Schaeffler schockt Anleger mit schwachen Aussichten bei E-Autos
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 12:39 Uhr | dpa.de(neu: Kurs, mehr Details, Analysten.)
HEZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler DE000SHA0100 streicht wegen der schlechten Lage in der Autoindustrie seine mittelfristigen GeschÀftsziele zusammen. Vor allem der mit dem Vitesco-Zukauf verstÀrkte Bereich rund ums Elektroauto macht Probleme und wÀchst bis 2028 nicht so stark, wie Vorstandschef Klaus Rosenfeld es eingeplant hatte. Auch mit dem Erreichen der operativen Gewinnschwelle in der Sparte wird es bis dahin wohl nichts werden. Die im MDax DE0008467416 notierte Aktie fiel am Freitag rasant.
Der Kurs sackte zuletzt um 16 Prozent auf 6,83 Euro ab, zwischenzeitlich wurde der Handel gar unterbrochen. Zuvor war die Bilanz des Titels seit Jahresbeginn fast ausgeglichen. Das Papier hat aber in diesem Jahr ohnehin schon starke Schwankungen hinter sich. ZunÀchst ging es mit der Fantasie um die Chancen im Zukunftsfeld mit humanoiden Robotern steil bis auf fast 12 Euro nach oben. Dann fiel die Jahresprognose mau aus und setzte der Aktie zu. Bis Anfang Juni erholte sie sich wieder fast bis an das Jahreshoch, bevor wieder ein AbwÀrtstrend einsetzte.
Analystin Vanessa Jeffriess von der US-Investmentbank Jefferies schrieb, der Konzern liege mit seiner Umsatzprognose fĂŒr 2028 nun auf Augenhöhe mit ihren eigenen SchĂ€tzungen. Allerdings sei sie vorsichtiger als das Gros der Experten gewesen. Beim operativen Ergebnis habe sie gar weniger auf dem Zettel als Schaeffler jetzt anpeile. Der Schnitt der Analysten dĂŒrfte aber enttĂ€uscht werden, insbesondere da das Erreichen der Gewinnzone in der Sparte fĂŒr ElektromobilitĂ€t zentral fĂŒr die Anleger sei. Vor rund zwei Wochen hatte sich UBS-Experte Juan Perez-Carrascosa bereits skeptisch gezeigt - die 2028er-Ziele seien ambitioniert.
Die Auftragslage ist fĂŒr Schaeffler schwĂ€cher als gedacht. So dĂŒrfte im Jahr 2028 nur noch ein Konzernumsatz von 24 bis 26 Milliarden Euro erzielt werden, teilte der MDax-Konzern ĂŒberraschend am Freitag in Herzogenaurach mit. Bisher hatte Chef Rosenfeld eine Steigerung auf 27 bis 29 Milliarden Euro im Sinn. Vergangenes Jahr hatte Schaeffler einen Erlös von 23,5 Milliarden Euro erzielt.
Vor allem in der Sparte mit Teilen fĂŒr Elektroautos sind die AuftrĂ€ge nicht so ĂŒppig, dass die Planungen aufrechterhalten werden können. Die operative Gewinnschwelle wird in dem Bereich wohl ebenfalls nicht wie geplant erreicht. Die um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern dĂŒrfte in dem GeschĂ€ft dann stattdessen zwischen minus 4 und 0 Prozent liegen.
Die um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern auf Konzernebene hingegen erwartet das Management 2028 weiter zwischen 6,0 und 8,0 Prozent. Mit dem niedriger eingeplanten Umsatz dĂŒrfte damit aber nun deutlich weniger Gewinn erzielt werden als zunĂ€chst in Aussicht gestellt. Beim bereinigten freien Mittelzufluss soll es in zwei Jahren bei den anvisierten 400 bis 600 Millionen Euro bleiben.
