AUSBLICK, Dax

AUSBLICK 2026: Dax zwischen Wirtschaftshoffnung und geopolitischen Risiken

08.01.2026 - 14:05:00

Gute Stimmung am deutschen und europĂ€ischen Aktienmarkt: Gleich zum Start ins neue Jahr gelangen dem Dax DE0008469008 und seinem Eurozonen-Pendant EuroStoxx 50 EU0009658145 SprĂŒnge auf Rekordhochs; der Dax notierte erstmals ĂŒber der Marke von 25.000 Punkten.

Der starke Lauf des Vorjahres - Dax plus 23 Prozent, EuroStoxx plus 18 Prozent - scheint sich nahtlos fortzusetzen. Investoren setzen auf eine Belebung der deutschen und damit auch der europĂ€ischen Wirtschaft. Ganz ohne RĂŒckenwind aus Übersee wird es aber nicht gehen. Und genau darin liegen mögliche Stolpersteine. Auch sollten Anleger mögliche negative Überraschungen durch die politischen Krisenherde weltweit nicht ausblenden.

"Geopolitisch bleibt die Lage angespannt, an den FinanzmĂ€rkten jedoch herrscht demonstrative Gelassenheit", bringen es die Experten des Börsendienstes Index-Radar auf den Punkt. WĂ€hrend politische Risiken Schlagzeilen fĂŒllten, kletterten die Indizes auf Bestmarken. "Drei KrĂ€fte treiben unserer Meinung nach die Kauflaune - Technologie, RĂŒstung und ein Ölmarkt, der, um die Ecke gedacht, der Geldpolitik mehr Möglichkeiten bietet."

Denn: sollte die in großen Teilen darniederliegende Ölindustrie des sĂŒdamerikanischen Staates Venezuela wiederbelebt werden, könnten die Ölpreise weiter sinken. Das könnte auch die Inflation verringern, da Öl der Grundstoff fĂŒr viele Produkte ist. Notenbanken wie die US-amerikanische Fed und die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) hĂ€tten somit mehr Spielraum fĂŒr weitere Zinssenkungen.

Mit Blick auf die USA rechnen Experten fĂŒr den Jahresverlauf ohnehin mit weiteren Zinssenkungen, wĂ€hrend die EZB vorerst am Ziel sein sollte. Die eher niedrigen Zinsen, mit denen die Eurozone in das mit Konjunkturhoffnungen verbundene Jahr 2026 geht, kommen der öffentlichen Hand und Unternehmen zugute.

Eine SchlĂŒsselrolle spielt in diesem Umfeld die Wirtschaftspolitik der deutschen Bundesregierung, erklĂ€rt Robin Winkler, Chefvolkswirt Deutschland bei Deutsche Bank Research. "Die Zinssenkungen der EZB sind abgeschlossen und die Geldpolitik wird keine zusĂ€tzlichen expansiven Impulse mehr setzen. Das Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und KlimaneutralitĂ€t muss zielgerichtet eingesetzt werden, um langfristige Wachstumseffekte zu erzielen." Gleichwohl sei nach Jahren der Stagnation 2026 eine Erholung der deutschen Wirtschaft in Sicht.

In das gleiche Horn stĂ¶ĂŸt Aktienmarktstratege Mislav Matejka von der Bank JPMorgan. Nach der Atempause an Europas Börsen zum Jahresende 2025 hin, blickt er positiv auf das erste Halbjahr. Die deutschen Konjunkturstimuli dĂŒrften zunehmend Wirkung zeigen. Nicht auf dem Schirm habe manch ein Investor zudem Zweitrundeneffekte einer Belebung der chinesischen Wirtschaft fĂŒr europĂ€ische Unternehmen, von denen nicht nur die Bergbaukonzerne profitieren dĂŒrften.

FĂŒr RĂŒckenwind könnte auch ein Waffenstillstand in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgen, so Matejka weiter. Ein solcher Weg hin zu einem Ende des Krieges wĂŒrde die Energiepreise sinken lassen und die allgemeine Stimmung fĂŒr Aktien verbessern. Viele Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf einen Wiederaufbau der zerstörten ukrainischen Infrastruktur und vieler StĂ€dte und Dörfer. Bauunternehmen, Hersteller von Baustoffen und Energietechnik etwa wĂ€ren Nutznießer.

Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank gibt sich denn auch grundsĂ€tzlich zuversichtlich, mahnt aber auch, die Risiken nicht auszublenden. Der aktuelle Umbau der Weltwirtschaft setzte enorme Investitionen in Gang. "Das reicht von den staatlichen Infrastrukturprogrammen bis hin zum neuen weltweiten Technologiewettlauf um die beste KĂŒnstliche Intelligenz (KI)." Das erzeuge Innovationen, Wachstum und höhere Unternehmensgewinne, "die neuen geopolitischen RivalitĂ€ten können aber andererseits auch schnell zu Stolpersteinen fĂŒr die Weltwirtschaft werden."

Dabei reicht die Liste der Risiken laut Kater von weiteren militÀrischen Konflikten bis zu einer ausufernden Kreditvergabe an Technologiefirmen. "Sollte eines dieser Risiken wirklich wieder einmal die Lieferketten oder die Nachfrage der Konsumenten unterbrechen, werden AktienmÀrkte auch wieder nach unten schwanken."

Wie anfĂ€llig die globalen Lieferketten sind, hatte erst unlĂ€ngst der Streit um die Versorgung mit Seltenen Erden gezeigt. China nutzt seine dominierende Stellung beim Abbau dieser fĂŒr moderne Technologien wichtigen Rohstoffe in den Handelsstreitigkeiten mit den USA und der EU immer wieder als Druckmittel. Und auch die US-Zollpolitik unter PrĂ€sident Donald Trump dĂŒrfte erratisch bleiben.

Zudem könnte China die Gangart in puncto Taiwan verschĂ€rfen, was zu einer Eskalation des Konfliktes mit den USA fĂŒhren wĂŒrde. Dann wĂ€ren auch fĂŒr europĂ€ische Unternehmen globale Lieferketten bedroht. So hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in seiner Neujahrsansprache den Anspruch auf eine Wiedervereinigung mit Taiwan bekrĂ€ftigt.

FĂŒr Unruhe sorgt zudem auch die USA mit den von Trump angemeldeten BesitzansprĂŒchen fĂŒr die rohstoffreiche und zu DĂ€nemark gehörende Arktisinsel Grönland. Die EU sowie zahlreiche europĂ€ische Staaten kritisieren das Ansinnen der US-Regierung. Trump hatte zeitweise von einem Kauf Grönlands gesprochen, aber auch den Einsatz des US-MilitĂ€rs nicht ausgeschlossen.

Bei allem Optimismus in Sachen KĂŒnstliche Intelligenz (KI), Robotik und Umbau der Weltwirtschaft sollten Anleger sich also auch 2026 auf grĂ¶ĂŸere Schwankungen am Aktienmarkt einstellen. Alles in allem sind Experten in Summe aber zuversichtlich fĂŒr das laufende Jahr. Laut aktuellen Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg sehen die Strategen großer Banken und InvestmenthĂ€user den Dax Ende 2026 im Durchschnitt bei 26.350 Punkten, fĂŒr den marktbreiten Stoxx Europe 600 liegt der Mittelwert bei 620 Punkten. Das wĂ€ren - ausgehend von den aktuellen StĂ€nden - ZuwĂ€chse von rund fĂŒnf Prozent beziehungsweise rund drei Prozent./mis/ck/zb

--- Von Michael Schilling, dpa-AFX ---

@ dpa.de

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