Produktion/Absatz, Zusammenfassung

Solarhersteller Meyer Burger plant Schließung von Werk in Sachsen

23.02.2024 - 14:33:47

FREIBERG - ZunĂ€chst waren es Drohungen, jetzt ist es offiziell: Das Solarunternehmen Meyer Burger CH0027700852 will sein Werk im sĂ€chsischen Freiberg schließen.

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FREIBERG (dpa-AFX) - ZunĂ€chst waren es Drohungen, jetzt ist es offiziell: Das Solarunternehmen Meyer Burger CH0027700852 will sein Werk im sĂ€chsischen Freiberg schließen. Die Schließung solle schrittweise erfolgen, teilte das Schweizer Unternehmen am Freitag mit. ZunĂ€chst werde die Produktion in der ersten MĂ€rzhĂ€lfte eingestellt. Davon verspreche sich das Unternehmen erhebliche Einsparungen ab April. Die Schließung soll dann Ende April in Kraft treten.

Stattdessen will der Solarmodulhersteller nach eigenen Angaben die Produktion in den USA hochfahren. Auch diesen Schritt hatte Meyer Burger immer wieder in den Raum gestellt. Den Schritt begrĂŒndete die Gruppe damit, dass es "noch keine Entscheidung ĂŒber politische UnterstĂŒtzungsmaßnahmen zur Behebung der aktuellen Marktverzerrungen durch Überangebot und Dumpingpreise bei Solarmodulen gibt".

Meyer Burger besitzt mit der Fabrik in Freiberg nach eigenen Angaben den grĂ¶ĂŸten Betrieb fĂŒr die Solarmodulproduktion in Europa. 500 ArbeitskrĂ€fte sind an dem Standort beschĂ€ftigt. Auch andere Solarhersteller hatten mit Werksschließungen gedroht: China ĂŒberschwemme mit Preisdumping den Markt fĂŒr Solarmodule, und zum Erhalt der Branche in Deutschland sei eine finanzielle UnterstĂŒtzung des Staats nötig.

"Unhaltbare Verluste"

Anfang des Jahres hatte Meyer Burger einen Plan vorgestellt, um die "unhaltbaren Verluste" in Europa zu verringern und sich auf die USA zu konzentrieren. Nun könne das Unternehmen konkrete Fortschritte bekanntgeben, sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Gunter Erfurt. Die geplante Kapitalerhöhung sei ein attraktiver Vorschlag fĂŒr Investoren, "da sie in das hochprofitable US-GeschĂ€ft investieren können, wo wir ein einzigartiges Angebot haben, das durch langfristige Abnahmeverpflichtungen und das Potenzial fĂŒr starkes Wachstum gestĂŒtzt wird". Zudem mache die stĂ€rkere Fokussierung auf das US-GeschĂ€ft das Unternehmen unabhĂ€ngig von politischen Entscheidungen in Europa.

Wegen der niedrigen Preise der Konkurrenz habe vor allem das vergangene Jahr völlig hinter den Erwartungen des Unternehmens gelegen. Subventionen bei der Solarmodulherstellung in China hĂ€tten zu einer gravierenden Marktverzerrung gefĂŒhrt. Nun nĂ€hert sich Meyer Burger der Eröffnung einer Modulfabrik im US-Bundesstaat Colorado.

Der sĂ€chsische MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer sieht die Bundesregierung in der Pflicht. "Es ist unertrĂ€glich, dass trotz Solarboom die deutsche Industrie so in BedrĂ€ngnis gerĂ€t. Wir haben als deutsche MinisterprĂ€sidenten einen konkreten Vorschlag fĂŒr den Schutz der heimischen Wirtschaft unterbreitet", sagte der CDU-Politiker. Die Bundesregierung mĂŒsse sich auf einen Bonus fĂŒr die Solarindustrie einigen. Der sĂ€chsische Wirtschaftsminister Martin Dulig sprach von einem alarmierenden Signal fĂŒr den Standort Deutschland. Landesenergieminister Wolfram GĂŒnther warnte vor einer einseitigen AbhĂ€ngigkeit von China.

Kritik an FDP

Der GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete Bernhard Herrmann sieht vor allem die FDP in der Verantwortung. "Die angekĂŒndigte Stilllegung der Modulproduktion ist ein absolut vermeidbarer RĂŒckschlag." Wenn die FDP nicht einen sogenannten Resilienz-Bonus oder andere wirksame Maßnahmen mittrage, seien die Werkschließung in Freiberg unumgĂ€nglich und weitere sehr wahrscheinlich.

Die Linke sieht das Werk als Opfer der Schuldenbremse, die im Grundgesetz verankert ist. "Man kann wirklich keinem vernĂŒnftigen Menschen mehr erklĂ€ren, warum diese Regierung die strategisch wichtige Zukunftsindustrie der Solarproduktion samt ArbeitsplĂ€tzen in der Energiewende den Bach runtergehen lĂ€sst, nur um einer Minderheit dogmatischer Neoliberaler und ihrem Fetisch Investitionsbremse nicht auf die FĂŒĂŸe zu treten", sagte Linken-Chef Martin Schirdewan.

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