AKTIE IM FOKUS 2: Hoffnung auf weitere Tui-Erholung platzt wegen Reisenachfrage
10.02.2026 - 13:01:03 | dpa.de(Neu: mehr Analysten und Details)
FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Eine rĂŒcklĂ€ufige Nachfrage nach Pauschalreisen hat am Dienstag die Tui-Aktie DE000TUAG505 schwer belastet. Das Papier, das tags zuvor noch in Richtung 10 Euro auf den höchsten Stand seit seinem heftigen Kurseinbruch im FrĂŒhjahr 2023 gestiegen war, sackte zeitweise um fast 8 Prozent ab. Zuletzt gab es im kaum verĂ€nderten MDax DE0008467416 noch um 5,1 Prozent auf 8,88 Euro nach.
Die Charttechnik hat sich damit fĂŒr die Aktie des gröĂten europĂ€ischen Reiseveranstalters wieder eingetrĂŒbt, denn die 21-Tage-Durchschnittslinie, die den kurzfristigen Trend signalisiert, wurde nach unten durchbrochen. UnterstĂŒtzung findet das Papier aktuell an der 50-Tage-Linie fĂŒr den mittelfristigen Trend bei 8,87 Euro.
Analysten Ă€uĂerten sich zwar allgemein positiv ĂŒber die "soliden Quartalszahlen" sowie die bestĂ€tigten GeschĂ€ftsjahresziele fĂŒr 2025/26, doch mehrere wiesen auf negative Trends hin.
"Die BĂ€ren unter den Marktteilnehmern werden sich auf die WettbewerbsfĂ€higkeit des Reiseveranstalters stĂŒrzen", hatte Analyst Andrew Lobbenberg von der Barclays Bank bereits erwartet. Er selbst bleibt unterdessen positiv eingestellt fĂŒr die Aktie und hob neben den beibehaltenen Prognosen das starke KreuzfahrtgeschĂ€ft sowie die Gewinnverbesserung in einem schwierigen, von VerkĂ€ufen und Ăbernahmen geprĂ€gten Marktumfeld hervor.
"Die Nachfrage ist erheblich gesunken", betonte unterdessen Bernstein-Analyst Richard Clarke. So sei der gebuchte Umsatz fĂŒr den Winter 2025/26 im Dezember noch mit plus 1 Prozent angegeben worden. Inzwischen werde er mit minus 1 Prozent beziffert. FĂŒr die Sommerbuchungen 2026 sehe es auch nicht besser aus. WĂ€hrend Tui im Dezember noch einen gebuchten Umsatz "deutlich ĂŒber Vorjahreswert" angegeben habe, werde nun von minus 2 Prozent gesprochen.
Dass der Reisekonzern dennoch an den Jahreszielen festhĂ€lt, sieht Clark zwar als "Zeichen fĂŒr die WiderstandsfĂ€higkeit des GeschĂ€ftsmodells", die aktuellen Nachrichten aber seien negativ. "Eine ĂbererfĂŒllung der Prognose fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr erscheint weniger wahrscheinlich", schrieb der Bernstein-Experte und rechnet damit, dass die Erwartungen fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr um 1 bis 2 Prozent nach unten korrigiert werden.
Analyst Karan Puri von JPMorgan hob auch das Festhalten an den mittelfristigen Zielen positiv hervor, monierte aber ebenfalls, dass das GeschĂ€ft aktuell nicht ganz so gut laufe. Ihm zufolge sollte die SchwĂ€che bei den gebuchten UmsĂ€tzen aber im Zusammenhang mit dem herausfordernderem Umfeld gesehen werden. So nehme der Wettbewerb zu und die Buchungskurve verlagere sich aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten in GroĂbritannien und Deutschland nach hinten. AuĂerdem fokussiere sich der Reisekonzern nach wie vor auf die Reduzierung seiner Risiken.
Tui hat seit der Corona-Pandemie eine schwere Zeit und erholt sich nur mĂŒhsam. Wegen der weltweiten ReisebeschrĂ€nkungen ab dem Jahr 2020 war das GeschĂ€ft zeitweise vollstĂ€ndig zum Erliegen gekommen. Nur dank immenser staatlicher Hilfen entgingen Tui sowie andere Reiseunternehmen und Fluggesellschaften der Pleite.
Die Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds hat Tui inzwischen vollstĂ€ndig zurĂŒckgezahlt. Zwischen Ende MĂ€rz und Anfang April 2023 wurde dafĂŒr eine 1,8 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten durchgefĂŒhrt. Die Aktie geriet daher schwer unter Druck und bĂŒĂte rund die HĂ€lfte ihres damaligen Wertes ein.
Bis zum heutigen Tag hat sie sich nur geringfĂŒgig erholt. Seit dem jĂŒngsten Zwischentief Anfang November bei knapp unter 7 Euro bis zu diesem Montag war es fĂŒr das Papier aber immerhin wieder auf knapp 9,56 Euro gegangen auf den höchsten Stand seit der Kapitalerhöhung. Kurz vor dieser jedoch waren noch zwischen 16 und 18 Euro gezahlt worden./ck/stw/mis
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