IAB will KI-Firmen für Content-Klau haftbar machen
06.02.2026 - 19:14:12Die Werbebranche schlägt Alarm: Ein neuer Gesetzesentwurf soll Entwickler generativer KI für unlizenziertes Scrapen von Online-Inhalten zur Rechenschaft ziehen. Ziel ist der Schutz des werbefinanzierten Publizierens.
Das Interactive Advertising Bureau (IAB) hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Rechtslage für KI-Unternehmen grundlegend ändern soll. Der „AI Accountability for Publishers Act“ zielt darauf ab, eine Haftung für „ungerechtfertigte Bereicherung“ zu etablieren. KI-Firmen sollen verpflichtet werden, Inhalte von Verlagen zu lizenzieren, die sie zum Trainieren ihrer Modelle nutzen. Andernfalls drohen rechtliche Konsequenzen.
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Kampf gegen das „Free-Riding“ der KI-Giganten
„KI-Unternehmen profitieren von den Investitionen der Publisher, ohne angemessen zu bezahlen“, warnt IAB-CEO David Cohen. Dieses Geschäftsmodell untergrabe die ökonomische Grundlage des qualitativen Journalismus im Netz. Ohne Gegenmaßnahmen, so die düstere Prognose, könnte der werbefinanzierte Verlagemarkt in wenigen Jahren kollabieren. Der Vorstoß ist eine direkte Reaktion auf die Sorge, dass die Wertschöpfung aus hochwertigen Inhalten einseitig zu Tech-Konzernen wie OpenAI oder Google abwandert.
Der Entwurf zielt darauf, eine Lücke im bestehenden Urheberrecht zu schließen. Bislang berufen sich viele KI-Entwickler auf die US-amerikanische „Fair Use“-Doktrin, die eine eingeschränkte Nutzung geschützter Werke erlaubt. Die neue Haftungsregel würde greifen, wenn KI-Firmen Inhalte scrapen, um damit substitutive Inhalte zu generieren oder gegen Nutzungsbedingungen verstoßen. Der IAB will den Entwurf nun aktiv im US-Kongress platzieren.
Bot-Flut erstickt das echte Internet
Die Dringlichkeit der Initiative wird durch alarmierende Traffic-Daten untermauert. Das Verhältnis von menschlichen Nutzern zu KI-Bots hat sich dramatisch verschoben. Anfang 2025 kamen auf einen Bot noch 200 Menschen, Ende des Jahres nur noch 31 zu 1. Diese Flut automatisierter Zugriffe stellt die Infrastruktur und Geschäftsmodelle von Verlagen vor immense Probleme.
Besonders besorgniserregend ist der Aufstieg spezialisierter RAG-Bots (Retrieval-Augmented Generation) und KI-Suchindexer. Diese greifen über professionelle Scraping-Dienste auf Inhalte zu – auch hinter Paywalls. Fast 40 solcher Anbieter wurden identifiziert, die damit werben, Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen und menschliches Verhalten zu imitieren, um Content kostenlos abzuschöpfen und weiterzuverkaufen.
Globale Regulierungsschlacht um KI und Urheberrecht
Der IAB-Vorstoß ist Teil eines weltweiten Ringens um die Regeln für Künstliche Intelligenz. Während die USA mit diesem haftungsrechtlichen Ansatz vorgehen, setzt die EU mit dem KI-Gesetz (AI Act) auf einen umfassenden regulatorischen Rahmen. In Deutschland ist die Lage durch § 44b des Urheberrechtsgesetzes zum Text- und Data-Mining geregelt, doch die Anwendung auf komplexe KI-Modelle ist juristisch umstritten und Gegenstand zahlreicher Klagen.
Sollte der US-Entwurf Erfolg haben, könnte er einen Präzedenzfall mit globaler Strahlkraft schaffen. Der Druck auf KI-Unternehmen, Lizenzvereinbarungen mit Content-Erstellern zu schließen, würde weltweit steigen. Analysten sehen darin eine notwendige Marktkorrektur. Bleibt sie aus, droht die Qualität und Vielfalt des Internets zu erodieren, weil die Anreize für hochwertigen Journalismus schwinden.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob im US-Kongress überparteiliche Unterstützung für das Gesetz mobilisiert werden kann. Parallel werden laufende Urheberrechtsklagen die Rechtslage weiter prägen. Die Branche steht vor einer entscheidenden Weichenstellung für das Gleichgewicht zwischen Innovation und dem Schutz geistigen Eigentums.
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