Frankreichs Premier sieht Lösung der Krise ohne Neuwahlen
08.10.2025 - 12:01:17Es gebe den gemeinsamen Willen, bis Ende des Jahres einen Haushalt zu verabschieden, sagte Lecornu am Morgen in Paris. "Und dieser Wille schafft natĂŒrlich eine Bewegung und eine AnnĂ€herung, die die Aussicht auf eine Auflösung des Parlaments in weite Ferne rĂŒcken lassen."
Nach nur vier Wochen im Amt war Lecornu am Montag zurĂŒckgetreten - noch bevor seine frisch gebildete Regierung ihre Arbeit aufnehmen konnte. PrĂ€sident Emmanuel Macron beauftragte ihn jedoch, mit den Parteien bis Mittwochabend ĂŒber einen Ausweg aus der Krise zu beraten.
Einbindung der Sozialisten
Als einen Schritt zur Lösung der Krise wolle er nun auf die Sozialisten zugehen, sagte Lecornu. Am Vormittag werde er die Parteien des linken Lagers bis auf die Linkspartei empfangen, "um zu sehen, welche ZugestÀndnisse sie von den anderen politischen Gruppierungen verlangen, um diese StabilitÀt zu gewÀhrleisten, und welche ZugestÀndnisse sie gegebenenfalls auch selbst zu machen bereit sind, um dies zu ermöglichen, denn ich habe verstanden, dass auch sie möchten, dass Frankreich unseren Haushalt noch vor Ende dieses Jahres verabschieden kann".
Lecornu Ă€uĂerte die Zuversicht, dass er einen Ausweg aus der verfahrenen politischen Situation finden kann. "Es ist offensichtlich, dass diese schwierige Zeit, diese Krise, auch eine Zeit der Verantwortung ist, in der ich hoffentlich eine Reihe von Lösungen finden werde, die ich heute Abend dem Staatschef vorstellen kann."
Folgende Szenarien sind denkbar:
Szenario 1: Lecornu findet Kompromiss und macht weiter
Gelingt es Lecornu, bei seinen GesprĂ€chen mit den politischen KrĂ€ften einen gemeinsamen Nenner zur Stabilisierung des Landes sowie einen Ausweg aus der Krise zu finden, könnte Macron ihn bitten, einen Neustart als Premier zu wagen. Zwar hatte Lecornu laut Medien durchblicken lassen, er wolle nicht erneut als Premier antreten. Aber als enger Vertrauter des PrĂ€sidenten wĂŒrde er Macrons Wunsch wohl nicht ablehnen. Ein Vorteil wĂ€re, dass er als Architekt eines möglichen Kompromisses auf die UnterstĂŒtzung der beteiligten Parteien bauen könnte.
Szenario 2: Nach Kompromiss ernennt Macron anderen Premier
Denkbar ist auch, dass Lecornu bei seinen GesprĂ€chen zwar einen Ausweg aus der Krise findet, die Parteien aber auf einen Premier aus einem anderen Lager pochen. Dagegen hat Macron sich bislang zwar kategorisch gesperrt, dies könnte aber Teil einer Lösung der verfahrenen Situation sein. Die Sozialisten, Kommunisten und GrĂŒnen zumindest, die bei der vorgezogenen Parlamentswahl 2024 stark abschnitten, riefen PrĂ€sident Macron auf, einen Premierminister aus dem linken Lager zu ernennen.
Szenario 3: Macron löst Parlament auf und ruft Neuwahlen aus
Scheitert Lecornu, dĂŒrfte Macron kaum versuchen, einen weiteren Premier zu finden. Dies wĂ€re dann der vierte Regierungschef seit dem Sommer 2024, der versuchen wĂŒrde, Frankreich zu regieren. Erwartet wird, dass der PrĂ€sident in dem Fall die Nationalversammlung auflöst und Neuwahlen ausruft.
Ein Datum fĂŒr mögliche Neuwahlen scheint es bereits zu geben. Die PrĂ€fekten hĂ€tten bereits die inoffizielle Anweisung erhalten, sich darauf vorzubereiten, am 16. und 23. November Parlamentswahlen zu organisieren, berichtete das EnthĂŒllungsblatt "Le Canard enchaĂźnĂ©".
RĂŒcktritt von Macron höchst unwahrscheinlich
Obwohl neben Frankreichs Linkspartei und den Rechtsnationalen von Marine Le Pen inzwischen auch frĂŒhere Vertraute wie Ex-Premierminister Ădouard Philippe Macrons RĂŒcktritt fordern, ist ein solcher Schritt kaum zu erwarten. Einen RĂŒcktritt hatte Macron jĂŒngst noch kategorisch ausgeschlossen. Der PrĂ€sident hatte kĂŒrzlich betont, er sei direkt vom Volk gewĂ€hlt worden und werde sein Amt bis zum regulĂ€ren Ende im FrĂŒhjahr 2027 ausĂŒben.

