AKTIEN IM FOKUS 2: Reise- und Freizeitwerte leiden unter Nahost-Eskalation
02.03.2026 - 12:31:43 | dpa.de(Neu: Ăberschrift, Kurse, Brancheneinordnung, weitere betroffene Unternehmen, Analystenkommentare von Bernstein Research und MWB Research.)
FRANKFURT/PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die militĂ€rische Eskalation im Nahen Osten hat am Montag vor allem den Aktien der Reise- und Freizeitbranche zugesetzt. Der europĂ€ische Sektorindex CH0019112744 fĂŒhrte mit einem Minus von 3,8 Prozent die Verliererliste im marktbreiten Stoxx Europe 600 EU0009658202 an. Wegen der AbhĂ€ngigkeit von Touristen-Ausgaben litten auch europĂ€ische LuxusgĂŒterwerte und prĂ€gten so das Umfeld im europĂ€ischen Einzelhandelsbereich negativ.
FĂŒr die Aktien des Reisekonzerns Tui DE000TUAG505 ging es am MDax DE0008467416-Ende um 8,6 Prozent bergab, wĂ€hrend die Lufthansa DE0008232125-Titel 6,4 Prozent einbĂŒĂten. Ihnen droht damit ein weiterer RĂŒckschlag im Rennen um eine mögliche RĂŒckkehr in den Dax DE0008469008.
Konkurrent Air France-KLM FR001400J770 erlitt als gröĂter Verlierer im französischen Cac 40 FR0003500008 einen KursrĂŒckschlag von 9,3 Prozent. Die Anteile der Airline-Holding International Airlines Group ES0177542018 (IAG) verbilligten sich in London um 5,4 Prozent. Dagegen hielten sich die Aktien der Billigflug-Konkurrent Ryanair IE00BYTBXV33 und Easyjet GB00B7KR2P84 mit Verlusten von 2,4 und 4,2 Prozent etwas besser.
Unter Druck standen auch die Papiere der Hotelkonzerne Accor FR0000120404 und International Hotel Group (IHG) mit AbschlÀgen von 8,5 und 4,4 Prozent.
Die Ălpreise legten nach der Eskalation im Nahen Osten erwartungsgemÀà krĂ€ftig zu, was sich auf die Treibstoffkosten von Fluggesellschaften auswirkt. Ein Sprecher der Lufthansa hatte am Samstag erklĂ€rt, dass mehrere FlĂŒge mit Ziel Naher Osten nach dem Angriff auf den Iran durch Israel und die USA ausgesetzt werden. Von der Kreuzfahrttochter des Tui-Konzerns, Tui Cruises, sitzen nun zwei Schiffe in der Region fest. Vor diesem Hintergrund können zwei weitere Reisen dieser Schiffe nicht planmĂ€Ăig durchgefĂŒhrt werden.
Der Iran-Konflikt sei negativ fĂŒr die ProfitabilitĂ€t von Fluggesellschaften und dĂŒrfte sich zumindest kurzfristig auf die Stimmung von Anlegern auswirken, schrieb JPMorgan-Analyst Harry Gowers. Er verwies auf Flugstreichungen, operative Behinderungen, steigende Ălpreise und eine möglicherweise geringere Nachfrage. Ryanair hĂ€lt er in diesem Umfeld fĂŒr ein vergleichsweise defensives Investment. Anhaltende KursschwĂ€chen könnten attraktive langfristige Kaufgelegenheiten bei Ryanair und IAG bieten, die strukturelle Gewinner seien und die hochwertigsten GeschĂ€ftsmodelle in der Branche vorweisen könnten.
Ungeachtet der heftigen Kursreaktion bei Tui erschienen die kurzfristigen Auswirkungen des Iran-Konflikts begrenzt, kommentierte Oliver Wojahn vom Analysehaus MWB Research. Denn das KerngeschĂ€ft im Sommer mache der Reisekonzern hauptsĂ€chlich im westlichen Mittelmeerraum und in der TĂŒrkei, die derzeit nicht betroffen seien. Unter Annahme einer Normalisierung der Lage im April dĂŒrfte der finanzielle Schaden vergleichsweise gering ausfallen.
Risiken sieht Wojahn im Falle eines lĂ€ngeren, umfassenderen Konflikts, der etwa das wichtige GeschĂ€ft in der TĂŒrkei oder Ăgypten beeintrĂ€chtigen könnte. Doch auch dann könnte sich ein Teil der Nachfrage auf als sicherer empfundene Reiseziele im westlichen Mittelmeerraum wie Spanien verlagern. Die Wachstumsziele von Tui fĂŒr 2026 sieht der Experte daher aktuell nicht in Gefahr.
Unter den Hotelbetreibern sieht Bernstein-Analyst Richard Clarke die französische Accor-Gruppe vor der britischen IHG am stÀrksten von den iranischen VergeltungsschlÀgen gegen die Golfstaaten betroffen. Bei Accor machten die dortigen KapazitÀten einen Anteil im hohen einstelligen Prozentbereich des Konzerns aus. Zudem seien das Accor-Hotel Fairmont The Palm sowie ein zu IHG gehörendes Crown-Plaza-Hotel in Bahrain im Zuge des Krieges beschÀdigt worden.
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