Gesundheitsministerium schickt Faxe in Rente und baut ePA aus
03.04.2026 - 02:39:33 | boerse-global.deDie Bundesregierung will das Gesundheitswesen mit einem neuen Digitalgesetz radikal modernisieren. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellte den Entwurf für ein „Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen“ vor. Kernpunkte sind ein striktes Fax-Verbot, eine verpflichtende digitale Terminbuchung ab 2028 und die flächendeckende E-Überweisung.
Der Plan kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Die Gesundheitsausgaben stiegen zuletzt auf einen Rekordwert von 579,5 Milliarden Euro. Die Digitalisierung soll das System effizienter machen und den Zugang für Patienten vereinfachen.
Während das Gesundheitswesen digitaler wird, verschärfen sich auch die gesetzlichen Anforderungen an den Schutz sensibler Daten und den Einsatz neuer Technologien. Dieser kostenlose Leitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über Fristen und Pflichten, die bereits jetzt für den rechtssicheren Umgang mit digitalen Systemen gelten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Die ePA wird zum digitalen Lotse
Aus der elektronischen Patientenakte (ePA) soll ein aktiver Begleiter werden. Ab Februar 2028 müssen die Apps der Krankenkassen eine digitale Terminbuchung bei Haus- und Fachärzten anbieten. Zusätzlich kommt ein standardisiertes Ersteinschätzungsverfahren.
Dieses Triage-System soll Patienten je nach Dringlichkeit steuern – zur Telemedizin, in die Praxis oder direkt zum Notdienst. Das Ziel: überlastete Praxis-Telefone entlasten und unnötige Wege vermeiden. Branchenexperten sehen darin den entscheidenden Schritt, die ePA vom Datenarchiv zum Service-Tool zu machen.
Fax ade, hallo E-Überweisung
Das Gesetz beerdigt endgültig die analoge Datenübermittlung. Ein Jahr nach Inkrafttreten ist das Versenden medizinischer Daten per Fax verboten, sofern digitale Wege verfügbar sind. Stattdessen wird die Kommunikation über die gesicherte Telematikinfrastruktur (TI) verpflichtend.
Parallel steigt die E-Überweisung zum Standard auf. Ab September 2029 müssen Vertragsärzte Überweisungen nur noch digital ausstellen und abrufen. Das soll Bürokratie abbauen und die Arzneimittelsicherheit erhöhen. Apotheken erhalten dafür mehr Zugriff auf die ePA, um Medikamenten-Wechselwirkungen prüfen zu können.
Digitale Brücke zur psychischen Gesundheit
Die Neuerungen könnten besonders im sensiblen Bereich der psychischen Gesundheit helfen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass über 40 Prozent der jungen Erwachsenen mit Hilfebedarf keine Therapie beginnen. Gründe sind oft die hohe Hemmschwelle beim Telefonat und die chaotische Terminsuche.
Die integrierte Buchung in der ePA und telemedizinische Angebote sollen diese Barriere senken. Ein digitaler Lotse mit anonymem Ersteinschätzungstool könnte den ersten Schritt zur Therapie erleichtern. Die Regierung plant daher, digitale Gesundheits-Apps (DiGA) stärker in die Versorgung einzubinden.
Wirtschaftlicher Druck treibt Transformation an
Die Rekordausgaben von 579 Milliarden Euro unterstreichen den Handlungsdruck. Analysten sehen in der Digitalisierung den einzigen Weg, steigende Kosten und Fachkräftemangel zu bewältigen.
Die Branche reagiert überwiegend positiv. TK-Chef Dr. Jens Baas begrüßte den Entwurf als Schritt zur besseren Versorgung nach dem Prinzip „digital vor ambulant vor stationär“. Er warnte aber vor kommerziellen Interessen bei der Terminvermittlung. Der Digitalverband Bitkom bestätigt den Trend: Bereits 64 Prozent der Deutschen buchen Termine digital.
Mit der zunehmenden Vernetzung im Gesundheitswesen steigen auch die Risiken durch Cyberkriminalität und die Notwendigkeit einer lückenlosen Dokumentation. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Praxis-Report, welche neuen rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen, um ihre digitale Infrastruktur abzusichern. Neue KI-Gesetze, neue Cyberrisiken: Was kommt wirklich auf Ihr Unternehmen zu?
Was kommt jetzt?
Der Referentenentwurf geht nun in die Ressortabstimmung. Die erste Lesung im Bundestag ist nach der Sommerpause 2026 geplant. Da der Bundesrat nicht zustimmen muss, könnte das Gesetz noch dieses Jahr verabschiedet werden.
Kritik kommt von einigen Ärztevertretern. Sie warnen vor einer überhasteten Umstellung und technischen Problemen. Das Ministerium hält am Zeitplan fest und verweist auf bereits erreichte Meilensteine wie die milliardenfache Nutzung der E-Rezepte. Für Patienten zeichnet sich ab: Das Smartphone wird in zwei Jahren zur wichtigsten Tür zum Arzt.
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