĂ©s in Deutschland auf mehr als 15 000.

