IBM Aktie: 42-Prozent-Einbruch bei Z
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 14:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
IBM steckt gerade in der wohl größten Identitätskrise der letzten Jahre. Der Kurs hat innerhalb eines Monats über 18 Prozent verloren. Am Wochenende bleibt Zeit für eine Frage: Hat der Ausverkauf einen Boden gefunden, oder hinkt die Transformation des Konzerns weiter den Erwartungen hinterher?
Der Mainframe-Schock
Im Kern geht es um eine Kluft zwischen dem alten Hardware-Geschäft und den neuen Wachstumsambitionen. IBM will sich seit Jahren als Hybrid-Cloud- und KI-Konzern positionieren. Die jüngsten Quartalszahlen zeigten aber, wie schwer das alte Erbe noch wiegt.
Die Mainframe-Sparte Z brach im zweiten Quartal um 42 Prozent ein. Ein Kollaps dieser Größenordnung bremst den gesamten Konzern spürbar aus und macht deutlich, wie stark IBM immer noch vom zyklischen Investitionsverhalten der Kunden abhängt.
Das Management erklärt den Einbruch mit einem Verdrängungseffekt: Firmenkunden verschieben ihre Budgets zugunsten neuer KI-Hardware. Die Folge: IBM senkte sein Umsatzwachstumsziel für das Gesamtjahr auf 4 bis 5 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Für die kommende Woche bleibt die Kernfrage offen, ob es sich beim Mainframe-Einbruch um verschobene Deals handelt oder um eine dauerhafte Prioritätsverschiebung der Kunden.
Software soll es richten
Dem Hardware-Frust steht die Software-Sparte gegenüber, die um 5 Prozent zulegte. Red Hat sticht dabei besonders heraus, mit einer Beschleunigung von 11 Prozent im Quartalsvergleich. Genau dieses Bild will der Markt von IBM sehen: ein margenstarker Plattform-Konzern mit Software im Zentrum.
Die watsonx-KI-Plattform und die Integration der HashiCorp-Übernahme sollen diese Erzählung tragen. Allerdings reicht ein Software-Plus von 5 Prozent offenbar nicht aus, um einen zweistelligen Rückgang im Infrastrukturgeschäft auszugleichen. Der Kurs hat in den vergangenen zwölf Monaten knapp 15 Prozent verloren – ein Beleg dafür, wie skeptisch Investoren das Tempo des Umbaus einschätzen. Das "neue IBM" wächst dem "alten IBM" einfach nicht schnell genug davon.
Überverkauft, aber nicht aus dem Schneider
Charttechnisch notiert die Aktie tief im überverkauften Bereich, der RSI liegt bei 35,5. Vom Jahrestief bei 175,14 Euro, erreicht am 23. Juli, hat sich der Kurs bereits wieder etwas erholt und schloss am Freitag bei 188,38 Euro – nach einem Tagesplus von 3,74 Prozent. Von seinem Jahreshoch im Juni bleibt die Aktie allerdings noch mehr als ein Drittel entfernt.
Diese Erholung vom Freitag zeigt: Manche Investoren sehen bei diesem Kursniveau wieder Wert in der Aktie. Ob das trägt, hängt aber kaum an IBM selbst.
In der kommenden Handelswoche agiert IBM nicht im luftleeren Raum. Die Quartalszahlen der "Magnificent Seven" – darunter Microsoft, Apple und Amazon – setzen den Ton für die gesamte Tech-Branche. Bestätigen diese Schwergewichte, dass IT-Budgets weiter in Richtung KI-Infrastruktur wandern, dürfte es für IBM schwer werden, den Freitags-Schwung zu halten.
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 231,06 Euro – ein Aufschlag von gut 22 Prozent zum aktuellen Kurs. Für die Bullen unter den Investoren bedeutet die kommende Woche vor allem eines: das jüngste Tief verteidigen und beweisen, dass der Software-Umbau auch dann Fahrt aufnimmt, wenn das Mainframe-Geschäft strukturell unter Druck bleibt.
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