Google muss Android für KI-Konkurrenz öffnen
28.01.2026 - 06:00:12Die EU-Kommission setzt Google eine Frist von sechs Monaten. Der Konzern muss sein mobiles Betriebssystem Android für konkurrierende KI-Dienste öffnen. Diese Entscheidung markiert eine deutliche Verschärfung der Aufsicht nach dem neuen Digital Markets Act (DMA).
Ziel ist ein „offenes und faires Spielfeld“ für künstliche Intelligenz. Google muss zwei zentrale Forderungen umsetzen:
* Gleicher Hardware-Zugang: Drittanbieter von KI-Apps sollen denselben tiefen Zugriff auf Android-Funktionen erhalten wie Googles eigener Assistent Gemini.
* Daten-Freigabe: Konkurrierende Suchmaschinen und KI-Chatbots bekommen Zugang zu anonymisierten Suchdaten von Google.
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Bei Verstößen drohen dem Tech-Riesen Strafen von bis zu zehn Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes.
Die Wettbewerbshüter in Brüssel fürchten eine dauerhafte Marktverzerrung. Android dominiert den globalen Smartphone-Markt. Nutzt Google diese Stellung, um eigene KI-Dienste zu bevorzugen, hätten Wettbewerber kaum eine Chance.
Besonders brisant: KI-Anwendungen werden zum neuen zentralen Interface für die Informationssuche. Die EU will verhindern, dass Google seine heutige Suchdominanz einfach in das KI-Zeitalter überträgt. Die Maßnahmen basieren direkt auf den Verpflichtungen des DMA für sogenannte „Gatekeeper“-Plattformen.
Daten als neuer Zankapfel
Die zweite große Forderung trifft Google an einer neuralgischen Stelle: seinem Datenschatz. Damit alternative Suchmaschinen und KI-Chatbots konkurrenzfähige Antworten liefern können, brauchen sie Trainingsdaten. Künftig sollen sie unter fairen Bedingungen auf anonymisierte Google-Daten zugreifen können.
Die Kommission prüft derzeit den genauen Umfang und die technische Umsetzung. Die große Frage: Wie lässt sich der Datenschutz der Nutzer gewährleisten, während gleichzeitig nutzbare Datensätze bereitgestellt werden?
Ein Testfall für den Digital Markets Act
Das Verfahren gegen Google ist kein Einzelfall. Es zeigt, wie die EU ihre neuen Digitalgesetze als scharfes Schwert gegen die Marktmacht von Tech-Giganten einsetzt. Die aktuellen „Präzisierungsverfahren“ sollen Google helfen, seine DMA-Pflichten zu verstehen – sie sind die letzte Warnung vor formellen Ermittlungen.
Google selbst sieht Risiken. Das Unternehmen argumentiert, die geforderten Änderungen könnten die Privatsphäre der Nutzer und die Systemsicherheit von Android gefährden. Technisch ist die tiefgreifende Öffnung eine enorme Herausforderung.
Sechs Monate für die Zukunft der KI
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Google muss der Kommission innerhalb von drei Monaten erste Lösungsvorschläge unterbreiten. Findet Brüssel diese nicht ausreichend, folgen harte Strafen.
Der Ausgang des Verfahrens könnte zum Präzedenzfall für die globale KI-Regulierung werden. Für Verbraucher verspricht die EU-Initiative langfristig mehr Auswahl an innovativen KI-Diensten. Für kleinere Entwickler und Start-ups geht es um nichts Geringeres als die Chance, im Wettbewerb mit den Tech-Giganten zu bestehen.
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