Auftragsdelle bei Heidelberger Druckmaschinen - Kurzarbeit
07.02.2024 - 12:26:36Die schwĂ€chere Marktentwicklung erfordere es, entgegenzusteuern, sagte Unternehmenschef Ludwin Monz am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Das Unternehmen habe vor dem Hintergrund des sinkenden Auftragseingangs seit Januar in Teilen der Produktion und an mehreren Standorten Kurzarbeit eingefĂŒhrt. Diese soll zunĂ€chst bis Ende MĂ€rz laufen. "Wir erwarten durch die Kurzarbeit kurzfristige Einsparungen im niedrigen einstelligen Millionen-Bereich", sagte der Manager.
Nach frĂŒhen Kursgewinnen rutschte die Aktie ins Minus. Zuletzt gab das Papier um rund 3,7 Prozent nach und gehörte damit unter den schwĂ€chsten Werten im Nebenwerteindex SDax DE0009653386. Die Kennziffern hĂ€tten zumeist leicht unter seinen Erwartungen gelegen, schrieb Analyst Stefan Augustin von Warburg Research. Die AuftragseingĂ€nge seien im dritten GeschĂ€ftsquartal eingebrochen - ein Signal fĂŒr ein schwierigeres GeschĂ€ftsumfeld.
Was jetzt an AuftrÀgen fehle, könne sich in rund einem halben Jahr in den Zahlen zeigen. "Wir bauen aber darauf, dass sich die Konjunktur bis dahin etwas erholt und die Nachfrage auch hoffentlich durch sinkende Zinsen und die Branchenmesse Drupa wieder anzieht", sagte Monz. Die Messe findet in der Regel alle vier Jahre statt. Die Hersteller von Druckmaschinen erhoffen sich auf der Drupa, die Ende Mai beginnt, viele AuftrÀge.
In den ersten neun Monaten seines GeschĂ€ftsjahres 2023/24 konnte das Unternehmen seine Erlöse dank besserer GeschĂ€fte im Verpackungssegment fast stabil halten. Operativ lief es unter anderem wegen eines Sparprogramms besser. "In einem schwachen gesamtwirtschaftlichen Umfeld konnte sich Heidelberg in den drei ersten Quartalen des GeschĂ€ftsjahres behaupten", sagte Monz laut Mitteilung. Umsatz und operatives Ergebnis hĂ€tten sich wie erwartet entwickelt. Die Ziele fĂŒr das bis Ende MĂ€rz laufende GeschĂ€ftsjahr bestĂ€tigte das Unternehmen.
In den neun Monaten bis Ende Dezember sank der Umsatz im Jahresvergleich um 2,5 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Heidelberg mitteilte. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte dagegen um acht Prozent auf 135 Millionen Euro zu. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 7,2 Prozent im Vorjahr auf 8,0 Prozent.
Im Gesamtjahr sollen Umsatz und die bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) in etwa die Werte des Vorjahres von gut 2,4 Milliarden Euro und 7,2 Prozent erreichen.
Unter dem Strich ging der Gewinn in den ersten drei Quartalen etwa wegen höherer Steuern und gestiegener ZinsaufwĂ€nde fĂŒr Pensionen um gut ein Drittel auf 34 Millionen Euro zurĂŒck.
Derweil bekam Heidelberger Druckmaschinen die deutliche AbkĂŒhlung der Investitionsnachfrage im deutschen Maschinen- und Anlagenbau im dritten Quartal im Auftragseingang zu spĂŒren. Zudem hielten sich einige Kunden vor dem Start der Drupa zurĂŒck.
Der Auftragseingang schrumpfte auch daher in den ersten neun Monaten um neun Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro, alleine im dritten Quartal betrug der RĂŒckgang fast ein FĂŒnftel.
Um profitabler zu werden, spart das Unternehmen derweil. Im Rahmen eines Programms seit April vergangenen Jahres seien rund 250 Initiativen fĂŒr die kommenden drei Jahre identifiziert, teilte Heidelberger Druckmaschinen mit. Diese sollten dazu beitragen, dass das Unternehmen zukĂŒnftig nachhaltig positive BarmittelzuflĂŒsse erwirtschaften könne, erlĂ€uterte Monz. Und dies auch ohne positive SondereinflĂŒsse wie etwa durch GrundstĂŒcksverkĂ€ufen, wie es in den Vorjahren gegeben habe. Bereits Ende des GeschĂ€ftsjahres (Ende MĂ€rz) soll der sogenannte Free Cashflow positiv sein. In den ersten neun Monaten gab es noch einen Barmittelabfluss in Höhe von 54 Millionen Euro.
Nach einer tiefgreifenden Krise hatte sich Heidelberger Druck vor ein paar Jahren neu aufgestellt und dabei verlustbringende Produkte eingestampft, ArbeitsplĂ€tze abgebaut und sich auf den Verpackungsdruck und die Digitalisierung konzentriert - sprich auf mehr Softwareautomatisierung fĂŒr die Kunden unter anderem im Druckgewerbe.
Schon seit 2018 vertreibt das Unternehmen auch selbst entwickelte Wallboxen - das sind etwa an der Garagenwand angebrachte, kleine Systeme zum schnellen Laden von E-Autos. Der Vertrieb lĂ€uft ĂŒber Amazon US0231351067 und teils in Partnerschaften mit Energieversorgern. Mit der Ăbernahme der LadesĂ€ulentechnologie des Energieunternehmens EnBW DE0005220008 Ende 2021 kamen auch Produkte fĂŒr den öffentlichen Raum hinzu.

