Aixtron ringt weiter mit trÀger Nachfrage - Sparprogramm
27.02.2025 - 12:03:20(Neu: Kursentwicklung aktualisiert)
HERZOGENRATH (dpa-AFX) - Mangelnder Schwung in der ElektromobilitĂ€t sowie teils schwierige IndustriemĂ€rkte schlagen weiterhin auf den ChipindustrieausrĂŒster Aixtron DE000A0WMPJ6 durch. In diesem Umfeld rechnet Aixtron-Chef Felix Grawert laut einer Mitteilung vom Donnerstag fĂŒr 2025 mit einem UmsatzrĂŒckgang auf 530 bis 600 Millionen Euro, nach einem Miniwachstum auf gut 633 Millionen Euro im alten Jahr. Als Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sollen vom Umsatz im laufenden Jahr etwa 18 bis 22 Prozent ĂŒbrig bleiben. Dabei plant das Unternehmen auch Kosten fĂŒr einen Personalabbau ein. Ein HĂ€ndler sprach in einer ersten Reaktion von einem eher durchwachsenen Ausblick. FĂŒr den Aktienkurs ging es nach unten.
Bereits im Herbst hatte Grawert Anleger und Analysten auf eine wohl auch 2025 gedÀmpfte Nachfrage eingestellt und einen Umsatz auf dem Niveau von 2024 oder leicht darunter als wahrscheinlich bezeichnet.
In der aktuellen Margenprognose sind den Angaben zufolge Aufwendungen fĂŒr ein Freiwilligenprogramm zur Personalreduktion in Höhe eines mittleren einstelligen Millionen-Euro-Betrages berĂŒcksichtigt. Das soll dann perspektivisch Kosten im mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich pro Jahr sparen. Das entspreche einer Verbesserung der operativen Marge um rund einen Prozentpunkt.
Kunden des Unternehmens, die Elektronikchips herstellen, halten sich schon eine Weile mit gröĂeren Investitionen zurĂŒck. So wĂ€chst die ElektromobilitĂ€t zwar, boomt aber nicht mehr so stark wie vor lĂ€ngerer Zeit noch erwartet. Das lastet auf der Nachfrage nach Siliziumcarbid-Chips (SiC), die wegen ihrer hohen Effizienz und TemperaturbestĂ€ndigkeit fĂŒr Schnellladetechnik fĂŒr E-Autos verwendet werden. Auch mit Blick auf den Ausbau Alternativer Energien werden Hochvolt-SiC-Bauelemente immer interessanter.
Zudem sitzen Unternehmen in der Industrie und anderen Branchen teilweise immer noch auf recht hohen LagerbestÀnden an Elektronikchips, die sie wÀhrend der Knappheit in der Corona-Pandemie geordert hatten.
In diesem Umfeld sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern 2024 um 16 Prozent auf gut 131 Millionen Euro. Damit ergibt sich ein MargenrĂŒckang von 25 auf 21 Prozent. Das Betriebsergebnis liegt unter der durchschnittlichen AnalystenschĂ€tzung. Allerdings muss auch berĂŒcksichtigt werden, dass Aixtron 2024 deutlich mehr ins GeschĂ€ft investierte als im Jahr zuvor.
Unter dem Strich verdiente der im MDax DE0008467416 notierte Konzern gut 106 Millionen Euro und damit gut ein Viertel weniger als im vorangegangenen Jahr. Die Dividende soll von 0,40 auf 0,15 Euro je Aktie sinken.
Ein HĂ€ndler lobte in einer ersten Reaktion das Schlussquartal, in dem der Auftragseingang von 157 Millionen Euro ĂŒber den Erwartungen gelegen habe. Der GeschĂ€ftsausblick fĂŒr 2025 sei aber eher durchwachsen, so der Experte.
Die zunehmenden trĂ€geren GeschĂ€fte und trĂŒberen Aussichten hatten den Aktienkurs denn auch schon 2024 nach unten gezogen. Mehr als 60 Prozent bĂŒĂten die Papiere in einem abseits des KI-Hypes schwierigen Halbleiterumfeld als einer der schwĂ€chsten MDax-Werte am Ende ein.
An diesem Donnerstag sackte der Aktienkurs um gut elf Prozent auf 12,81 Euro ab. Damit wuchs der Kursverlust des laufenden Jahres auf fast 16 Prozent, was den vorletzten Platz im MDax bedeutet.
Mittelfristig bleibt Aixtron aber positiv gestimmt. "Das Jahr 2024 hat sich deutlich anders entwickelt, als ursprĂŒnglich erwartet", sagte Finanzvorstand Christian Danninger laut Mitteilung. "Trotzdem investieren wir weiter konsequent in unsere Zukunft. Durch unser neues Innovationszentrum werden unsere Forschungs- und EntwicklungsaktivitĂ€ten weiter gestĂ€rkt. Der Fokus unserer AktivitĂ€ten im Jahr 2025 liegt nun auf der StĂ€rkung der ProfitabilitĂ€t und dem Wiederaufbau einer starken Cash-Position."
Auch Analyst Malte Schaumann von Warburg Research rechnet perspektivisch mit wieder anziehenden GeschĂ€ften. Die mittelfristigen Wachstumstreiber seien intakt, schrieb er jĂŒngst in einer Studie. Die SiC-bezogene Nachfrage werde sich mit zunehmender Durchdringung bei EV-Plattformen erholen. Und die schnell wachsenden GeschĂ€fte mit Anlagen zur Herstellung von Chips auf Galliumnitrid-Basis (GaN) dĂŒrften in den kommenden Jahren einen immer gröĂeren Beitrag leisten.
So werden GaN-Halbleiter vor allem im Bereich niedriger und mittlerer Leistungs- und Spannungsklassen eingesetzt, wie etwa in Netzteilen fĂŒr Smartphones und Laptops sowie in der Stromversorgung fĂŒr moderne Rechenzentren, insbesondere auch fĂŒr Anwendungen der KĂŒnstlichen Intelligenz.

