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Deutsche Bank will höhere Rendite und 'europÀischer Champion' werden

17.11.2025 - 17:15:48

FRANKFURT - Die Deutsche Bank DE0005140008 setzt sich nach ihrem Aufschwung der vergangenen Jahre ehrgeizigere Ziele fĂŒr die Zeit bis 2028.

(neu: aktualisierte Kursreaktion, Analystenstimmen)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Bank DE0005140008 setzt sich nach ihrem Aufschwung der vergangenen Jahre ehrgeizigere Ziele fĂŒr die Zeit bis 2028. Deutlich höhere ErtrĂ€ge und weitere Einsparungen sollen die Rendite auf das materielle Eigenkapital von derzeit mehr als 10 Prozent auf mehr als 13 Prozent nach oben treiben, wie Deutschland grĂ¶ĂŸtes Geldhaus am Montag zu Beginn einer Investorenveranstaltung mitteilte. "Langfristig wollen wir der europĂ€ische Champion sein", sagte Vorstandschef Christian Sewing. Die AktionĂ€re können schon frĂŒher auf höhere Dividenden hoffen.

An der Börse wurden die Neuigkeiten vom frĂŒhen Nachmittag nur kurz mit einem Kurssprung belohnt. Zuletzt verlor das Papier 3,3 Prozent auf 30,82 Euro und gehörte damit zu den schwĂ€chsten Titeln im Dax DE0008469008. Branchenexperte Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan bezeichnete die neuen Mittelfristziele als ehrgeizig. Die angepeilte Rendite sei höher als von ihm erwartet. Beruhigend findet er auch, dass sich das Management auf die Kosten fokussiert.

FĂŒr den Analysten Joseph Dickerson vom Investmenthaus Jefferies stellt sich die Frage, welche internen Hebel die Bank tatsĂ€chlich betĂ€tigen kann, um die ProfitabilitĂ€t zu steigern und das VerhĂ€ltnis von Kosten zu ErtrĂ€gen weiter zu senken. Ein möglicher RĂŒckenwind von staatlicher Seite sollte dabei außer Acht gelassen werden, zumal die Wachstumsprognosen fĂŒr Deutschland fĂŒr 2026 schon nach unten korrigiert wĂŒrden.

Sewing und sein Team bauen fĂŒr den geplanten Gewinnanstieg vor allem auf höhere Einnahmen und eine "konsequente Nutzung von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI)". Eine stĂ€rkere Automatisierung samt KI-Einsatz soll den Anstieg der Kosten bremsen. Sewing sieht erhebliches Potenzial, das angepeilte Renditeniveau "sogar zu ĂŒbertreffen".

So sollen die gesamten ErtrÀge der Bank binnen drei Jahren von etwa 32 Milliarden auf etwa 37 Milliarden Euro steigen. Zugleich plant der Vorstand weitere Kostensenkungen von etwa 2 Milliarden Euro brutto, damit die ErtrÀge weiterhin schneller steigen als die Kosten des Instituts.

Dennoch dĂŒrften die zinsunabhĂ€ngigen Aufwendungen der Bank bis 2028 nach Berechnungen des Vorstands im Schnitt um zwei Prozent pro Jahr auf rund 22 Milliarden Euro steigen. Am Ende sollen die Kosten der Bank aber nur noch weniger als 60 Prozent der ErtrĂ€ge aufzehren. FĂŒr das laufende Jahr hat sich das Management lediglich weniger als 65 Prozent zum Ziel gesetzt.

Mit seinen neuen Zielen zeigt sich der Vorstand ehrgeiziger als von Analysten erwartet. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Branchenexperten rechnen fĂŒr 2028 im Schnitt bislang nur mit ErtrĂ€gen von knapp 35 Milliarden Euro. Davon dĂŒrften die Kosten fast 63 Prozent aufzehren. Bei der Rendite auf das materielle Eigenkapital erwarten sie fĂŒr 2028 bisher kaum mehr als fĂŒr das laufende Jahr.

Der Vorstand ist deutlich optimistischer und stellt außerdem schon frĂŒher höhere Dividenden in Aussicht. Ab dem Jahr 2026 sollen 60 Prozent des auf die Anteilseigner entfallenden Gewinns an die AktionĂ€re fließen. Bisher liegt diese Quote bei 50 Prozent. Zudem sieht die Bank Potenzial, ĂŒberschĂŒssiges Kapital fĂŒr zusĂ€tzliche AusschĂŒttungen zu nutzen.

Um die ErtrÀge nach oben zu treiben, will die Deutsche Bank Kapital in GeschÀftsfelder umschichten, von denen sie sich eine höhere Wertschöpfung verspricht. "Ab 2026 werden wir gezielt in wertschaffende Bereiche investieren", sagte der designierte Finanzvorstand Raja Akram.

Vorstandschef Sewing hatte die FĂŒhrung des grĂ¶ĂŸten deutschen Geldhauses im Jahr 2018 in einer langen und tiefen Krise ĂŒbernommen. Mit dem Abbau zigtausender Stellen und einer starken Verkleinerung der hauseigenen Investmentbank brachte er den Dax-Konzern wieder auf Gewinn- und Wachstumskurs.

Dies gelang nicht ohne Holpern. Im Jahr 2022 erreichte er sein mittelfristiges Renditeziel von damals 8 Prozent nur dank eines milliardenschweren Steuereffekts. Danach ging es wieder ein StĂŒck abwĂ€rts. An sein fĂŒr 2025 gesetztes Renditeziel von 10 Prozent wollten Analysten lange nicht glauben. Inzwischen scheint die Bank aber auf gutem Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Auch die Fondstochter DWS DE000DWS1007 sieht sich auf Kurs zu ihren Jahreszielen. Deren Vorstandschef Stefan Hoops bekrÀftigte am Montag sein Ziel, den Gewinn je Aktie 2025 auf 4,50 Euro nach oben zu treiben. Dazu sollen die ErtrÀge mit 3,1 Milliarden Euro rund zwölf Prozent höher ausfallen als im Vorjahr, wÀhrend er die Kosten mit 1,8 Milliarden Euro stabil halten will. Vor Steuern soll dadurch ein Gewinn von 1,3 Milliarden Euro herauskommen. In den Jahren 2026 und 2027 soll der Gewinn je DWS-Aktie wie geplant um jeweils 10 Prozent steigen.

@ dpa.de