Geplanter Pachtdeckel fĂŒr WindrĂ€der in der Kritik
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 07:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Verband AGDW - Die WaldeigentĂŒmer warnte, ein Pachtdeckel gefĂ€hrde den Ausbau der erneuerbaren Energien. "Ein Pachtdeckel wĂŒrde die notwendige Akzeptanz fĂŒr die Windkraftnutzung im lĂ€ndlichen Raum und damit den Ausbau der Windkraft an Land mindern", sagte AGDW-PrĂ€sident Andreas Bitter.
Zum Ausbau der erneuerbaren Energien gehöre insbesondere auch die weitere Nutzung der Windkraft ĂŒber dem Wald. "Dieser bietet an zahlreichen Standorten sehr gute Voraussetzungen fĂŒr die von der Politik angestrebte verstĂ€rkte Nutzung der Windkraft", so Bitter.
PlÀne der Bundesregierung
EigentĂŒmer von land- oder forstwirtschaftlichen FlĂ€chen können diese fĂŒr ein Windkraftprojekt verpachten und damit langfristige Einnahmen erzielen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) aber plant nun, die Pachterlöse auf 3,5 Prozent der jĂ€hrlichen Stromerlöse zu deckeln. Dies ist ein Bestandteil der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das derzeit im Bundestag beraten wird.
Zur BegrĂŒndung heiĂt es, bei der Windenergienutzung an Land böten die Pachtkosten erhebliches Potenzial zur Reduktion der EEG-Förderkosten und damit zur Entlastung des Bundeshaushalts. Daher solle die zulĂ€ssige Höhe der FlĂ€chenpachten fĂŒr im EEG geförderte, ausschreibungspflichtige Windenergieanlagen an Land begrenzt werden.
"Bundesregierung will in MĂ€rkte eingreifen"
Bitter kritisierte, die Bundesregierung wolle mit dem geplanten Pachtdeckel unverstĂ€ndlicherweise in gut funktionierende MĂ€rkte eingreifen. "Private und kommunale EigentĂŒmer, die FlĂ€chen fĂŒr den angestrebten Ausbau der erneuerbaren Energien bereitstellen, sollten als Akteure einer marktwirtschaftlich orientierten Energiewende ermutigt werden, statt ihnen Steine in den Weg zu legen."
Bitter verwies auch auf ein im Auftrag der WaldeigentĂŒmer erstelltes Gutachten des Verfassungsrechtlers Udo Di Fabio. Demnach greife der Pachtdeckel in die Eigentums-, Vertrags- und Berufsfreiheit ein und verstoĂe gegen den Grundsatz der VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeit.
Auch Zustimmung fĂŒr Deckel
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hatte die PlĂ€ne begrĂŒĂt. "Jeder Euro, der nicht in Pachtzahlungen flieĂt, entlastet den Bundeshaushalt und somit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler um Milliarden, ohne die Ausbauziele bei der Windenergie zu gefĂ€hrden", so VKU-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ingbert Liebing. "Gleichzeitig bleiben lukrative Pachteinnahmen fĂŒr FlĂ€cheneigentĂŒmer möglich und der Windkraftausbau attraktiv."
Ein Gutachten der Forschungsstelle fĂŒr Energiewirtschaft in MĂŒnchen im Auftrag des VKU zeige, dass sich durch einen Pachtdeckel gegenĂŒber einem Szenario mit bundesweiten Durchschnittspachten von 10 Prozent bis 2045 eine Entlastung von insgesamt rund 13 Milliarden Euro ergebe. Niedrigere Pachtzahlungen fĂŒhrten unmittelbar zu geringeren Projektkosten. Bei einem Pachtsatz von 3,5 Prozent betragen die Pachteinnahmen demnach durchschnittlich rund 32.000 Euro pro Jahr und Windrad.
