Gewerkschaften prangern Ausbeutung bei Paketdiensten an
26.11.2025 - 12:08:09Und das nehmen der Deutsche Gewerkschaftsbund Baden-WĂŒrttemberg, Verdi sowie das Beratungsnetzwerk Faire MobilitĂ€t zum Anlass, um auf die teilweise schwierigen Arbeitsbedingungen in der Kurier-, Express- und Paketdienst-Branche (KEP) aufmerksam zu machen. In diesem Bereich arbeiten im SĂŒdwesten nach SchĂ€tzungen der Gewerkschaft Verdi etwa 40.000 MĂ€nner und Frauen.
Der Arbeitsalltag sei hĂ€ufig geprĂ€gt von extremem Zeitdruck, prekĂ€ren ArbeitsverhĂ€ltnissen und systematischen RechtsverstöĂen - insbesondere bei Subunternehmen, teilte der DGB in Stuttgart mit. "Ăberdurchschnittlich betroffen sind migrantische BeschĂ€ftigte, denen Löhne vorenthalten oder grundlegende arbeitsrechtliche Standards verweigert werden."
Viele Fahrerinnen und Fahrer seien tagtĂ€glich zehn bis zwölf Stunden unterwegs, oft ohne echte Pausen, unter permanenter Kontrolle und teilweise unter Mindestlohnniveau. "Trotz der bekannten Probleme ist bislang wenig passiert, um die Situation der BeschĂ€ftigten spĂŒrbar zu verbessern."
Gewerkschaften: Politik muss fĂŒr bessere Rahmenbedingungen sorgen
Eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Verdi-Umfrage unter mehreren Tausend Mitarbeitern ergab: Sie mĂŒssen hĂ€ufig lĂ€nger arbeiten als erlaubt, haben zu wenig Pausen und mĂŒssen bei der QualitĂ€t ihrer Arbeit bisweilen Abstriche machen, um das Arbeitspensum ĂŒberhaupt zu schaffen. Tags zuvor hatte Nordrhein-Westfalens CDU-gefĂŒhrtes Arbeitsministerium ein Ă€hnlich negatives Bild von der Branche gezeichnet: Das Ministerium stellte das Ergebnis von mehrmonatigen Kontrollen vor. Dabei waren eine Vielzahl an Arbeitsschutz-VerstöĂen von Paketfirmen festgestellt worden.
Die Vize-Chefin des DGB, Maren Diebel-Ebers, kritisierte, die Politik lasse diese Ausbeutung seit Jahren zu und nehme die Konzerne nicht in die Verantwortung. "Wir brauchen endlich gesetzliche Vorgaben, die das Outsourcing begrenzen und die Rechte der BeschĂ€ftigten wirksam schĂŒtzen."
Eine schon lĂ€nger erhobene Forderung der Gewerkschaften ist, die 20-Kilo-Grenze bei der Ein-Personen-Zustellung umzusetzen. Die frĂŒhere Ampel-Regierung hatte so eine Regelung auf den Weg gebracht, in den Wirrungen des Ampel-Endes ist sie aber auf der Strecke geblieben. Die 20-Kilo-Grenze steht zwar im Gesetz, aber nur als leere HĂŒlle: Sie greift erst, wenn eine ergĂ€nzende Verordnung verabschiedet wird. Darin soll stehen, mit welchen technischen Hilfsmitteln eine Ein-Personen-Zustellung eines schwereren Pakets doch noch zulĂ€ssig wĂ€re. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagt hierzu, man arbeite an der Umsetzung der Vorgaben des neuen Postgesetzes.

