Aus Pipeline schieĂen 200.000 Liter Ăl - Sorge um die Umwelt
11.12.2025 - 15:38:06(neu: Details.)
GRAMZOW (dpa-AFX) - Es ist einer der gröĂten Ăl-UnfĂ€lle der vergangenen Jahre: Mindestens 200.000 Liter sind aus einer Pipeline im Nordosten Brandenburgs in einer bis zu 20 Meter hohen FontĂ€ne herausgeschossen. Erst nach Stunden konnte das Leck nahe Gramzow in der Uckermark abgeriegelt werden. Mehr als zwei Hektar Acker wurden mit Ăl bespritzt, wie Landesumweltministerin Hanka MittelstĂ€dt (SPD) am Mittag am UnglĂŒcksort berichtete. Das entspricht ungefĂ€hr zwei FuĂballfeldern. Die Versorgung von Berlin und Brandenburg mit Kraftstoffen und Heizöl ist jedoch nicht gefĂ€hrdet.
Die 200 Kilometer lange Leitung vom Hafen Rostock nach Schwedt ist seit 2023 eine zentrale Versorgungsader fĂŒr die Raffinerie PCK, die weite Teile des Nordostens und Berlins mit Sprit, Heizöl und Kerosin versorgt. Die Firma versicherte, die Produktion sei gesichert, weil es ausreichend eingelagerte ĂlvorrĂ€te gebe. Auch kommt auf anderen Wegen Ăl zur Raffinerie.
Pumpwagen und Ălsperren
Am Abend und Morgen waren Pumpwagen im Einsatz, die Ăl absaugten, das teilweise in PfĂŒtzen auf dem Boden stand. Etwa 100 Feuerwehrleute und 25 Mitarbeiter der Raffinerie PCK waren zwischenzeitlich im Einsatz. Zudem legte die Feuerwehr Ăl-Sperren aus, um ein AbflieĂen in die Welse zu verhindern, einen Nebenfluss der Oder. Als NĂ€chstes soll noch verschmutztes Erdreich abgetragen werden.
Der UnglĂŒcksort liegt nur 30 Kilometer entfernt vom Nationalpark Unteres Odertal, der auf 10.000 Hektar Lebensraum bietet fĂŒr viele seltene und geschĂŒtzte Pflanzen und Tiere - unter anderem Fischotter, Trauerseeschwalbe, Rohrdommel oder Wachtelkönig. Auch viele Touristen sind in dem dĂŒnn besiedelten Gebiet unterwegs.
Pipeline-Unfall geschah vor geplantem Test
Die PCK-Raffinerie nannte als Ursache "vorbereitende Arbeiten fĂŒr einen geplanten Sicherheitstest". Eine absichtliche Fremdeinwirkung könne ausgeschlossen werden. PCK stelle "alle notwendigen Mittel und Ressourcen bereit" und habe Fachfirmen zur UnterstĂŒtzung angefordert.
Der Sprecher der GeschĂ€ftsfĂŒhrung, Ralf Schairer, Ă€uĂerte sein Bedauern und sagte am UnglĂŒcksort, man komme fĂŒr den Schaden auf. Die Pipeline an sich sei nicht kaputt. Er erwarte, dass sie in den nĂ€chsten ein, zwei Tagen wieder in Betrieb genommen werde.
Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern berichtete, konkret hÀtten sich zwei Sicherungsbolzen an der Schieberstation in Gramzow, wo der Durchfluss geregelt werden kann, aus bislang ungeklÀrter Ursache gelöst.
UmweltschĂŒtzer warnen vor Folgen fĂŒrs Wasser
Die Umweltorganisation WWF Ă€uĂerte sich besorgt. "Ăl enthĂ€lt lösliche Stoffe, die sich in sandigen Böden wie der Uckermark schnell und unkontrolliert ausbreiten und letztendlich in die gebeutelte Oder beziehungsweise Ostsee gelangen", sagte Finn Viehberg, Leiter des WWF-OstseebĂŒros. Er warnte: "Die Grundwasser- und Bodenbelastung wird uns noch Jahre beschĂ€ftigen - mit Folgen fĂŒr Landwirtschaft und Trinkwasser." Jeder Tropfen, der unkontrolliert in die Umwelt gelangt, sei ein Tropfen zu viel. "Es ist Zeit, aus der Logik der Risikobereitschaft auszubrechen", forderte er.
Zu einer möglichen Verunreinigung des Bodens und des Grundwassers sagte der Schwedter Feuerwehr-Abteilungsleiter Alexander Trenn noch am Abend, glĂŒcklicherweise sei der umliegende Ackerboden sehr nass vom Regen, sodass das Ăl, das leichter als Wasser sei, quasi darauf schwimme und wohl nicht tief ins Erdreich eingedrungen sei. Daher sei eine weitgehende Verunreinigung des Grundwassers zunĂ€chst unwahrscheinlich.
Unter Treuhandverwaltung des Bundes
PCK gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine entschied die damalige Bundesregierung aber, die Töchter unter Treuhandverwaltung zu stellen.
Die Raffinerie in der Uckermark hatte fast 60 Jahre lang nur russisches Ăl ĂŒber die "Druschba"-Pipeline bezogen. Doch damit ist wegen der Sanktionen gegen Russland seit Anfang 2023 Schluss. Andere Bezugsquellen fĂŒr Ăl wurden gefunden, um die Auslastung der Raffinerie stabil zu halten. Von da an wurde auch der Betrieb der nun vom Unfall betroffenen Ăl-Pipeline von Rostock nach Schwedt hochgefahren. Vor 2023 lief sie nicht unter Volllast.
Offen ist seit langem, ob und wann die Pipeline vom Hafen Rostock nach Schwedt mit Millionen des Bundes ausgebaut werden kann. Bislang fehlt das EinverstĂ€ndnis der EU, von einer HĂ€ngepartie war oft die Rede. Die Bundesregierung will die ErtĂŒchtigung der Pipeline nach bisherigem Stand mit 400 Millionen Euro fördern.

