Gold: Sicherer Hafen im Kriegsmodus
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 19:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein stärkerer Dollar, steigende Anleiherenditen und trotzdem ein Kurssprung — bei Gold passt das eigentlich nicht zusammen. Genau das ist am Mittwoch passiert. Der Nahost-Konflikt treibt Anleger zurück in den sicheren Hafen, ganz gleich, was die üblichen Gegenspieler des Edelmetalls gerade tun.
Eine Feinunze kostete in London zeitweise 4.141 US-Dollar, der höchste Stand seit dem 7. Juli. Zuletzt notierte Gold bei rund 4.115 Dollar, ein Plus von 36 Dollar gegenüber dem Vortag. Damit knüpft der Preis an die Gewinne der vergangenen Tage an.
Krieg treibt Öl und Gold gleichzeitig nach oben
Auslöser bleibt die Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben erneut Ziele im Iran angegriffen — die elfte Nacht in Folge, in der Washington die Islamische Republik attackiert. Die Kämpfe entlang wichtiger Öl-Transportrouten wie der Straße von Hormus und dem Roten Meer bleiben ein zentraler Unsicherheitsfaktor für die Märkte.
Normalerweise wirken steigende Ölpreise wie ein Bremsklotz für Gold, weil sie Inflationssorgen und damit Zinserhöhungserwartungen schüren. Diesmal überwiegt jedoch die Hoffnung, dass diplomatische Kanäle offen bleiben und sich die Spannungen doch noch entschärfen lassen. Die 4.000-Dollar-Marke gilt als Unterstützung — ein Rutsch darunter dürfte nach Einschätzung von Marktbeobachtern schnell neue Käufer anziehen.
Im Blick der Anleger steht zudem die nächste Fed-Sitzung. Die Notenbank dürfte die Zinsen zwar unverändert lassen, könnte aber angesichts energiegetriebener Inflationsrisiken an ihrer restriktiven Rhetorik festhalten.
UBS sieht in Rücksetzern eine Einstiegschance
Die UBS bewertet mögliche Kursrückgänge nicht als Warnsignal, sondern als Kaufgelegenheit. Die Bank nennt ein Einstiegsniveau in Richtung 3.850 Dollar je Unze, deutlich unter dem aktuellen Kurs. Kurzfristig sieht sie den Preis durch falkenhafte Signale der Fed und steigende Anleiherenditen unter Druck.
Entscheidend für eine nachhaltige Erholung ist laut UBS die private Anlegernachfrage. Notenbanken kaufen zwar weiter kräftig — die Bank rechnet für 2026 mit Käufen von 750 bis 1.000 Tonnen —, das allein reiche aber nicht, um den Preis nach oben zu treiben. Nötig wäre eine Anlegernachfrage von etwa 500 Tonnen pro Quartal, was ein schwächeres US-Wachstumsnarrativ oder ein stagflationsähnliches Umfeld voraussetzt.
Langfristig bleibt die Bank optimistisch. Strukturelle Schuldenprobleme und ein nach ihrer Einschätzung überbewerteter Dollar sprechen für Gold als Depotbaustein mit Generationenhorizont. Ob der aktuelle Rücksetzer tatsächlich zur Einstiegschance wird, entscheidet sich an den kommenden Zuflussdaten in Gold-Produkte und der Zinsrhetorik der Fed in der kommenden Woche.
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