Gold, US-Erzeugerpreise

Gold: Ölrally bricht Marke

Veröffentlicht am: 16.07.2026 um 20:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz sinkender US-Erzeugerpreise belastet die Ölpreisrally den Goldmarkt und verstärkt Inflationssorgen.

Goldpreis fällt unter 4.000 Dollar: Ölrally bremst Erholung
Ein Goldbarren, der von einer Welle aus dunklem Öl überspült wird, vor einem Hintergrund, der fallende Marktcharts andeutet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Rückgang der US-Erzeugerpreise hätte eigentlich Rückenwind für Gold bedeuten sollen. Stattdessen rutschte der Goldpreis am Donnerstag unter die runde Marke von 4.000 Dollar je Feinunze und notierte am Nachmittag bei rund 3.993 Dollar, etwa 67 Dollar niedriger als am Vortag. Der Grund: Eine Ölpreisrally lässt die Inflationssorgen schneller wachsen, als gute Preisdaten sie dämpfen können.

Gute Inflationsdaten verpuffen gegen Ölpreisschub

Die US-Erzeugerpreise für Juni fielen um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat – der Markt hatte mit stagnierenden Preisen gerechnet. Eigentlich ein Signal für nachlassenden Preisdruck, das der Federal Reserve mehr Spielraum für Zinssenkungen verschaffen und Gold als zinslosen Vermögenswert attraktiver machen würde. Die Wirkung verpuffte jedoch, weil Rohöl bereits die vierte Handelssitzung in Folge zulegt.

Auslöser ist die Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Washington setzt nach eigenen Angaben bereits den fünften Tag in Folge Angriffe auf iranische Ziele fort, US-Präsident Trump kündigte an, die Militäroperationen fortzusetzen, bis Teheran die Angriffe auf die Handelsschifffahrt einstellt und die Straße von Hormus wieder öffnet. Steigende Energiekosten nähren die Sorge, dass sich der Preisdruck erneut verstärkt – und schränken damit den Handlungsspielraum der Notenbank ein.

Fed bleibt trotz besserer Daten wachsam

Fed-Chef Kevin Warsh bekräftigte in seiner Kongressanhörung, dass die Notenbank am Inflationsziel von 2 Prozent festhält und bereit wäre, die Zinsen anzupassen, sollte sich der Preisdruck als hartnäckiger erweisen. Fed-Gouverneurin Lisa Cook signalisierte, weitere geldpolitische Schritte zu unterstützen, falls die Inflation erhöht bleibt. New Yorks Fed-Präsident John Williams stufte die aktuellen Zinsen dagegen als angemessen positioniert ein, um die Inflation zum Zielwert zurückzuführen.

Bemerkenswert ist, dass Gold trotz der Aussicht auf länger hohe Zinsen nicht vollständig einbricht. Die Nachfrage nach dem Edelmetall als Absicherung gegen die geopolitische Eskalation im Nahen Osten wirkt dem Gegenwind von der Zinsseite offenbar entgegen. Aus Sicht der australischen Bank ANZ hängt die weitere Reaktion der Fed davon ab, ob die Notenbank den Energiepreisanstieg als vorübergehenden Angebotsschock einstuft oder als Entwicklung, die auf die breite Inflation überschwappen könnte.

Am gestrigen Mittwoch passierten nach der erneuten US-Seeblockade nur noch sieben Schiffe die Straße von Hormus, nach 13 am Vortag. Zusätzlich signalisierte der Iran, seine verbündeten Huthi-Milizen im Jemen einsetzen zu können, um auch die Meerenge Bab al-Mandab zu blockieren. Ob sich die Ölpreisrally über die kommenden Handelstage fortsetzt, dürfte darüber entscheiden, welche Lesart sich in der Fed durchsetzt – und wie schnell Gold zurück über die 4.000-Dollar-Marke findet.

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