WDH / ROUNDUP / Absatzeinbruch: GeschÀft mit Bier lÀuft nicht mehr rund
01.08.2025 - 12:42:33(Fehlender Satz zu US-Zöllen ergÀnzt)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Menschen in Deutschland trinken immer weniger Bier - wenn Alkohol enthalten ist. Auch die Verdoppelung der Braumenge alkoholfreier Sorten in den vergangenen zehn Jahren kann die Verluste der Brauer nur eindÀmmen. Die Brauwirtschaft sieht sich nach einem harten Absatzeinbruch im ersten Halbjahr vor massiven Problemen. Die Branche erwartet angesichts steigender Kosten weitere Pleiten und verlangt höhere Preise.
Die deutsche Bierproduktion geht schon seit vielen Jahren kontinuierlich zurĂŒck. Bekannte GrĂŒnde fĂŒr den abnehmenden Konsum sind die alternde Gesellschaft ebenso wie der Trend zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil und geĂ€nderte Konsumgewohnheiten vor allem jĂŒngerer Menschen.
Starker Einbruch zum Halbjahr
Doch einen Einbruch wie in der ersten HĂ€lfte dieses Jahres haben die Brauer noch nicht erlebt. 3,9 Milliarden Liter Bier mit Alkohol bedeuten zum Vorjahreszeitraum einen RĂŒckgang um 6,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Ăhnliche RĂŒckschlĂ€ge hatte es nur zu Beginn der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 und im zweiten Halbjahr 2023 gegeben.
Bereits im vergangenen Jahr hat Deutschland seine Rolle als mengenmĂ€Ăiger Bier-Europameister an Russland abgegeben, wie aus einer Aufstellung des weltgröĂten HopfenhĂ€ndlers BarthHaas hervorgeht.
Bier-Menge geht immer weiter zurĂŒck
Erstmals wurde nun in einem Halbjahr die Grenze von vier Milliarden Litern unterschritten. Im Inland, das immer noch knapp 82 Prozent des Gesamtabsatzes ausmacht, fiel der RĂŒckgang mit 6,1 Prozent etwas schwĂ€cher aus als im Export, wo die Menge um 7,1 Prozent schrumpfte.
Lichtblick bleibt die Entwicklung der alkoholfreien Sorten: Im vergangenen Jahr wurde mit 579 Millionen Litern fast doppelt so viel alkoholfreies Bier produziert wie noch zehn Jahre zuvor. Der Marktanteil betrÀgt inzwischen neun Prozent. Bald wird jedes zehnte in Deutschland gebraute Bier alkoholfrei sein.
Alkoholfreies in Kneipen besonders gefragt
In der Gastronomie liegt der alkoholfreie Anteil bereits höher, zeigt der Kollex-Biermonitor, der Bestellungen aus dem Gastgewerbe auswertet. Danach wurde in der Gastronomie im ersten Halbjahr jedes achte Bier (12,3 Prozent) in der alkoholfreien Variante bestellt. Vorreiter ist der eigentlich weinselige SĂŒdwesten: In Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist schon fast jede vierte Bestellung alkoholfrei.
Veltins-Chef Volker Kuhl hat seine Brau-Kollegen aber vor ĂŒberzogenen Erwartungen gewarnt, weil sich auch um die alkoholfreien Sorten ein harter Wettbewerb entwickelt hat. Kuhl sagt: "Alkoholfreie Biere sind aus unserer Sicht allenfalls ein Pflaster, das die Schmerzen lindert." Sie seien kein Retter in der Krise und könnten aktuell nur ein Drittel der Mengenverluste kompensieren.
Brauer-Bund sieht auch Probleme in den USA
Der Deutsche Brauer-Bund sieht neben der demografischen Entwicklung auch konjunkturelle Probleme. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Holger Eichele betont: "Ăhnlich wie bei Gastronomie und Handel schlĂ€gt das schlechte Konsumklima auch auf die Brauereien voll durch. Die Situation der Gastronomie ist besorgniserregend, viele Betriebe kĂ€mpfen ums Ăberleben und haben sich seit der Pandemie nicht mehr erholt."
Bei vielen Brauereien sieht es kaum besser aus als in den Kneipen: Nach dem Corona-Schock wurden sie von stark steigenden Energiepreisen kalt erwischt. Gas und Strom sind beim Bierbrauen ein wichtiger Kostenfaktor. Auch die Rohstoffe und die Lohnkosten sind deutlich teurer geworden. Beim Export dĂŒrfte das Zollabkommen mit den USA den Druck auf die Betriebe noch erhöhen.
Kosten steigen schneller als Preise
Nach einer Analyse der Beratungsgesellschaft Roland Berger sind die Herstellungskosten beim Bier seit Jahren viel stĂ€rker gestiegen als die Preise, die Brauereien im GroĂhandel erzielen. Die Berater resĂŒmieren: "Damit stehen viele Brauereien unter einem enormen Margen- und Kostendruck, unter dem auch Investitionen leiden, die etwa fĂŒr die Entwicklung neuer Produkte, aber auch fĂŒr das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen und ZukunftsfĂ€higkeit unverzichtbar sind."
Knapp 100 kleine und mittlere Betriebe haben nach Angaben des Brauer-Bundes in den vergangenen fĂŒnf Jahren bereits aufgegeben, wĂ€hrend Branchenriesen wie Radeberger groĂe BraustĂ€tten wie die Binding-Brauerei in Frankfurt geschlossen haben. Doch der Markt ist bei knapp 1.500 verbliebenen Brauereien nach wie vor von groĂen ĂberkapazitĂ€ten geprĂ€gt, was dem mĂ€chtigen Einzelhandel die Preisverhandlungen weiterhin leicht macht.
Keine schnelle Markterholung erwartet
Veltins-Chef Kuhl rechnet in naher Zukunft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei vielen Betrieben. "Die Luft wird fĂŒr viele Brauereien durch den gewachsenen Kostendruck dĂŒnn, zumal wir nicht von einer Marktentspannung vor Ende 2026 ausgehen."
FĂŒr den Brauer-Bund steht auch mit Blick auf die europĂ€ischen Nachbarn fest: Bier ist in Deutschland eindeutig zu billig - sowohl im Supermarkt als auch in Kneipen und Restaurants. Ob die Brauer tatsĂ€chlich höhere Preise durchsetzen können, steht aber noch aus.

