Debatte um ZustĂ€ndigkeiten und Gelder fĂŒr Hitzeschutz
29.06.2026 - 15:37:14 | dpa.deDie Bundesregierung verweist auf die ZustÀndigkeit von LÀndern und Kommunen.
Die Fraktionschefin der oppositionellen GrĂŒnen im Bundestag, Katharina Dröge, kritisierte mangelndes Handeln der Bundesregierung beim Hitzeschutz. "Friedrich Merz kann vielleicht aus dem klimatisierten Kanzleramt heraus die Hitze ignorieren, aber die PflegekrĂ€fte in den KrankenhĂ€usern, die können das nicht", sagte Dröge im ARD-"Morgenmagazin".
Bereits am Wochenende hatte sie ein Sofortprogramm gefordert. Mit sogenannten Klima-Solar-Anlagen, also mit Solarstrom betriebenen Klimaanlagen, sollten KrankenhĂ€user, Pflegeeinrichtungen und Kitas gekĂŒhlt werden. Zugleich brauche es mehr BegrĂŒnung in StĂ€dten - und mehr Klimaschutz, um noch höheren Temperaturen vorzubeugen. Aus Sicht des Fraktionsvorsitzenden der Linken, Sören Pellmann, dĂŒrften Kommunen die Kosten fĂŒr Hitzeschutz nicht alleine tragen.
Haben die LĂ€nder und Kommunen genĂŒgend Geld fĂŒr Hitzeschutz?
Der Bund habe LĂ€ndern und Kommunen 100 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur zu Beginn dieser Legislatur zur VerfĂŒgung gestellt fĂŒr die nĂ€chsten Jahre, sagte Umweltminister Carsten Schneider im Deutschlandfunk. "Und ich finde, das ist ausreichend und auch auskömmlich, um das Ganze auch zu finanzieren und diese Aufgabe auch wahrzunehmen", sagte der SPD-Politiker auch mit Blick auf die Forderungen, öffentliche GebĂ€ude mit Solar-Klimaanlagen auszustatten. An einer Mitfinanzierung des Bundes in den nĂ€chsten Jahren arbeite Schneider derzeit bei der Haushaltsaufstellung. In StĂ€dten versiegelte FlĂ€chen aufzubrechen, BĂ€ume zu pflanzen und Trinkbrunnen zur VerfĂŒgung zu stellen, seien zentrale Punkte.
Das Sondervermögen ersetze keinesfalls eine dauerhafte Finanzierung von Hitzeschutz in Kommunen, sagte dagegen Achim Brötel, PrĂ€sident des Deutschen Landkreistages, einem Verband zur Interessenvertretung der Kommunen. "Hitzeschutz ist gerade keine punktuelle Zusatzaufgabe, sondern Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge. Eine rein anlassbezogene Finanzierung wird dieser Aufgabe nicht gerecht." Auch die StĂ€dte wĂŒrden Hitzeschutz in Zukunft alleine nicht stemmen können, sagte Christian Schuchardt, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen StĂ€dtetages. "Ein kommunaler Hitzeaktionsplan bleibt aber ein Papiertiger, wenn wir die darin enthaltenen MaĂnahmen nicht umsetzen können, weil den StĂ€dten das Geld fehlt."
Hitzewellen verursachten auch volkswirtschaftliche SchĂ€den, sagte der GrĂŒnen-Parteivorsitzende Felix Banaszak. "Die ganze letzte Woche war dieses Land nur eingeschrĂ€nkt produktiv." Wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden durch die Hitze der vergangenen Tage ist, konnte das Bundeswirtschaftsministerium bislang nicht beziffern.
Wie ist die Lage in KrankenhÀusern und Pflegeeinrichtungen?
EuropĂ€ische Wohnungen, ArbeitsplĂ€tze und Schulen seien fĂŒr solche extremen Temperaturen nicht ausgelegt, schrieb der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Sonntag auf der Plattform X. "Seit dem 21. Juni wurden in Europa mehr als 1.300 zusĂ€tzliche TodesfĂ€lle verzeichnet, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen". In Senioren-Einrichtungen in Dormagen und Krefeld in Nordrhein-Westfalen mussten am Samstag zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner mit Gesundheitsproblemen aus ĂŒberhitzten GebĂ€udebereichen in Sicherheit gebracht werden.
SpĂ€testens kommendes Jahr mĂŒssten fĂŒr KrankenhĂ€user und Pflegeeinrichtungen bundesweit Investitionen in den Hitzeschutz in Höhe von 30 Milliarden Euro starten, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. "Klima-Solar-Anlagen" seien dabei eine wirksame Lösung. "Statt sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben, mĂŒssen Bund, LĂ€nder und Kommunen jetzt gemeinsam handeln." Der Bund solle die Kosten vollstĂ€ndig ĂŒbernehmen, weil Kommunen, KrankenhĂ€user und Pflegeeinrichtungen nicht genĂŒgend eigene Mittel dazu hĂ€tten. Auch aus Sicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft reichten die vorhandenen Mittel nicht aus. Zudem sei kĂŒnftig mit mehr hitzebedingten Patienten zu rechnen.
Das Bundesgesundheitsministerium nennt einen Hitzeschutzplan und einen Fonds in Höhe von 29 Milliarden Euro. "Wir tun, was wir können und was wir dĂŒrfen, wir können aber nichts an der föderalen Ordnung Ă€ndern", sagte eine Sprecherin.
