Foodwatch-Analyse, Influencer-Werbung

Foodwatch-Analyse: 98 Prozent der Influencer-Werbung illegal

14.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.de

Eine Untersuchung zeigt massive Verstöße gegen EU-Recht bei Gesundheitsversprechen auf Instagram. Verbraucherschützer fordern schärfere Regeln für den boomenden Markt.

Foodwatch-Analyse: 98 Prozent der Influencer-Werbung illegal - Foto: über boerse-global.de
Foodwatch-Analyse: 98 Prozent der Influencer-Werbung illegal - Foto: über boerse-global.de

Foodwatch enthüllt massive Rechtsverstöße bei der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel auf Instagram. Die Verbraucherorganisation analysierte über drei Wochen die Beiträge von 189 Fitness- und Gesundheits-Influencern – mit alarmierendem Ergebnis.

In 560 untersuchten Fällen wurden Produkte mit konkreten Gesundheitsversprechen beworben. Ganze 98 Prozent dieser Aussagen verstießen gegen geltendes EU-Recht. Die sogenannte Health-Claims-Verordnung erlaubt nur wissenschaftlich belegte Aussagen. Doch Influencer priesen etwa Kreatin-Pulver als Mittel gegen Krebs oder Depressionen an.

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Instagram: Der Wilde Westen der Gesundheitswerbung

Verbraucherschützer kritisieren eine regelrechte Wildwest-Atmosphäre auf der Plattform. Die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden können kaum eingreifen. Vielen lokalen Ämtern fehlen die technischen Mittel und das Personal, um Werbung in sozialen Medien systematisch zu kontrollieren.

Das fatale Ergebnis: Irreführende Kampagnen, deren Inhalte oft nach 24 Stunden verschwinden, bleiben meist ungeahndet. Die Gefahr geht dabei über finanziellen Schaden hinaus. Betroffene könnten notwendige medizinische Behandlungen verzögern, weil sie auf die Wirkung von Kapseln und Pulvern vertrauen.

Aktuelle Warnungen: Gefährliche Verunreinigungen im Umlauf

Parallel unterstreichen aktuelle Warnungen der Verbraucherzentralen die gesundheitlichen Risiken. Die Behörden aktualisierten diese Woche ihre Warnlisten und wiesen auf zahlreiche zurückgerufene Produkte hin.

In angeblich natürlichen Potenzmitteln fanden Labore nicht deklarierte, verschreibungspflichtige Arzneistoffe wie Sildenafil. In Abnehmprodukten wurde das gesundheitsschädliche Sibutramin nachgewiesen. Andere Präparate, wie bestimmte Blütenpollen-Ergänzungen, enthielten leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide.

Ein besonderer Trend bereitet Experten Sorge: Im Internet werden Laborchemikalien wie Lugolsche Lösung oder Methylenblau mit Heilversprechen als Nahrungsergänzung vermarktet. Ihre unkontrollierte Einnahme gilt als nicht sicher.

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Wissenschaft: Wann sind Ergänzungsmittel sinnvoll?

Trotz der Risiken bleibt das Interesse an Mikronährstoffen ungebrochen. Doch was sagt die Wissenschaft? In einem aktuellen Interview ordnete Wissenschaftsjournalist Bas Kast den Nutzen ein. Ein moderat dosiertes Multivitaminpräparat könne für Menschen ab 50 bis 60 Jahren überlegenswert sein. Für Vegetarier und Veganer sei Vitamin B12 essenziell.

Die meisten anderen Produkte stuft er jedoch als reine Optimierung oder Luxus ein. Eine aktuelle Studie lieferte zwar Hinweise, dass Multivitamine den biologischen Alterungsprozess bei älteren Menschen verlangsamen könnten. Mediziner warnen aber davor, daraus eine allgemeine Empfehlung abzuleiten.

Auf dem Deutschen Krebskongress betonten Experten kürzlich: Nahrungsergänzungsmittel besitzen in der Krebsprävention keine nachgewiesene Evidenz. Eine ausgewogene Ernährung sei isolierten Nährstoffen in Tablettenform stets vorzuziehen.

Boomender Markt fordert schärfere Regeln

Die wissenschaftliche Skepsis bremst den Markt nicht. Im Gegenteil: Das globale Marktvolumen für Nahrungsergänzungsmittel belief sich 2025 auf schätzungsweise 209,5 Milliarden US-Dollar. Analysten prognostizieren eine Verdopplung bis 2033.

Angesichts dieses Booms und der Verlagerung der Werbung ins Digitale fordern Verbraucherschützer dringend schärfere Regeln. 2026 soll die EU erstmals verbindliche Höchstmengen für Nährstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln festlegen. Bisher existieren in Deutschland nur unverbindliche Empfehlungen.

Bis die neuen Regelungen greifen und die Überwachungsbehörden aufgerüstet sind, bleibt Verbrauchern nur eins: Werbeversprechen im Netz mit äußerster Skepsis begegnen und bei gesundheitlichen Fragen auf ärztlichen Rat – nicht auf Influencer-Empfehlungen – setzen.

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