Black Friday - der groĂe Kaufrausch und die Droge Rabatt
23.11.2025 - 10:50:08November fÀllt, versprechen gute Rabatte. Viele Menschen in Deutschland nutzen sie, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Warum zieht der Tag so an? Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Was hat es mit dem Black Friday auf sich?
Zum Black Friday locken viele HĂ€ndler mit PreisnachlĂ€ssen. Einige werben mit Bezeichnungen wie Black Week oder Black Deals, da sich die Aktionen oft ĂŒber mehrere Tage erstrecken. Der Black Friday hat seinen Ursprung in den USA. Der Tag nach Thanksgiving, dem vierten Donnerstag im November, gilt dort traditionell als Start des WeihnachtsgeschĂ€fts.
Wie viele nutzen die Aktion?
Eine im September durchgefĂŒhrte YouGov-Umfrage zeigt: 13 Prozent wollen sicher, 34 Prozent wahrscheinlich auf SchnĂ€ppchenjagd gehen. Das hĂ€ufigste Motiv: Sparen. Die beliebteste Produktkategorie: Kleidung, Mode und Schuhe. FĂŒr 51 Prozent der Interessierten sind Angebote aus diesem Bereich attraktiv. Beliebt sind auch PCs, Tablets, Smartphones, Software und Apps (46 Prozent) sowie Unterhaltungselektronik wie Fernseher, Audiosysteme und Spielekonsolen (41 Prozent). Jeder Vierte kauft lieber im GeschĂ€ft ein als online.
Laut einer Befragung der Unternehmensberatung PwC wollen Konsumenten, die rund um den Black Friday einkaufen möchten, im Schnitt 265 Euro ausgeben - einen Euro mehr als 2024. "MĂ€nner geben deutlich mehr aus als Frauen, was auch an der gröĂeren Vorliebe fĂŒr Elektronik und Technik liegt", sagt PwC-Handelsexperte Christian Wulff.
Wegen der KaufzurĂŒckhaltung suchen Kunden verstĂ€rkt nach Rabatten, berichtet das Handelsforschungsinstitut IFH Köln. Immer mehr Menschen informieren sich bereits vor den Aktionstagen zu gewĂŒnschten Produkten. "Viele Menschen warten bei lang geplanten Anschaffungen gezielt auf den November - weil sie wissen, dass es dann vermutlich billiger wird", sagt Andreas Baetzgen, Experte fĂŒr Werbung und Professor an der Hochschule fĂŒr Technik und Wirtschaft Berlin.
Warum ist der Black Friday nicht fĂŒr alle interessant?
9 Prozent schlieĂen ihre Teilnahme laut YouGov kategorisch aus, 29 Prozent wollen wahrscheinlich nicht mitmachen. Die GrĂŒnde: kein Bedarf (58 Prozent), Ablehnung des Konsum-Hypes (39 Prozent), Misstrauen gegenĂŒber Rabatten (38 Prozent). FĂŒr 23 Prozent sind die Preise trotz Nachlass zu hoch, 20 Prozent empfinden das Event als zu stressig und unĂŒbersichtlich. Ăber zwei Drittel sehen im Black Friday einen Treiber fĂŒr Ăberkonsum und Umweltbelastung.
Was bewirkt die Aktion bei Konsumenten?
"Der Black Friday hat auch in Deutschland Kultstatus erreicht und ist fester Teil im Kalender", sagt Hans Georg HĂ€usel, Hirnforscher und Konsumpsychologe. "Der Mensch ist ein Herdentier und orientiert sich an anderen." Der Aktionstag sei zu einem sozialen Ereignis geworden und daher schwer zu ignorieren. "Kaufen ist eine Belohnung fĂŒr den Menschen, deshalb suchen viele nach SchnĂ€ppchen." Der Black Friday verfĂŒhre zum Kauf. HĂ€usel vergleicht den Black Friday mit einem Adventskalender. "Die Menschen sind gespannt, was fĂŒr sie drin ist."
Was lÀsst sich in diesem Jahr beobachten?
Der Black Friday ist zwar erst Ende November, aber immer mehr HĂ€ndler bieten schon ab Mitte des Monats Rabatte an - teilweise als Vorab-Deals bezeichnet. Dies zielt darauf ab, dass Kunden KĂ€ufe vorziehen. Andernorts gelten die Angebote erst in der letzten November-Woche - obwohl der Black Friday bereits seit lĂ€ngerem beworben wird. FĂŒr Kunden könne das bisweilen unĂŒbersichtlich und verwirrend sein, sagt Marketingexperte Baetzgen. "Der Black Friday weitet sich zunehmend aus und verschiebt sich immer weiter nach vorn. Der ganze November wird zum Kassenschlager, das nimmt dem eigentlichen Freitag sein Momentum."
Wie gut sind die Rabatte?
Das Vergleichsportal Idealo hat dies fĂŒr 2024 analysiert. DafĂŒr wurden die Preise von rund 10.000 Produkten aus verschiedenen Kategorien untersucht. 73 Prozent waren rund um den Black Friday gĂŒnstiger als im Vormonat. Die durchschnittliche Ersparnis lag bei 7 Prozent. Besonders hoch waren die Rabatte bei Fernsehern (-17 Prozent) und Staubsaugern (-15 Prozent). Laut einer Idealo-Umfrage glauben knapp 70 Prozent der Verbraucher, dass HĂ€ndler vorab Preise anheben, um spĂ€tere Rabatte gröĂer erscheinen zu lassen.
Wie PwC-Experte Wulff berichtet, haben die Konsumenten ihre Erwartungen gesenkt. Ab 36 Prozent Reduzierung gilt ein Rabatt als gut. Im Vorjahr lag die Schwelle bei 50 Prozent.
Worauf mĂŒssen Kunden achten?
Die SchnĂ€ppchenjagd birgt laut Hirnforscher HĂ€usel Risiken. Oft schalte der Verstand ab. "Man muss gut ĂŒberlegen: Was brauche ich wirklich?" Verbraucher sollten vorab die Preise gewĂŒnschter Produkte kennen, um Rabatte einschĂ€tzen zu können. Und was tun bei spontanen Entdeckungen? Sein Tipp: "Zwei Stunden warten. Wenn du das Produkt dann immer noch haben willst, schlag zu."
VerbraucherschĂŒtzer empfehlen: Preise sollten ĂŒber mindestens zwei Suchmaschinen verglichen werden. Zudem solle man sich nicht von Countdown-Balken oder -Uhren unter Druck setzen lassen. Die Experten raten von Vorkasse ab. Gewarnt wird vor Fakeshops. Ein Blick in Impressum und Kundenbewertungen könne Sicherheit schaffen. Die Verbraucherzentrale bietet einen Fakeshop-Finder, um die SeriositĂ€t von Anbietern zu prĂŒfen.
Laut einer Schufa-Umfrage wurde gut jeder Vierte hierzulande schon Opfer von Online-Betrug. Vor Black Friday sollten KÀufer besonders wachsam sein. Rund um die Aktionstage entstehen dadurch neue GeschÀftsfelder. Versicherer werben mit Cyberversicherungen, die Schutz beim Online-Shopping und vor möglichen SchÀden bieten.
Wie wichtig ist der Black Friday fĂŒr den Handel?
Wichtig, allerdings ist der Höhepunkt womöglich ĂŒberschritten. Die Einnahmen könnten in diesem Jahr erstmals sinken. Der deutsche Einzelhandel rechnet rund um die Aktionstage mit 5,8 Milliarden Euro Umsatz - knapp zwei Prozent weniger als 2024. Die Prognose stĂŒtzt sich auf eine Verbraucherumfrage. Die schwache Konsumstimmung dĂ€mpfe die Erwartungen, heiĂt es vom Handelsverband Deutschland. Zum Vergleich: 2018 lagen die Erlöse bei 2,5 Milliarden Euro.
Viele HĂ€ndler sehen den Black Friday zwiespĂ€ltig. Um gute Rabatte zu geben, verzichteten die Unternehmen vielfach auf Gewinne, sagt Axel Augustin vom Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren. Der Verband rĂ€t FachhĂ€ndlern von der Teilnahme ab. Die meisten groĂen Ketten nehmen jedoch teil. "Der Druck ist zu groĂ. Rabatt ist wie eine Droge - fĂŒr HĂ€ndler und Kunden", sagt Augustin.

