Ergebnisse, Produktion/Absatz

Heidelberger Druck macht Verlust

12.02.2025 - 12:01:44

HEIDELBERG - Der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen DE0007314007 ist im dritten GeschÀftsquartal wegen des geplanten Personalabbaus in die roten Zahlen gerutscht.

(Neu: Aussagen aus einer Telefonkonferenz, Aktienkurs und Analysten)

HEIDELBERG (dpa-AFX) - Der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen DE0007314007 ist im dritten GeschĂ€ftsquartal wegen des geplanten Personalabbaus in die roten Zahlen gerutscht. Allerdings lief es im operativen GeschĂ€ft besser als zuletzt. "Wir konnten in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld Umsatz und operatives Ergebnis quartalsweise kontinuierlich steigern", sagte Unternehmenschef JĂŒrgen Otto laut Mitteilung vom Mittwoch. Im kommenden GeschĂ€ftsjahr werde das Unternehmen die Kosten weiter senken. Dies wirke sich positiv auf die ProfitabilitĂ€t aus.

An der Börse begaben sich die Aktien nach der Vorlage der Zahlen auf eine Achterbahnfahrt. ZunĂ€chst kamen die Papiere fast wieder an ihr Jahreshoch heran, drehten dann aber klar ins Minus. Zuletzt verloren die Anteilsscheine rund 4,6 Prozent auf 1,13 Euro. Dabei sieht Warburg-Experte Stefan Augustin das Unternehmen nach dem dritten GeschĂ€ftsquartal eigentlich auf einem guten Weg in Richtung Jahresziele. FĂŒr Florian Sager von der Investmentbank Stifel trafen die Quartalsergebnisse ziemlich die Erwartungen.

Der Maschinenbauer will in den kommenden drei GeschÀftsjahren an seinem Standort Wiesloch-Walldorf mehr als jede zehnte Stelle streichen. Etwa 450 der aktuell rund 4.000 Jobs sollen sozialvertrÀglich wegfallen, wie der SDax-Konzern DE0009653386 im Dezember mitgeteilt hatte. Damit will das Unternehmen in diesem Zeitraum die Personalkosten um mehr als 100 Millionen Euro reduzieren. Im Gegenzug fallen im laufenden GeschÀftsjahr 2024/2025 Einmalbelastungen von rund 30 Millionen Euro an.

Nach Steuern machte das Unternehmen in den drei Monaten bis Ende Dezember wegen der Bildung von RĂŒckstellungen fĂŒr den Personalabbau einen Verlust von 7 Millionen Euro, wie es am Mittwochmorgen in Heidelberg mitteilte. Im zweiten GeschĂ€ftsquartal hatte Heideldruck noch einen Gewinn ausgewiesen, und vor einem Jahr hatte das Unternehmen unter dem Strich eine Million Euro verdient.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte hingegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um ĂŒber 60 Prozent auf 55 Millionen Euro zu. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 5,7 auf 9,2 Prozent. Der Umsatz verharrte mit 594 Millionen Euro auf Vorjahresniveau.

In Wiesloch laufe die Produktion derzeit unter Volllast, sagte Otto. In Amstetten und Brandenburg sei die Produktion indes leicht gebremst worden. An den beiden Standorten macht Heideldruck auch DrittgeschĂ€fte, die wegen der konjunkturellen Lage in Deutschland deutlich schlechter liefen als das DruckgeschĂ€ft. Im ersten Standort stellt das Unternehmen Gussteile her, im letzteren fertigt es mechanische Teile fĂŒr die Herstellung von Druckmaschinen.

Konzernlenker Otto will nicht nur die Lohnkosten senken, sondern Heidelberger Druckmaschinen auch wieder auf Wachstum trimmen. Mittlerweile dominieren der Verpackungsdruck und der gemeinsam mit Canon JP3243200007 betriebene Digitaldruck das GeschĂ€ft. Auch setzt Otto auf Wachstum in China und anderen asiatischen MĂ€rkten. Mittelfristig könnte dies alles zusĂ€tzlichen Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro bringen, schĂ€tzt er. Das Unternehmen produziere in China ĂŒberwiegend fĂŒr den lokalen und asiatischen Markt, so der Manager. Ein kleiner Teil der Maschinen gehe nach Amerika.

Zudem plant Otto, der frĂŒher den Autozulieferer Brose leitete, das LadetechnikgeschĂ€ft Amperfied der Heidelberger weiterzuentwickeln. Dabei setzt er Hoffnung in den Ausbau von Ladeparks fĂŒr Firmenkunden. Auch soll das IndustriegeschĂ€ft eine höhere Auslastung erzielen.

Ein sehr großer Einzelmarkt fĂŒr Heidelberger Druckmaschinen sei die USA, sagte Otto. Sollten Zölle erhoben werden, dann mĂŒssten im Endeffekt die Kunden diese zahlen. "Das wird nicht auf Heidelberg hĂ€ngen bleiben", zeigte sich Otto zuversichtlich. Sollte sich aber einer der Wettbewerber fĂŒr eine lokale Produktion entscheiden, dann könne sein Unternehmen reagieren. Derzeit wĂŒrden die USA komplett aus Europa und China bedient. Rund 400 Millionen Euro mache bei Heidelberg der US-Markt aus.

Derweil bestĂ€tigte das Management die Ziele fĂŒr das Gesamtjahr. Demnach dĂŒrften die Erlöse im laufenden GeschĂ€ftsjahr (per Ende MĂ€rz) auf dem Niveau des Vorjahres von knapp 2,4 Milliarden Euro verharren. Vom Umsatz sollen wie im Vorjahr 7,2 Prozent als um Sondereffekte bereinigter Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen hĂ€ngen bleiben. FĂŒr das kommende GeschĂ€ftsjahr 2025/26 peilt der Maschinenbauer eine bereinigte Marge von bis zu rund 8 Prozent an.

@ dpa.de | DE0007314007 ERGEBNISSE