Handel, Logistik

Handel und Logistik: BetriebsrÀte im Spannungsfeld zwischen Tarifrunde und KI

12.03.2026 - 00:00:19 | boerse-global.de

Deutsche BetriebsrĂ€te im Handel stehen 2026 vor einer doppelten Herausforderung: Tarifverhandlungen fĂŒr Millionen BeschĂ€ftigte und die Mitgestaltung des technologischen Wandels durch KI und Automatisierung.

Handel und Logistik: BetriebsrĂ€te im Spannungsfeld zwischen Tarifrunde und KI - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Handel und Logistik: BetriebsrĂ€te im Spannungsfeld zwischen Tarifrunde und KI - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Deutsche BetriebsrĂ€te im Handel und in der Logistik stehen 2026 vor einer doppelten Herausforderung. WĂ€hrend sie sich auf eine große Tarifrunde vorbereiten, mĂŒssen sie gleichzeitig den rasanten technologischen Wandel mitgestalten. Fachsymposien im Herbst sollen sie dafĂŒr wappnen.

Die Weichen fĂŒr Millionen BeschĂ€ftigte werden dieses Jahr gestellt. Experten sind sich einig: Die Ergebnisse der Tarifverhandlungen und die Strategien aus den kommenden Fachkonferenzen werden die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel maßgeblich prĂ€gen.

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Ver.di startet Tarifrunde 2026 mit klaren Forderungen

Die unmittelbarste Aufgabe ist die anstehende Tarifrunde. Ende Februar 2026 startete die Gewerkschaft ver.di die Koordinierungsphase fĂŒr die Verhandlungen im Handel. Sie betreffen bundesweit etwa 5,2 Millionen BeschĂ€ftigte – 3,4 Millionen im Einzelhandel und 1,8 Millionen im Groß- und Außenhandel.

Die Verhandlungen beginnen Ende April 2026 in mehreren BundeslĂ€ndern, darunter Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Silke Zimmer, ver.di-Bundesvorstand fĂŒr den Handel, betont: Die Forderungen zielen auf spĂŒrbare Reallohnsteigerungen, die die aktuelle Inflation klar ĂŒbertreffen.

Der Druck fĂŒr höhere Löhne kommt nicht von ungefĂ€hr. Laut Gewerkschaftsdaten liegen die durchschnittlichen Bruttoverdienste im Handel deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Zudem bereitet die hohe Quote unfreiwilliger Teilzeit Arbeitnehmervertretern Sorgen. Fast 40 Prozent der BeschĂ€ftigten arbeiten in Teilzeit, oft in Minijobs – das gefĂ€hrdet ihre langfristige finanzielle Absicherung.

Die Arbeitgeber signalisieren bereits Widerstand. Stefan Genth, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsverbands Deutschland (HDE), warnt vor hohen Lohnforderungen angesichts stagnierender UmsĂ€tze und steigender Kosten. Überzogene Lohnkosten könnten Jobs gefĂ€hrden. Es zeichnen sich harte Verhandlungen ab, in denen BetriebsrĂ€te eine SchlĂŒsselrolle bei der Mobilisierung der Belegschaften spielen.

BGHW-Symposium in Dresden: Sicherheit im Wandel

Neben wirtschaftlichen Fragen bleibt das körperliche und psychische Wohl der BeschĂ€ftigten ein zentrales Thema. Die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) veranstaltet daher vom 14. bis 16. September 2026 ihre Fachtagung „Sicherheit und Gesundheit in Handel und Warenlogistik“ in Dresden.

Die Tagung richtet sich speziell an BetriebsrĂ€te, FachkrĂ€fte fĂŒr Arbeitssicherheit und FĂŒhrungspersonal. Der Fokus liegt darauf, sichere Arbeitsumgebungen im kontinuierlichen Wandel der Branche zu erhalten. Denn mit zunehmender Automatisierung und dem Einsatz von Robotik verĂ€ndern sich auch die Gefahren am Arbeitsplatz.

In Dresden können sich BetriebsrĂ€te mit PrĂ€ventionsexperten austauschen und neueste Erkenntnisse zum Arbeitsschutz erhalten. Das Ziel: Sie sollen mit aktuellen Studienergebnissen ausgestattet werden, um in ihren Unternehmen besser fĂŒr Schutzmaßnahmen argumentieren zu können.

KI und Transformation: Die „Handel im Wandel“-Konferenz

ErgĂ€nzend dazu organisiert das Institut zur Fortbildung von BetriebsrĂ€ten (ifb) im September in Berlin das Symposium „Handel im Wandel“. Es adressiert BetriebsrĂ€te aus Einzelhandel, Großhandel und E-Commerce und behandelt die großen strukturellen VerĂ€nderungen.

Der Handel steht unter massivem VerĂ€nderungsdruck, getrieben von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI), Personalmangel und hoher Arbeitsbelastung. Die Konferenz soll BetriebsrĂ€te befĂ€higen, diesen Wandel aktiv mitzugestalten statt ihn nur zu erleiden.

Im Zentrum der Diskussionen steht die Frage: Wie können BetriebsrĂ€te ihre Mitbestimmungsrechte nutzen, wenn Unternehmen neue KI-Systeme oder digitale FĂŒhrungsinstrumente einfĂŒhren? Angesichts von Sorgen um digitale Überwachung und algorithmengesteuerte ArbeitsablĂ€ufe benötigen sie spezielles rechtliches und technisches Know-how, um faire Betriebsvereinbarungen auszuhandeln. Das Symposium fördert den bundesweiten Austausch praktischer Lösungen.

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BetriebsrÀte kÀmpfen an zwei Fronten

Die Gleichzeitigkeit von Tarifrunde und technologischem Wandel bedeutet eine nie dagewesene Belastung fĂŒr die Arbeitnehmervertretungen. Sie kĂ€mpfen an zwei Fronten: Einerseits unterstĂŒtzen sie den gewerkschaftlichen Kampf fĂŒr faire Bezahlung in einer Branche mit niedrigen Löhnen und einer Tarifbindung von nur 23 Prozent.

Andererseits mĂŒssen sie komplexe digitale Transformationen begleiten, die Jobprofile und ArbeitsablĂ€ufe grundlegend verĂ€ndern. Der Einsatz von KI in der Bestandsverwaltung, automatischen Kassensystemen und algorithmischer Schichtplanung erfordert ein neues Maß an technischem VerstĂ€ndnis.

Die Symposien in Dresden und Berlin sind daher mehr als Fortbildungen. Sie sind strategische Gipfeltreffen, um branchenweite SolidaritĂ€t zu stĂ€rken, technologische Trends zu entschlĂŒsseln und Arbeitsschutzerkenntnisse in konkrete Betriebspolitik zu ĂŒbersetzen.

Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Mit Beginn der Tarifverhandlungen im April 2026 drohen Arbeitskampfmaßnahmen. Die Gewerkschaft signalisiert bereits hohe Kampfbereitschaft. Die Herbst-Symposien werden dann wichtige Zwischenbilanzpunkte sein. In einer Branche, in der E-Commerce und stationĂ€rer Handel immer mehr verschmelzen, wird die Rolle der BetriebsrĂ€te weiter an Bedeutung gewinnen.

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