Piloten streiken: Hunderte FlugausfÀlle bei der Lufthansa
12.03.2026 - 16:14:10 | dpa.de(neu: weitere Details)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der auf zwei Tage angelegte Pilotenstreik bei der Lufthansa DE0008232125 hat an den Drehkreuzen MĂŒnchen und Frankfurt Hunderte FlĂŒge ausfallen lassen. Das berichten die jeweiligen Flughafenbetreiber fĂŒr den Donnerstag. Danach fielen am ersten Streiktag in Frankfurt rund 400 von 1.165 geplanten Starts und Landungen aus. In MĂŒnchen wurden 230 von rund 800 Flugbewegungen gestrichen. Die Zahlen beziehen sich auf alle Fluggesellschaften, die AusfĂ€lle sind wesentlich der Lufthansa zuzuordnen.
Gewerkschaft sieht mehr AusfÀlle als erwartet
Die streikende Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) berichtete von einer hohen Beteiligung der BeschÀftigten an der bereits zweiten Streikwelle. Der Arbeitskampf verlaufe wirkungsvoller als erwartet, sagte VC-PrÀsident Andreas Pinheiro.
Zwischen Gewerkschaft und Unternehmen entspann sich ein Streit um die Wirksamkeit der Streiks, die fortgesetzt werden sollen. Lufthansa bekrĂ€ftigte ihre AnkĂŒndigung, dass auch am Freitag nach dem Sonderflugplan mindestens die HĂ€lfte der sonst ĂŒblichen FlĂŒge stattfinde. Von den FernflĂŒgen sollten sogar rund 60 Prozent stattfinden. Hier werden die Flugzeuge hĂ€ufig auch von Piloten geflogen, die bei der Lufthansa ins Management gewechselt sind, aber ihre Lizenz aufrechterhalten.
VC zweifelt Lufthansa-Angaben an
Die VC beharrte hingegen darauf, dass bis 15.00 Uhr rund 70 Prozent der Flugzeuge am Boden geblieben seien. DafĂŒr gebe es eine solide Datengrundlage. Der Sprecher der Tarifkommission, Arne Karstens, zweifelte die Zahlen der Lufthansa an. Er sagte laut einer Mitteilung: "Welche Grundlage die Lufthansa fĂŒr ihre Darstellung heranzieht, erschlieĂt sich uns nicht. Dass das Unternehmen seine Zahlen gerne etwas geschönt darstellt, ist ein bekanntes Vorgehen." Vor dem Streik hatte VC-PrĂ€sident Pinheiro deutlich gemacht, dass die VC auch bei weniger FlugausfĂ€llen eine ausreichende Streikwirkung erwarte.
Eurowings fliegt
In den Terminals herrsche ganz normaler Betrieb, sagte ein Sprecher des Frankfurter Betreibers Fraport DE0005773303. Nur in den Lufthansa-Abschnitten sei es etwas ruhiger. An den ĂŒbrigen deutschen FlughĂ€fen fielen vor allem die ZubringerflĂŒge an die Drehkreuze aus. Andere Lufthansa-Gesellschaften wie die Eurowings und sĂ€mtliche auslĂ€ndischen Töchter wurden nicht bestreikt.
Lufthansa wollte nach eigener AnkĂŒndigung gröĂere Flugzeuge einsetzen, Lufthansa-FlĂŒge von nicht bestreikten Konzernairlines erledigen lassen und freiwillige Crews einsetzen. An diesen Planungen fĂŒr beide Streiktage habe es keine Ănderungen mehr gegeben, erklĂ€rte eine Sprecherin des Unternehmens. Laut VC werden auch Subunternehmen eingesetzt.
Von AusfĂ€llen betroffene GĂ€ste sollten per E-Mail benachrichtigt werden. GĂ€ste, die nicht kontaktiert werden, könnten vorerst davon ausgehen, dass ihr Flug nicht betroffen ist. FlĂŒge ins Krisengebiet Nahost sollen nicht bestreikt werden. Zu einem normalen Flugbetrieb werde man voraussichtlich am Samstag zurĂŒckkehren können.
Erste Entspannung am Freitag
FĂŒr den Freitag wird eine erste Entspannung erwartet, weil die kleine Teilgesellschaft Lufthansa Cityline nur einen Tag lang bestreikt werden sollte. Die Regionaltochter ĂŒbernimmt ZubringerflĂŒge von kleineren FlughĂ€fen an die beiden Drehkreuze.
Die Gewerkschaft hat die mehr als 5.000 Piloten der Flugbetriebe Lufthansa, Lufthansa Cargo und Lufthansa Cityline zum Streik aufgerufen. WÀhrend es bei der Regionaltochter Cityline um eine Anhebung der GehÀlter geht, streiten die Tarifpartner bei der Cargo und der Kerngesellschaft um höhere Betriebsrenten.
Kein neues Angebot
Lufthansa hatte die zweite Streikwelle als unnötige Eskalation bezeichnet und auf die angespannte Ertragssituation bei der Kerngesellschaft Lufthansa verwiesen. Der Gewerkschaft zufolge hat Lufthansa zunÀchst kein neues Angebot vorgelegt. Der Streik laufe daher weiterhin wie geplant.
Der Flughafenverband ADV appellierte an die Tarifparteien, sich am Verhandlungstisch möglichst schnell zu einigen. Passagiere wĂŒrden von den Streiks immer zuerst getroffen, sagte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel. In einer ohnehin angespannten Situation werde die deutsche Luftfahrt zusĂ€tzlich verunsichert. "Der Standort Deutschland kann sich weitere Belastungen fĂŒr die KonnektivitĂ€t und die ZuverlĂ€ssigkeit des Luftverkehrs kaum leisten."
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