Thema des Tages, Aktienfokus

AKTIEN IM FOKUS 2: Trumps Importzölle belasten Autowerte aus Europa und USA

27.03.2025 - 18:33:26

FRANKFURT - Die von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigten zusĂ€tzlichen Importzölle haben die Aktien von Europas Autoherstellern am Donnerstag deutlich belastet.

(Neu: SchlussstÀnde, mehr Stimmen, Kurse von Ferrari, Tesla und Nutzfahrzeugbauern.)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigten zusĂ€tzlichen Importzölle haben die Aktien von Europas Autoherstellern am Donnerstag deutlich belastet. Im Dax DE0008469008 litten die Anteile der Autobauer Porsche AG DE000PAG9113, Mercedes-Benz DE0007100000, BMW DE0005190003 und Volkswagen DE0007664039. Sie bĂŒĂŸten zwischen 1,5 und 2,7 Prozent an Wert ein wegen der erwarteten Belastungen, die mit den US-Zöllen einhergehen. Zeitweise waren die Verluste noch deutlicher gewesen.

Trump kĂŒndigte Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Autoimporte an und verschĂ€rfte damit den globalen Handelsstreit. Die Zölle sollen fĂŒr alle importierten Autos gelten - von Kleinwagen ĂŒber Limousinen und SUV bis zu leichten Nutzfahrzeugen. Auch Strafabgaben fĂŒr Autoteile soll es geben, die aber etwas spĂ€ter in Kraft treten könnten - in jedem Fall bis Anfang Mai.

"Auch wenn damit das letzte Wort mit dem 'Dealmaker' im Weißen Haus noch nicht gesprochen sein dĂŒrfte, eine Eskalation im Handelsstreit der USA gegen den Rest der Welt ist es allemal", betonte JĂŒrgen Molnar vom Broker Robomarkets. Die Commerzbank sprach von einem "weiteren Schritt in der Umsetzung der protektionistischen Agenda der Trump-Administration".

Recht deutlich erwischte die Zollpolitik von Trump auf europĂ€ischer BĂŒhne auch den Opel-Mutterkonzern Stellantis NL00150001Q9, der mit der Tochter Chrysler auch zu den großen Autobauern in den USA zĂ€hlt. Die Stellantis-Aktien sackten in Paris um 4,3 Prozent ab. Sie standen zeitweise auf einem Rekordtief. Der europĂ€ische Branchenindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts EU0009658681 beendete den Tag ein Prozent tiefer. Er reduzierte sein Minus im Verlauf - wohl auch wegen Ferrari, die mit 1,8 Prozent im Plus schlossen. Trotz der Zölle bestĂ€tigte der Sportwagenbauer seine Finanzziele fĂŒr das laufende Jahr.

Besonders die deutsche Autoindustrie dĂŒrfte unter den Zöllen leiden, die laut dem Weißen Haus fĂŒr Autos am 3. April in Kraft treten sollen. Laut der Commerzbank liegt Deutschland nach Mexiko, Japan, SĂŒdkorea und Kanada auf dem fĂŒnften Platz der LĂ€nder, aus denen fertiggestellte Automobile in die USA importiert werden. Philippe Houchois von Jefferies Research schĂ€tzt den Wert des zusĂ€tzlichen Zolls auf etwa zwei Prozent des Konzernumsatzes bei BMW, ein Prozent bei VW DE0007664039 und zehn Prozent bei der Porsche AG.

Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank sprach von einem "schweren Schlag fĂŒr die deutsche Autoindustrie", denn im US-GeschĂ€ft dĂŒrften die Gewinnmargen der Autobauer sinken. Anderswo befĂŒrchtet der Experte mehr Wettbewerbsdruck, sollten andere LĂ€nder wie Japan oder SĂŒdkorea ihre Exporte verstĂ€rkt nach Europa umlenken.

Analyst Henning Cosman von der Barclays-Bank stufte am Donnerstag die BMW-Aktien unabhĂ€ngig von den Zoll-Nachrichten auf "Underweight" ab und Ă€ußerte dabei seine PrĂ€ferenz fĂŒr Mercedes-Benz. Zum Thema Handelszölle sagte er in seiner Studie, diese seien fĂŒr alle schlecht, aber andere trĂ€fen sie deutlich weniger hart als BMW. Mit seinen operativen ErgebnisschĂ€tzungen fĂŒr die MĂŒnchner bis 2027 liegt der Experte deutlich unter dem Konsens.

Den Commerzbank-Experten zufolge dĂŒrften die Zölle aber auch die Lieferketten der nordamerikanischen Autoindustrie belasten. In den USA zeigte sich dies bei General Motors (GM) US37045V1008 mit einem Abschlag von 6,6 Prozent, der bei Ford US3453708600 mit 2,3 Prozent geringer ausfiel. Tesla dagegen legten in New York 2,7 Prozent zu.

Edison Yu vom Research-Team der Deutschen Bank schrieb, Tesla und Ford seien aufgrund der Standorte ihrer Werke am stĂ€rksten vor den Zöllen geschĂŒtzt, wĂ€hrend GM in Mexiko am stĂ€rksten vertreten sei. Importeure aus Kanada und Mexiko können allerdings nachweisen, dass ihre Produkte US-Anteile enthalten, sodass der Zoll nur auf den nicht aus den USA stammenden Wertschöpfungsteil angewendet wird.

"Dies ist kein symbolischer Schritt, sondern einer, der die Kostenstruktur der US-Automobilindustrie erheblich verĂ€ndert", betonte der beim Analysehaus Bernstein fĂŒr US-Hersteller zustĂ€ndige Analyst Daniel Roeska. Am US-Markt sieht er in Tesla US88160R1014 einen Gewinner, wĂ€hrend die drei großen Hersteller aus Detroit unter den hohen Abgaben litten. Er erwĂ€hnte, das Freihandelsabkommen USMCA biete nur begrenzte Kompensationsmöglichkeiten.

WĂ€hrend die EU und andere betroffene LĂ€nder vorab bereits Gegenzölle in Aussicht stellten, erwĂ€hnte Roeskas Bernstein-Kollege Stephen Reitman die immer noch vorhandene Möglichkeit von Verhandlungen. Die geschĂ€ftsfĂŒhrende deutsche Außenministerin Annalena Baerbock zeigte in einer ersten Reaktion Bereitschaft, denn die EuropĂ€er wollten keinen Handelskrieg, erst recht nicht unter Freunden. "Aber nur auf Basis von Regeln und gegenseitigem Respekt und eben nicht mit der Abrissbirne", fĂŒgte sie hinzu.

Trump selbst geht mit seinen Drohungen derweil noch weiter. Wenn die EU mit Kanada zusammenarbeite, um den USA wirtschaftlichen Schaden zuzufĂŒgen, wĂŒrden beide LĂ€nder mit weitaus grĂ¶ĂŸer angelegten Zöllen belegt als derzeit vorgesehen, schrieb er auf der Online-Plattform Truth Social.

Laut Reitman hat Trump die Aktien- und AnleihemĂ€rkte bereits "extrem nervös" gemacht. Der US-PrĂ€sident sehe den Dow Jones Industrial US2605661048, der im Nachgang seiner AmtseinfĂŒhrung unter Druck geraten war, eigentlich als "wichtigen Gradmesser fĂŒr seinen Erfolg" an. Unter diesen Voraussetzungen sei es schwer abzuschĂ€tzen, wie lange diese "kettensĂ€genartige Politik" von Trump anhĂ€lt, wenn sie einen nicht nur vorĂŒbergehenden Markteinbruch verursacht.

Der Auto-Fachmann Daniel Schwarz vom Analysehaus Stifel glaubt aber perspektivisch, dass Entlastung in Sicht ist, sobald der Analystenkonsens und die Konzernausblicke an die neuen Bedingungen angepasst wurden. "Sobald dieser Umstand verdaut ist, sollte die grĂ¶ĂŸte kurzfristige Unsicherheit bei europĂ€ischen Autobauern beseitigt sein", schrieb er. Hiesige Autohersteller könnten dann seiner Ansicht nach fĂŒr Investoren wieder attraktiver werden.

Michael Aspinall von Jefferies Research erwÀhnte noch, dass Hersteller schwerer Nutzfahrzeuge von den zusÀtzlichen Abgaben zunÀchst einmal nicht betroffen zu sein schienen. So kam es denn auch, dass deren Aktien am Donnerstag weniger stark oder gar nicht unter Druck gerieten. Im Falle von Daimler Truck DE000DTR0CK8 stand zwar ein Abschlag von 1,2 Prozent zu Buche, bei Traton DE000TRAT0N7 dagegen schlossen die Aktien mit 0,3 Prozent im Plus.

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