Klimawandel, Job

Klimawandel im Job: Experten fordern mehr Hitzeschutz

18.06.2026 - 06:16:20 | dpa.de

Hitze im Büro, Einbußen für die Wirtschaft: Um Beschäftigte besser vor dem Klimawandel zu schützen, fordern Experten mehr Hitzeschutz in deutschen Unternehmen.

Um dauerhafte Leistungseinbußen zu vermeiden, gebe es dringenden Handlungsbedarf, sagt die Volkswirtin Katharina Utermöhl, die sich beim Versicherungskonzern Allianz mit wirtschaftspolitischer Forschung beschäftigt.

Deutschland befinde sich in einer "gefährlichen Mittelzone", während südliche Länder Hitze seit Jahrzehnten in Stadtplanung, Bauweise und Arbeitsalltag berücksichtigten. Unternehmen, die Arbeitszeiten an hohe Temperaturen anpassten, schützten die Produktivität der Beschäftigten und nachhaltig ihren Marktwert. "Früh anfangen, die Mittagshitze meiden und den Arbeitstag entsprechend strukturieren - das ist eine sehr leicht umsetzbare Produktivitätsstrategie", sagt sie. Die Siesta sei "kein Mittagsschläfchen, sie ist Risikomanagement".

Für Deutschland bedeute der Klimawandel aber nicht nur, Arbeitszeitmodelle flexibler zu gestalten. Daneben seien langfristige bauliche Maßnahmen, wie helle Fassaden und Dächer, Verschattung sowie begrünte Flächen eine Lösung.

Gewerkschaften skeptisch

Die Gewerkschaften sehen in pauschalen Siesta-Modellen keine allgemeingültige Lösung. Es müsse branchenspezifisch gedacht werden, betont Anja Piel, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). "Was im Büro hilft, passt eben nicht auf der Baustelle."

Kritisch sieht der DGB auch mögliche Änderungen am Arbeitszeitgesetz. Hintergrund ist die aktuelle Debatte über eine Reform des Acht-Stunden-Tages. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, die tägliche durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. Gewerkschaften warnen, dass dadurch Schutzstandards aufgeweicht werden könnten.

"Es ist unredlich, dass das Thema Hitzeschutz jetzt von Arbeitgebern missbraucht wird, um eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes durchzudrücken. Aufweichungen dienen einzig und allein Arbeitgeberinteressen, nicht aber dem Wohl der Beschäftigten", sagt Piel.

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