Frankfurt, Wohnungsbauturbo

Frankfurt startet Wohnungsbauturbo gegen Krise

21.03.2026 - 05:31:21 | boerse-global.de

Frankfurt beschleunigt mit einem neuen Bauturbo die Nachverdichtung, um Wohnraum zu schaffen. Eine Ausstellung zeigt zudem Potenziale in Vorstädten auf.

Frankfurt startet Wohnungsbauturbo gegen Krise - Foto: über boerse-global.de
Frankfurt startet Wohnungsbauturbo gegen Krise - Foto: über boerse-global.de

Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt eröffnet heute die Ausstellung „SUBURBIA. Träume vom Eigenheim – Wege aus der Wohnungskrise“. Zeitgleich setzt die Stadt mit einem neuen „Wohnungsbauturbo“ auf beschleunigte Nachverdichtung. Angesichts von bundesweit 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen ist das ein Paradigmenwechsel: Statt weiterer Zersiedelung soll jetzt der Bestand intelligent verdichtet werden.

So funktioniert der Frankfurter Bauturbo

Frankfurt nutzt neue bundesrechtliche Möglichkeiten, um Planungen zu beschleunigen. Die kürzlich verabschiedeten Leitlinien definieren klare Einsatzgebiete. Im Fokus stehen Projekte mit weit fortgeschrittenen Planungen, wie die Nachverdichtung alter Zeilenbausiedlungen im Mittleren Norden. Auch auf dem Gelände des ehemaligen Panoramadads in Bornheim soll kurzfristig Baurecht für ein neues Quartier entstehen – mit 30 Prozent geförderten Mietwohnungen.

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Zur Umsetzung tagt nun wöchentlich eine Bauturbo-Konferenz, in der sich Planungsamt und Bauaufsicht abstimmen. „Die Beschleunigung findet nicht um jeden Preis statt“, betont Planungsdezernent Marcus Gwechenberger. Innerstädtische Grünflächen und Gewerbegebiete sind ausgeschlossen. Auch Einfamilienhäuser und Mikroapartments profitieren nicht, da sie laut Stadtplanung keinen nennenswerten Beitrag zur Massenproduktion von Wohnraum leisten.

SUBURBIA: Das ungenutzte Potenzial der Vorstädte

Während der Bauturbo auf Mehrgeschossbau setzt, beleuchtet die DAM-Ausstellung die suburbanen Räume. Das Einfamilienhaus, einst Ideal des Wohneigentums, wird heute hinterfragt. Es verbraucht viel Fläche und Energie, wird aber oft nur von ein oder zwei Personen bewohnt.

Die Schau zeigt konkrete Beispiele aus dem Rhein-Main-Gebiet: Wie kann durch Weiterbauen statt Abriss neuer Wohnraum geschaffen werden? Ein Ansatz ist die Kombination aus energetischer Sanierung und Erweiterung. Durch Aufstockungen können Einfamilienhäuser zu Mehrgenerationenhäusern oder Eigentumswohnungen werden. Diese sanfte Nachverdichtung schont Ressourcen und spart die graue Energie eines kompletten Neubaus.

Die Wärme-Frage: Geothermie für dichte Quartiere

Nachhaltige Verdichtung braucht angepasste Energieinfrastruktur. Kommunen stehen vor der doppelten Herausforderung, Wohnraum zu schaffen und Klimaziele einzuhalten. Mehr Wohneinheiten bedeuten auch mehr Energiebedarf.

Branchenexperten sehen in der Tiefengeothermie eine Schlüssellösung. In dicht bebauten Quartieren, wo Platz für einzelne Wärmepumpen fehlt, kann eine Bohrung ganze Viertel klimaneutral versorgen. Das bietet die Chance, Quartiere auf einen Schlag zu dekarbonisieren und langfristig stabile Heizkosten zu sichern. Städte wie Mannheim und Berlin verfolgen solche Ansätze bereits – sie könnten künftig zum Standard werden.

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Was die Wende für Mieter und Eigentümer bedeutet

Für Mieter in Ballungsräumen sind beschleunigte Verfahren eine konkrete Hoffnung. Mehr zügig realisierte Projekte bedeuten schneller mehr Angebot, auch an geförderten Wohnungen.

Immobilienbesitzern eröffnen gelockerte Nachverdichtungsregeln neue Perspektiven. Grundstücke, die als voll entwickelt galten, gewinnen durch Aufstockung oder Bebauung von Parkplätzen an Wert. Doch die Stadt macht klar: Tempo ist nicht Beliebigkeit. Soziale Quoten, wie die 30 Prozent geförderter Wohnraum in Bornheim, sollen verhindern, dass nur das hochpreisige Segment profitiert. Die klare Rahmung soll Investoren Planungssicherheit geben.

Blaupause für andere Metropolen?

Frankfurts Leitlinien könnten zur Blaupause für andere Kommunen mit angespannten Märkten werden. In den kommenden Jahren werden in vielen Städten Dächer aufgestockt, Baulücken geschlossen und Flächen umgenutzt.

Durch gestraffte Genehmigungsverfahren könnten erste Projekte deutlich schneller starten. Ob die Bauwirtschaft sie angesichts von Fachkräftemangel und Materialkosten auch umsetzen kann, bleibt eine offene Frage. Eines ist jedoch sicher: Der Weg aus der Krise führt 2026 nicht mehr über neue Einfamilienhaussiedlungen am Rand, sondern über die intelligente Verdichtung des Bestands.

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