Ergebnisse, Produktion/Absatz

Erholung am Frankfurter Flughafen zieht sich hin - Aktie sackt ab

19.03.2024 - 15:20:12

FRANKFURT - Die Erholung des PassagiergeschÀfts von der Corona-Pandemie zieht sich am Frankfurter Flughafen weiter hin.

(neu: Aussagen aus Pressekonferenz zu Zielen 2024, Verkehrsentwicklung in den nÀchsten Jahren, Terminal-Investitionen, Schuldenprognose, Dividende 2025, Kursreaktion)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Erholung des PassagiergeschĂ€fts von der Corona-Pandemie zieht sich am Frankfurter Flughafen weiter hin. Zwar verdiente der Betreiber Fraport DE0005773303 2023 im TagesgeschĂ€ft so viel wie nie zuvor, und Vorstandschef Stefan Schulte fasst fĂŒr 2024 und darĂŒber hinaus weitere Steigerungen ins Auge. Das Passagieraufkommen an Deutschlands grĂ¶ĂŸtem Airport dĂŒrfte im laufenden Jahr mit 61 bis 65 Millionen FluggĂ€sten jedoch noch klar unter dem Vorkrisen-Niveau bleiben. Und die Fraport-AktionĂ€re sollen weiter auf eine Dividende verzichten. An der Börse kamen die Nachrichten vom schlecht an.

Der Kurs der Fraport-Aktie sackte zeitweise fast sieben Prozent auf 48 Euro ab. Am frĂŒhen Nachmittag lag das Papier noch mit gut vier Prozent im Minus und war damit weiter grĂ¶ĂŸter Verlierer im MDax DE0008467416, dem Index der mittelgroßen Werte. Seit dem Jahreswechsel hat die Aktie rund zehn Prozent eingebĂŒĂŸt.

Schulte gab sich mit Blick auf die Ziele fĂŒr 2024 kĂ€mpferisch. "Wir werden alles dafĂŒr tun, am oberen Ende des Ausblicks rauszukommen", sagte er. Die vorsichtige Prognose erklĂ€rte er auch mit den Streiks, die Fraport in diesem Jahr schon 500 000 Passagiere und 10 Millionen Euro Umsatz gekostet hĂ€tten. Zudem weiteten die Airlines ihr Angebot nicht so stark aus, wie noch vor einem halben Jahr gedacht.

Das liegt auch an Liefer- und Technikproblemen der Flugzeugbauer Airbus und Boeing. So darf Boeing die Produktion seiner Mittelstreckenjets wegen QualitĂ€tsmĂ€ngeln nicht weiter hochfahren. Und hunderte Airbus-Maschinen mĂŒssen lĂ€nger am Boden bleiben, weil der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney ihre Turbinen vorzeitig in die WerkstĂ€tten zurĂŒckbeordert hat.

Auf mittlere Sicht wollte Schulte allerdings nicht pessimistischer werden. Er hielt an seiner Prognose fest, dass der Frankfurter Flughafen 2025 oder 2026 wieder so viele Passagiere zĂ€hlt wie vor der Corona-Pandemie. 2019 hatte der Airport mit rund 70,6 Millionen Passagieren sein stĂ€rkstes Jahr erlebt, bevor die Corona-Pandemie das GeschĂ€ft Anfang 2020 einbrechen ließ.

Seither geht es auch in Frankfurt wieder aufwĂ€rts. 2023 wuchs das Passagieraufkommen um 21 Prozent auf 59,4 Millionen FluggĂ€ste. An seinen FlughĂ€fen in Griechenland und der TĂŒrkei zĂ€hlte der Fraport-Konzern sogar so viele Passagiere wie nie zuvor. Im Vergleich zu anderen deutschen FlughĂ€fen stehe Frankfurt damit zwar gut da, erklĂ€rte Schulte. Andere große Drehkreuze wie London, Paris, Amsterdam und Madrid hĂ€tten sich aber schon stĂ€rker von der Pandemie erholt.

Trotzdem verdiente Fraport 2023 im TagesgeschÀft so viel wie nie zuvor. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel auf vier Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) wuchs um 17 Prozent auf den Rekordwert von 1,2 Milliarden Euro.

Unter dem Strich entfiel auf die Fraport-AktionĂ€re ein Gewinn von 393 Millionen Euro und damit rund dreimal so viel wie im Vorjahr. Auf eine GewinnausschĂŒttung mĂŒssen die Anteilseigner jedoch erneut verzichten: Wegen des hohen Schuldenbergs aus der Corona-Krise sowie Investitionen will der Konzern fĂŒr 2023 und auch fĂŒr 2024 keine Dividende zahlen.

Das soll sich erst Ă€ndern, wenn Fraports Nettoschulden auf etwa das FĂŒnffache des operativen Gewinns geschrumpft sind. Und danach sieht es vorerst nicht aus. 2023 lagen die Schulden noch beim 6,4-Fachen. Und die Nettoverschuldung steigt sogar weiter, weil Fraport am dritten Passagierterminal in Frankfurt baut und auch an Perus Hauptstadtflughafen Lima ein neues GebĂ€ude errichtet.

Finanzvorstand Matthias Zieschang erwartet bis Ende 2024 einen Anstieg der Nettoverschuldung auf 8,2 bis 8,4 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr war sie schon von 7,1 auf 7,7 Milliarden Euro geklettert. Die Streichung der Dividende trifft besonders das Land Hessen und die Stadt Frankfurt: Sie halten zusammen gut die HĂ€lfte der Fraport-Aktien. Ob der Konzern fĂŒr 2025 wieder eine Dividende zahlen wird, ließ Schulte offen. Dazu gebe es noch keine Entscheidung.

Der Fraport-Vorstand will die Digitalisierung und Automatisierung vorantreiben. Bis zum Jahr 2030 soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 2 Milliarden Euro steigen. FĂŒr das laufende Jahr nimmt sich Schulte einen Anstieg auf 1,26 bis 1,36 Milliarden Euro vor.

Mit seinen GeschĂ€ftszahlen von 2023 schnitt der Flughafenbetreiber etwa so ab, wie Analysten im Schnitt erwartet hatten. FĂŒr 2024 hatten sich Experten jedoch eher mehr versprochen: Im Schnitt gingen sie von 64 Millionen FluggĂ€sten in Frankfurt und einem operativen Gewinn von 1,34 Milliarden Euro aus. Damit lagen sie jeweils fast am oberen Ende dessen, was sich Schulte zum Ziel gesetzt hat.

Der Fraport-Chef fĂŒhrt die schleppende Erholung in Frankfurt auf die hohen Kosten in Deutschland zurĂŒck. So hĂ€tten sich die staatlich regulierten Abgaben und GebĂŒhren seit 2019 verdoppelt. Mit der geplanten Erhöhung von Luftverkehrssteuer und LuftsicherheitsgebĂŒhr verschlechterten sich die Rahmenbedingungen hierzulande weiter, sagte der Manager und forderte "eine politische Kehrtwende".

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