Google, Millionen

Google zahlt 68 Millionen Euro nach heimlichen Aufnahmen

28.01.2026 - 17:04:12

Google einigt sich auf 68 Millionen Euro, um eine Sammelklage zu beenden, die das unerlaubte Mitschneiden privater Gespräche durch Sprachassistenten zum Vorwurf hat.

Google einigt sich auf eine Rekordsumme, um eine Sammelklage zu beenden. Der Vorwurf: Der Google Assistant soll private Gespräche ohne Befehl aufgezeichnet haben.

Die Einigung, die noch von einem Bundesrichter abgesegnet werden muss, markiert einen Wendepunkt im Dauerkonflikt zwischen Datensammlung und Privatsphäre. Nutzer hatten geklagt, dass ihre Android-Smartphones und Smart-Lautsprecher sensible Unterhaltungen mitschneiden – ohne das Aktivierungswort „Hey Google“. Das betroffene Gerätespektrum ist riesig.

„Falsche Aktivierungen“ als Kern des Skandals

Im Zentrum der Klage steht das Phänomen der „False Accepts“ oder falschen Aktivierungen. Dabei interpretiert die KI alltägliche Geräusche oder Gesprächsfetzen fälschlich als Aktivierungsbefehl und beginnt mit der Aufzeichnung. Laut Klägern wurden so intime Details aus Schlafzimmern, Finanzgespräche und berufliche Telefonate erfasst.

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Die Vorwürfe gewannen 2019 an Fahrt, als ein Whistleblower einem belgischen Sender Tausende solcher Audio-Clips zugespielt hatte. Google räumte damals ein, dass solche Fehlaktivierungen technisch möglich seien. Die Kläger zogen daraus eine klare Linie: Sie diskutierten privat über ein Produkt und sahen kurz darauf passende Werbung. Ein Zufall?

So funktioniert die Millionen-Entschädigung

Die vorläufige Einigung über 68 Millionen Euro wurde am 23. Januar 2026 in San Jose eingereicht. Richterin Beth Labson Freeman muss sie noch absegnen. Das Geld fließt in einen Fonds für betroffene Verbraucher und deckt Anwaltskosten. Die Anwälte der Klägerseite können bis zu ein Drittel der Summe, etwa 22,7 Millionen Euro, für ihre Gebühren beantragen.

Anspruch haben alle Personen in den USA, die seit Mai 2016 ein Google-Gerät besaßen und von falschen Aktivierungen betroffen waren. Die Liste reicht von Pixel-Smartphones über Google Home- und Nest-Lautsprecher bis zu Tablets und Kopfhörern. Die Auszahlung pro Person hängt von der Anzahl der gültigen Anträge ab. Jeder kann für maximal drei Geräte Ansprüche anmelden.

Big Tech in der Privacy-Falle: Ein Muster wiederholt sich

Der Fall ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters. Ende 2024 einigte sich Apple auf 95 Millionen Dollar in einer fast identischen Sammelklage gegen den Siri-Assistenten. Die Auszahlungen dort laufen seit Anfang 2026.

Die Botschaft ist klar: Der Drang zur KI-Innovation stößt an Grenzen des Grundrechts auf Privatsphäre. Sprachassistenten brauchen Daten, um besser zu werden. Doch die Methoden der Sammlung stehen auf dem Prüfstand. Die juristischen Niederlagen zwingen die Tech-Riesen zu mehr Transparenz und schärferen Datenschutzprotokollen. Verbraucher sind heute sensibilisierter, Gerichte urteilen härter.

Was kommt jetzt? Gericht und Regulierung

Nächster Schritt ist die Anhörung zur endgültigen Genehmigung der Vergleichssumme. Wird sie bewilligt, startet der Verteilungsprozess. Für einzelne Nutzer mag der Betrag klein ausfallen. Für Google ist es eine teure Lektion in Vertrauensverlust.

Langfristig befeuert der Fall die Debatte um KI-Regulierung. Datenschützer und Aufsichtsbehörden dürften ihren Druck für strengere Regeln zur Sammlung und Nutzung von Sprachdaten erhöhen. Für Verbraucher ist es eine Erinnerung: Die Bequemlichkeit der Sprachsteuerung hat ihren Preis. Die Einstellungen zur Privatsphäre lohnen einen zweiten Blick. Für Google und seine Konkurrenten wird Vertrauen durch Transparenz zur Überlebensfrage – in einer Welt, in der die Assistenten immer allgegenwärtiger werden.

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