Gewerkschaft ruft Lufthansa-Piloten zu Soli-Streik fĂŒr Discover auf
16.02.2024 - 19:25:10Erstmals hat sie Langstrecken-Piloten der Muttergesellschaft Lufthansa zu einem SolidaritĂ€tsstreik fĂŒr die Discover-Kollegen aufgerufen. Die am Freitag mitgeteilte UnterstĂŒtzungsaktion ist auf die nur wenige Flugzeuge zĂ€hlende Teilflotte der Boeing 787 beschrĂ€nkt. Hier sollen am Montagvormittag (19. Februar) fĂŒnf AbflĂŒge in Frankfurt zwischen 8.00 und 12.00 Uhr bestreikt werden. Andere Starts mit anderen Flugzeugtypen sind nicht betroffen.
Vor diesem Streikaufruf bei der Muttergesellschaft hatte der Konzern angekĂŒndigt, dass trotz des Pilotenstreiks bei der Tochter Discover an diesem Samstag zwei Drittel aller geplanten FlĂŒge stattfinden könnten. Die Passagiere ausfallender Verbindungen wĂŒrden umgehend informiert und auf FlĂŒge anderer Gesellschaften umgebucht.
Die mit 24 Airbus-Jets und rund 420 Piloten vergleichsweise kleine Ferienfluggesellschaft Discover startet ausschlieĂlich von Frankfurt und MĂŒnchen und soll vor allem der Condor im touristischen GeschĂ€ft Konkurrenz machen.
Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hat ihre Mitglieder zu einem dreitĂ€gigen Streik von Samstag bis einschlieĂlich Montag aufgerufen, um einen ersten Tarifvertrag bei der im Sommer 2021 gegrĂŒndeten Airline zu erzwingen. Die Piloten haben seit Dezember bereits einen fĂŒnfstĂŒndigen Warnstreik und zwei regulĂ€re Streiks veranstaltet. Innerhalb der Lufthansa-Gruppe hat die VC fĂŒr die deutschen Gesellschaften eine gemeinsame Tarifkommission begrĂŒndet.
Discover zahlt nach eigenen Angaben bereits höhere PilotengehĂ€lter, die sie aber mit dem Betriebsrat und nicht mit der Gewerkschaft vereinbart hat. Die neuen GehĂ€lter entsprechen exakt der Forderungslage der VC, wie beide Seiten bestĂ€tigt haben. Die Gewerkschaft will den Arbeitskampf weiterfĂŒhren, obwohl ihre materiellen Forderungen damit zunĂ€chst weitgehend umgesetzt scheinen. Eine Betriebsvereinbarung erreiche nicht die RechtsqualitĂ€t und Sicherheit eines Tarifvertrags mit der Gewerkschaft, hatte die VC kritisiert. Zudem habe die Gesellschaft als Vorbedingung eine sogenannte Sozialpartnerschafts-Charta verlangt, die grundlegende Rechte der Gewerkschaft einschrĂ€nke.
Angesichts der "fortwĂ€hrenden Verweigerungshaltung" der Discover sei die UnterstĂŒtzung und Bekundung der SolidaritĂ€t leider erforderlich, teilte VC-Tarifexperte Marcel Gröls mit. "Wir sind jetzt leider an genau dem Punkt, den wir gerne vermieden hĂ€tten und der völlig vermeidbar gewesen wĂ€re."
SolidaritĂ€ts- oder auch UnterstĂŒtzungsstreiks sind nach dem deutschen Arbeitsrecht grundsĂ€tzlich zulĂ€ssig, solange sie verhĂ€ltnismĂ€Ăig bleiben und geeignet erscheinen, den Hauptarbeitskampf zu unterstĂŒtzen.

