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Goldman Sachs setzt auf autonome KI-Agenten für Compliance und Buchhaltung

09.02.2026 - 21:05:12

Goldman Sachs führt autonome KI-Systeme für Kernprozesse wie Kundenaufnahme und Handelsabrechnung ein. Die Partnerschaft mit Anthropic markiert einen strategischen Wendepunkt für die Finanzbranche.

Goldman Sachs ersetzt in Kernbereichen menschliche Arbeit durch künstliche Intelligenz – ein Wendepunkt für die Finanzbranche. In einer tiefgreifenden Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Anthropic hat die Wall-Street-Elitebank autonome KI-Agenten entwickelt, die nun kritische Aufgaben in Compliance und Rechnungswesen übernehmen. Diese „digitalen Kollegen“ automatisieren hochkomplexe Prozesse wie den Kundenneuaufnahme und die Handelsabrechnung, die bisher Automatisierungsversuchen widerstanden. Es ist der bislang deutlichste Schritt, KI von einem Experimentierfeld zum Herzstück des Finanzgeschäfts zu machen.

Vom Code-Assistenten zum autonomen Mitarbeiter

Die Reise begann mit KI-Hilfen für Softwareentwickler. Doch die Bankführung, darunter CIO Marco Argenti, erkannte schnell, dass die schlussfolgernden Fähigkeiten der KI weit über das reine Programmieren hinausgingen. Diese Einsicht führte zu der strategischen Entscheidung, die Technologie in den streng regulierten Kernprozessen einzusetzen.

In einer sechsmonatigen Kooperation arbeiteten Anthropic-Ingenieure Seite an Seite mit den Technologie-Teams von Goldman Sachs. Das Ziel: maßgeschneiderte KI-Agenten zu entwickeln, die das komplexe Geflecht aus Finanzvorschriften und internen Kontrollen sicher navigieren können. Herausgekommen sind keine bloßen Tools, sondern eigenständig arbeitende Einheiten, die in die operativen Teams integriert werden.

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Der Angriff auf die Bürokratie-Bastionen

Die ersten Einsatzgebiete der Agenten sind die arbeitsintensivsten und schwer zu automatisierenden Bereiche im Bankgeschäft:
* Handelsabrechnung und -abstimmung: Die KI prüft Millionen von Transaktionen, gleicht Datensätze ab und markiert Unstimmigkeiten – und verringert so das Risiko von Abwicklungsverzögerungen.
* Kundenneuaufnahme und -prüfung: Der Prozess, der traditionell Tage dauerte, wird dramatisch beschleunigt. Die Agenten validieren Informationen und wenden KYC– und AML-Vorschriften konsistent an.

Grundlage sind leistungsstarke Modelle wie Claude Opus 4.6, die mit ihrem großen Kontextfenster komplexe Finanzdokumente in Echtzeit analysieren können. Interne Tests zeigen bereits messbare Erfolge: Die Produktivität der Entwickler stieg um über 20 %, und die Dauer der Kundenaufnahme sank um 30 %.

Strategie: Effizienz statt Massenentlassungen

Die Technologie-Offensive ist die konkrete Umsetzung einer mehrjährigen Strategie von CEO David Solomon. Er sieht generative KI als zentralen Hebel, um das Personalwachstum zu kontrollieren und interne Abläufe zu straffen.

Doch das primäre Ziel sind nicht sofortige, große Stellenstreichungen unter den Tausenden Mitarbeitern in Compliance und Buchhaltung. Vielmehr soll die Belegschaft entlastet und die wachsende Arbeitslast effizienter bewältigt werden. Die Bank spricht von „eingespritzter Kapazität“, um mit Rekord-Handelsvolumina umgehen zu können, ohne die Mitarbeiterzahl proportional zu erhöhen. Langfristig könnte die Reife der KI jedoch die Abhängigkeit von externen Dienstleistern verringern.

Ein Präzedenzfall für die gesamte Finanzwelt

Die Entscheidung von Goldman Sachs ist ein Wendepunkt. Sie beweist, dass agentische KI auch in hochregulierten Umgebungen wirtschaftlich sinnvoll einsetzbar ist. Dieser Präzedenzfall wird andere Großbanken unter Zug setzen, ihre eigenen KI-Initiativen zu beschleunigen.

Die Branche ist bereits in Aufruhr: Investoren sorgen sich, dass spezialisierte Software-Anbieter disruptiert werden könnten, wenn Großfirmen ihre Lösungen lieber mit Partnern wie Anthropic selbst bauen. Ein Trend zeichnet sich ab: Laut einem Bericht vom Dezember 2025 setzten bereits 45 % der Finanzvorstände KI in Bereichen wie Compliance-Überwachung ein – die höchste Durchdringung in allen Finanzdomänen. Goldman Sachs geht nun den nächsten Schritt von der KI-Unterstützung zur KI-Autonomie.

Was kommt als Nächstes?

Mit dem für „bald“ erwarteten Start wird die Branche die Leistung und Zuverlässigkeit der KI in diesen sensiblen Rollen genau beobachten. Die Anwendungen könnten sich weiter ausdehnen – von der Erstellung von Investmentbanking-Präsentationen bis hin zu Analysen interner Prozesse.

Der Erfolg dieser Einführung könnte die operative Architektur der globalen Finanzwelt neu definieren. Die Ära statischer Softwaresysteme könnte dynamischen, KI-gesteuerten Workflows weichen. Damit rücken jedoch auch Fragen der Governance, des Risikomanagements und der künftigen KI-Regulierung im Finanzsektor in den Fokus. Goldman Sachs vollzieht hier nicht nur ein Technologie-Upgrade, sondern stellt grundlegend infrage, wie eine globale Bank im Zeitalter der KI operieren soll.

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