Conti profitiert von solidem ReifengeschÀft - Aktie zieht an
06.05.2026 - 11:22:35 | dpa.de(neu: Aussagen Finanzchef aus GesprÀch, Kurs aktualisiert.)
HANNOVER (dpa-AFX) - Der Reifen- und Kunststofftechnikkonzern Continental DE0005439004 hat im ersten Quartal bei weniger Umsatz mehr verdient. Dank guter Reifen-GeschÀfte und Kosteneinsparungen stieg die bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern auf 11,9 Prozent, nach 10,7 Prozent im Vorjahreszeitraum, wie das DaxDE0008469008-Unternehmen am Mittwoch in Hannover mitteilte. Die Marge lag damit höher als von Analysten mit im Schnitt 11,4 Prozent erwartet. Die Aktie zog krÀftig an.
Das Papier gewann am spÀten Vormittag rund 7 Prozent auf 66,72 Euro und reduzierte damit den bisherigen Verlust im laufenden Jahr deutlich. Analyst Michael Aspinall von der US-Investmentbank Jefferies sprach von starken Margen sowohl in der Reifen- als auch der Kunststofftechniksparte Contitech. Preise und Absatzmix hÀtten sich zum Jahresstart stark entwickelt. Experte Akshat Kacker von JPMorgan verwies auf Contis Zuversicht, die gröbsten Auswirkungen des Nahost-Konflikts kompensieren zu können.
Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 522 Millionen Euro, das waren 6,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Analysten hatten hier nur mit knapp 500 Millionen Euro gerechnet. Unterm Strich verdiente Conti 200 Millionen Euro, fast dreimal so viel wie vor einem Jahr.
Der Umsatz ging dagegen von 4,9 auf 4,4 Milliarden Euro zurĂŒck. Grund war den Angaben zufolge vor allem der Verkauf des GeschĂ€ftsbereichs OESL im Februar, der nur noch anteilig in die Quartalserlöse einfloss. Organisch - also unter Herausrechnung von OESL-Verkauf und Wechselkurseffekten - sei der Umsatz noch um 0,9 Prozent geschrumpft, hieĂ es.
"Operativ sind wir gut in das Jahr gestartet", sagte Vorstandschef Christian Kötz laut Mitteilung. "Im Vergleich zum Vorjahresquartal haben wir unsere ProfitabilitÀt sowohl bei Tires als auch bei ContiTech gesteigert. Das verleiht uns Aufwind."
Seinen Ausblick fĂŒr das Gesamtjahr bestĂ€tigte der Manager. "Gleichzeitig fĂŒhren die geopolitischen Entwicklungen zu erhöhter Unsicherheit bei den Verbrauchern und fĂŒr die Wirtschaft insgesamt. Deshalb arbeiten wir weiter hart daran, unsere WettbewerbsfĂ€higkeit zu steigern."
Im zentralen ReifengeschĂ€ft verbesserte sich die bereinigte operative Marge um einen Prozentpunkt auf 14,4 Prozent. Hier profitierte Conti von einem guten ErsatzgeschĂ€ft und dem Trend zu groĂen und teuren Pkw-Reifen. "Das ReifenersatzgeschĂ€ft entwickelt sich gut", sagte Finanzvorstand Roland Welzbacher der Deutschen Presse-Agentur. Das habe RĂŒckgĂ€nge bei der ErstausrĂŒstung von Neuwagen ausgleichen können. Angesichts rĂŒcklĂ€ufiger Produktionszahlen bei den Autobauern wĂŒrden dort auch weniger Reifen verbaut. "Das kompensieren wir ĂŒber das ReifenersatzgeschĂ€ft."
Zugleich profitierte Conti im ersten Quartal noch von geringeren Rohmaterialkosten als vor einem Jahr. "Da hatten wir noch relativ hohe Kosten, die sind dann im Verlauf des letzten Jahres stark zurĂŒckgekommen, und davon profitieren wir auch noch", so Welzbacher. Das werde sich angesichts der Krise in Nahost aber Ă€ndern. Zwar gebe es noch keine EngpĂ€sse bei erdölbasierten Rohstoffen. "Aber auf der Preisseite macht sich das schon deutlich bemerkbar."
Im Gesamtjahr sehe er einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag auf Conti zukommen. Erste AusschlĂ€ge erwarte er zum Ende des zweiten Quartals, voll durchschlagen dĂŒrften die höheren Kosten dann im zweiten Halbjahr. "Die jĂŒngsten VerĂ€nderungen bei den Rohstoffen werden sich erst mit Verzögerung auf uns auswirken." Grund seien noch laufende LiefervertrĂ€ge, von denen Conti profitiere.
Conti legt kritische Rohmaterialien auf Lager
Das gebe dem Unternehmen nun etwas Zeit, um GegenmaĂnahmen zu treffen. "Wir sind im Moment zuversichtlich, dass uns das gelingt." Konkret gehe es etwa um weitere Verbesserungen bei Effizienz und Kostendisziplin sowie "kommerzielle MaĂnahmen" im Markt. Und: "Wir werden uns auch ein paar zusĂ€tzliche WarenbestĂ€nde fĂŒr kritische Rohmaterialien anlegen, sollte es zu EngpĂ€ssen kommen."
Sorgen bereiten dem Konzern auch die neuen Zolldrohungen aus den USA. PrĂ€sident Donald Trump hatte jĂŒngst mit einer Anhebung der Zölle auf Autos aus der EU auf 25 Prozent gedroht. Zwar sei bisher noch völlig unklar, ob das auch fĂŒr Reifen gelte, sagte Welzbacher. Doch wenn es so komme, rechne er mit einem mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag als zusĂ€tzlicher Belastung.
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